14.04.2020

Wie die Geschäfte auf die Schließung reagieren

Mode- und Kosmetikläden im Zeichen von "Corona": Neben Liefer- und Abholdiensten setzen einige Geschäftsleute auf soziale Medien

Von Marco Partner

Schriesheim. Die Corona-Schließungen treffen den Einzelhandel besonders hart. Während viele Geschäfte notgedrungen ganz dicht machen, versuchen andere, sich mit einem Liefer- und Abholservice über Wasser zu halten. Die RNZ hörte sich im Einzelhandel um – die zweite Folge des Streifzugs durch die Läden der Stadt. Heute geht es um Mode und um Kosmetik.

> Das Kinderlädchen (Heidelberger Straße 10, Telefon 06203/931939) macht aus der Corona-Not eine Tugend. Seitdem das Geschäft geschlossen werden musste, versucht Inhaberin Violaine Munkes – die erst vor einem Jahr das etablierte Kindermodengeschäft übernahm –, der Krise mit Kreativität zu begegnen. Mit einem Lieferservice, wie so viele Betriebe und Läden in Schriesheim. "Der neue Service wird sehr gut angenommen", so Munkes. Und der funktioniert so: Die Kunden rufen an und sagen, was und in welcher Größe sie es haben möchten. Dann packt sie T-Shirts, Hosen oder Schühchen ein, eine große Auswahl mit bis zu 20 Stück, und fährt sie bis vor die Haustür – in Schriesheim, aber auch nach Leutershausen oder Dossenheim. "Dann wird anprobiert, am nächsten Tag hole ich wieder ab, was die Familien nicht möchten. Es ist alles ein bisschen anders als sonst", sagt Munkes – und will parallel auch einen Online-Shop in Gang setzen.

> Im Textilhaus Jöst (Römerstraße 10, Tel.: 0152/24380395) meint Sigrid Fuhs: "Es gibt eine große Unsicherheit: Wie lange noch? Kann man finanziell überleben? Da sind gerade viele Fragezeichen." Einen Liefer- und Abholservice hat sie schon vor Corona angeboten. "Da ist es gut, dass man zumindest auf etwas Routine zurückgreifen kann", findet Fuhs. Gerade die Stammkunden halten ihr die Treue und fragen Unterhemden oder feine, weiße Oberhemden an, die bis ans Haus gebracht werden. Auch Auswahlsendungen liefert sie in Nachbarorte, andere holen bestellte Ware im Treppenhaus ab, wo bei Bedarf auch Desinfektionsmittel bereitsteht. Da aber die Kosten und Warenabnahmepflichten weiterlaufen, sind die Verkäufe derzeit nur wie der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. "Aber wir stecken den Kopf nicht in den Sand", meint Fuhs. Ein absoluter "Renner" war im Textilhaus übrigens schnell ausverkauft: Gummibänder zum Nähen von Masken. Nachbestellungen sind nicht mehr möglich: "Auf diesen Run war ich leider nicht vorbereitet."

> Auch im Kosmetikinstitut Franziska Wonde (Talstraße 30, Tel.: 06203/9614929) gibt es einen Liefer- und Abholdienst. Mit einem Schreibtisch hat die Inhaberin die Eingangstür abgesperrt. Gleichzeitig dient das Mobiliar nun aber auch als "Übergabetisch". Nicht nur als Barriere, sondern als Verbindung. "Wenn es klingelt, legen wir die Ware auf den Tisch, der Betrag wird dann überwiesen. Mehr noch als das Abholangebot wird jedoch der Lieferservice genutzt. "Es läuft sehr gut, Gott sei Dank", freut sich Wonde. In den Sozialen Medien wirbt sie für Aktionen von bestimmten Produkten, auch per Whatsapp fragen Kunden jetzt konkret an. Dann werden die Kosmetikartikel als Paket versandt.

> Die Kosmetikinsel (Steinachstraße 1, Tel.: 06203/63858) hat in Windeseile einen Online-Shop auf die Beine gestellt. "Der wird angenommen, es sind ein paar Bestellungen pro Tag", berichtet Inhaberin Sabine Keller. Bei Kunden, die weiter entfernt wohnen, erfolgt die Lieferung per Post. In Schriesheim aber springt die Inhaberin selbst als "spezieller Corona-Lieferservice" ein: "Es ist lieb, wenn man merkt, dass Kunden zusätzlich etwas bestellen, um uns zu unterstützen."

> Bei Anadore-Kosmetik (Schönauer Straße 2) meint Anna Rajski: "Die Kommunikation ist wichtig." Die Inhaberin hält mit ihren Kunden über soziale Medien und Whatsapp Kontakt. "Manche wollen sich jetzt auch einmal verwöhnen, mit einer Gesichtsmaske oder Ähnlichem. Sie haben Zeit und Lust, sich etwas zu gönnen." Ein Problem: Kosmetik lebt von Beratung. "Aktuell ist es leider mehr als schwierig, Empfehlungen auszusprechen, ganz individuell auf die Kunden einzugehen. Sie müssen die Produkte spüren und riechen."

> Auch das Kosmetikinstitut Christa von Schachtmeyer (Heidelberger Straße 31, Tel.: 06203/660611) kann gerade niemanden behandeln. "Die Kunden rufen an, wenn sie etwas brauchen. Aber es ist sehr ruhig", sagt die Inhaberin über den eingerichteten Abholservice. "Und zur Not gibt es auch mal einen Tipp über den Gartenzaun", meint von Schachtmeyer.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung