14.04.2020

Zweite Ringer-Liga: Schriesheims Ringer haben ihre Hausaufgaben erledigt

Der KSV will mit seinem neuen Team in die 2. Liga, doch ob die Saison stattfinden kann, ist fraglich

Von Claus Weber

Schriesheim. Über Ostern erledigte Herbert Graf die Post. Ziemlich viel Post sogar. "Wir haben rund 1000 Briefe beklebt", berichtet der Vorsitzende des Kraftsportvereins Schriesheim. Alle Mitglieder wurden angeschrieben, um in Zeiten von Corona um Geduld und Solidarität zu werben. Austritte sollen verhindert werden, jetzt wo der Sportbetrieb in den Trainingshallen und im vereinseigenen Fitnessstudio ruht und man nicht weiß, wie und wann es weitergehen wird. "Wir haben noch keine Lösung für alles", sagt Graf, "aber wir arbeiten dran." Es habe ganz unterschiedliche Rückmeldungen gegeben, von Mitgliedern, die ihre Gebühren zurück verlangen bis zu jenen, die dem Verein auch in Notzeiten die Stange halten.

Der KSV zählt zu den größten Klubs unter der Strahlenburg, bietet Breiten- und Spitzensport gleichermaßen an. 1040 Mitglieder besuchen entweder das Fitnessstudio oder üben sich im Ringen, Boxen, Judo, Freizeitsport oder Viet Vo Dao. Gerade erst ist das Thai-Boxen für Kinder angelaufen und hat regen Zulauf erfahren. Bis Mitte März der Sportbetrieb auf null heruntergefahren wurde.

In den nächsten Wochen drohen weitere Pfeiler der Vereinsfinanzierung wegzubrechen. Das Vatertagsfest am 21. Mai wird wohl ausfallen, vermutet Graf, das Sommernachtsfest am 1. August und das Straßenfest am ersten September-Wochenende sind fraglich.

Auch die Sponsoren leiden unter der Krise, könnten dem KSV, der mit deren Geldern seinen Spitzensport fördert, verloren gehen. Sportbeauftragter Peter Schmitt, der zusammen mit dem zweiten Vorsitzenden Dieter Philipp seit Januar kommissarisch die Ringer-Abteilung leitet, warnt: "Bis Mitte Mai müssen wir wissen, ob die Runde im Herbst stattfinden kann, sonst springen uns die Sponsoren ab."

Die Schriesheimer Ringer bieten seit Jahren Spitzensport an der Bergstraße, kämpften fast eine Dekade in der zweiten Liga, dann sogar mal drei Jahre in der Bundesliga. Zuletzt spielten sie in der Regionalliga – zurzeit die zweithöchste deutsche Klasse – eine gute Rolle, zählten immer wieder zu den Aufstiegsfavoriten. "Wir wollten eigentlich eine gute Runde machen", sagt Graf, "und falls die zweite Liga wieder eingeführt wird, dann wollten wir dabei sein. Diese Klasse würde uns gut zu Gesicht stehen."

Die Mannschaft ist gut aufgestellt, berichtet Sportchef Peter Schmitt. Es gab viele Abgänge, aber auch sehr gute Verstärkungen. Geblieben sind Alexander Hirth (57 kg), Ceyhun Zaidov (57/61 kg), Wladimir Berenhardt (71/75 kg), Rahmatullah Moradi (80/86 kg), der ringende Trainer Attila Tamas, sowie Shaman Kasumov (beide 98/130 kg).

Gegangen sind Deniz Güvener und Marvin Rossi (zurück nach Großostheim), Sinan Kayakiran (Aschaffenburg-Damm), Alexander Mayer (Wrestling Tigers Rhein-Nahe) und Maxim Perpelita (Ziel unbekannt).

Mit dem routinierten Rumänen Virgil Munteanu (61/66 kg) und dem jungen Moldawier Borzin Valentin (71/75 kg), der im letzten Jahr EM-Dritter der Junioren war, konnte der KSV zwei Siegringer gewinnen. Dazu kommen der Rumäne Alexandru Asam (61/66 kg) und die beiden Russen Shamil Sulejmanov (61/66 kg) und Suleymanov Musa (71/75 kg), die aber alle drei schon lange in Deutschland leben, sowie Furkan Yildirim (75/80 kg) vom Nachbarn ASV Ladenburg und der Ex-Ladenburger Pascal Mieslinger (86/98 kg) sowie als "Back-up" der Afghane Abdul-Sami Daneshio (89/98 kg).

"Damit sind wir breit aufgestellt und würden auch nicht in die Bredouille kommen, falls wir mal ein, zwei Ausfälle haben", sagt Peter Schmitt. Auch sein Kollege Dieter Philipp ist überzeugt: "Mit dieser Mannschaft können wir unter den ersten Vier landen."

Falls die Regionalliga-Runde überhaupt stattfindet. Eigentlich sollte sie am 5. September starten. Frühestens. Der Deutsche Ringer-Bund hat den Beginn der Bundesliga bereits um mehrere Wochen in den Oktober verschoben. "Die erste Liga hat weniger Teams, die können vier Wochen später starten", sagt Schmitt, "in der Regionalliga kämpfen zehn Mannschaften, da wird es eng mit dem Zeitplan."

Allerdings könnten sich Schmitt und Philipp angesichts der Umstände vorstellen, ausnahmsweise auch über Weihnachten und bis in den Januar hinein zu kämpfen. Anfang des Jahres finden gewöhnlich die Einzelmeisterschaften auf Bezirks- und Landesebene statt.

Herbert Graf ist allerdings skeptisch, ob diese Saison überhaupt noch einmal gerungen wird. "Ich glaube es eher nicht", sagt der KSV-Vorsitzende, "es wäre schade, wir haben Fans, die kommen schon 25 Jahre zum Ringen. Aber es gibt jetzt auch Wichtigeres." Die Existenz seines Vereins hänge davon nicht ab, sagt der KSV-Chef und ist überzeugt: "Wir haben uns so aufgestellt, dass wir die Krise auch so meistern werden."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung