06.04.2020

Eine Schule mit einem einzigen Kind

Wie die Strahlenberger Grundschule die Notfallbetreuung organisiert - Der Konrektor hat bisher von Problemen der Schüler nichts gehört

Schriesheim. (hö) Karl Feuchter aus Schriesheim wundert sich, dass gerade ein einziges Kind in der Strahlenberger Grundschule unterrichtet wird. Es befindet sich in der Notfallbetreuung, weil seine Eltern in der kritischen Infrastruktur arbeiten. Feuchter meint, es sollte zu den sieben Notfallbetreuungskindern in der Kurpfalz-Grundschule kommen – sonst würden Steuergelder verschwendet.

Das Staatliche Schulamt widerspricht und verweist auf die Verordnung der Landesregierung zum Corona-Schutz: "Um die Sozialkontakte weitgehend zu minimieren, ist es notwendig, eine möglichst geringe Zahl an unterschiedlichen Betreuungspersonen einzusetzen. Nach Maßgabe des Kultusministeriums hat die Notbetreuung in der jeweiligen Einrichtung, die das Kind bisher besuchte, in möglichst kleinen Gruppen durch das dortige Personal stattzufinden."

Update: Mittwoch, 8. April 2020, 18.24

Schriesheim. (hö) In der Strahlenberger Grundschule hält momentan Rektor Hubert Strehle allein die Stellung. Sein Gebäude ist noch leerer als das der Kurpfalz-Grundschule. Denn nur ein einziges Kind ist dort in der sogenannten Notfallbetreuung, jenseits der B3 sind es sieben Kinder, deren Eltern in der "kritischen Infrastruktur", also als Pfleger, Mediziner, Polizisten oder Verkäufer arbeiten und die dann in der Zeit von 7.45 bis 13 Uhr betreut werden. Und was macht dieses eine Kind? "Wir bekommen das ganz gut hin, das ist schon recht abwechslungsreich, es wird beispielsweise gebastelt", berichtet Strehle. Da läge es doch nahe, dass sich angesichts der überschaubaren Zahl von Notfallbetreuungen beide Schulen zusammentun und sich eine dann eben acht Kinder kümmert. Das gehe nicht, sagt die Rektorin der Kurpfalz-Grundschule, Sabine Grimm, allein aus versicherungsrechtlichen Gründen. Einmal abgesehen davon, dass man ja das Kind von der anderen Schule so gar nicht kenne.

Mit den 177 Schülern der Strahlenberger Grundschule halten die 15 Lehrerinnen per E-Mail Kontakt, an die Elternvertreter hat Strehle die Aufgaben – sie kommen vom Staatlichen Schulamt – geschickt. Der generelle Tenor ist: eher vertiefen als etwas Neues lernen. "Wichtig ist, dass die Kinder den Stoff sicher beherrschen und nicht etwa schnell vorankommen." Verbunden mit der Empfehlung, die Tage strukturiert anzugehen – also beispielsweise zu den gleichen Zeiten mit Lernen anzufangen – und eben nicht als lange Ferien zu sehen. Prüfungen gibt es natürlich auch nicht, aber Strehle ist ganz zuversichtlich, dass man in seiner Schule den versäumten neuen Lernstoff rasch aufholen kann. Aber so ganz ohne Auswirkungen werde die Zeit der coronabedingten Schulschließung auch nicht sein: "Es wird danach Unterschiede im Lernstand geben, es wird unsere Aufgabe ein, diese Unterschiede wieder aufzufangen."

Wie auch in der Kurpfalz-Grundschule arbeiten die Lehrerinnen in der Strahlenberger Grundschule von zuhause aus, "schließlich haben die meisten ja selbst Kinder". Aber sie dürfen aber das Schulgebäude betreten – etwa, um sich Unterrichtsmaterialien abzuholen.

Wie geht es Strehle so allein im Gebäude? "Diese Situation ist für alle etwas ganz Ungewohntes." Er wirkt gelassen, hat er doch genug zu tun: Er koordiniert die Notfallbetreuung, unterrichtet sich über die neuesten Regelungen von Stadt und Land – unter anderem, welche Berufe denn konkret unter "kritische Infrastruktur" fallen sollen. Das ist mittlerweile durch das Land geregelt, auch wenn die Kommunen die Liste noch erweitern könnten. Und doch erhielt Strehle immer wieder Anfragen von Eltern, ob man denn nicht ihr Kind aufnehmen könne – was ja rein platzmäßig (wenn auch nicht rechtlich) möglich wäre.

Und was weiß Strehle, wie es seinen Schülern geht? Relativ wenig, denn bisher gab es kaum Rückmeldungen von den Schülern oder den Lehrern, was der Konrektor eher als gutes Zeichen wertet: "Ich nehme mal an, es läuft einigermaßen. Wenn es Probleme gäbe, hätte ich die ganz sicher mitbekommen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung