14.04.2020

Massenweise bunte Grüße für Heimbewohner

Massenweise bunte Grüße für Heimbewohner

Die elfjährige Ranya Lehn macht mit Briefen Bewohnern in Seniorenheimen eine kleine Freude - Mitstreiter werden gesucht

Schriesheim. (vkn) Wenn sie es schafft, mit ihrem Bild und ihrem Brief beim Betrachter ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern, dann hat die elfjährige Ranya Lehn ihr Ziel erreicht: Sie macht in Corona-Zeiten mit ihrer Post einem älteren Menschen in Seniorenheimen eine kleine Freude.

Es ist jetzt schon eine ganze Weile her, da kam Kamila Lehn und ihrer Tochter Ranya ein trauriger Gedanke. Jetzt dürfen alte Menschen in einem Seniorenheim wegen der Pandemie nicht einmal mehr Besuch empfangen. "Wie kann man denen in diesen traurigen Zeiten helfen?", überlegten sich Mutter und Tochter. In den Nachrichten wurde angeregt, für die Allgemeinheit Mundschutzmasken zu nähen. "Mit dem Nähen, das wollten wir aber nicht", meint Kamila Lehn und sagte dann zu ihrer Tochter: "Aber Du malst doch so gern!" So kamen die beiden auf die Idee mit den Briefen.

Mittlerweile hat Ranya schon an die 200 Briefe an Bewohner von Seniorenheimen in der Region verfasst. Zu ihrem Schreiben malt die Elfjährige selbst ein kleines Bild oder füllt ein Ausmalbild mit passenden, satten Farben. Manchmal wählt Ranya aber dazu auch ein Foto aus, beispielsweise von den Haustieren der Familie.

Das Seniorenheim Stammberg reagierte begeistert: "Die haben geschrieben, sie hätten sich wahnsinnig gefreut", berichtet Kamila Lehn. Neben der Schriesheimer Einrichtung hat Ranya bereits ein weiteres Seniorenheim in Mannheim beliefert, und Anfragen hat sie bereits an Einrichtungen in Ladenburg, Dossenheim und Wilhelmsfeld gerichtet. Sie würden gerne solche Briefe an ihre Senioren annehmen, bekam sie als Antwort. "Bei den letzten Malen habe ich mehrere Päckchen mit jeweils so um die 50 Briefen abgeliefert", berichtet die Mutter lachend. Es war Kamila Lehn wichtig, die Bilder persönlich bei der Senioren-Einrichtung abzugeben, nicht nur um Porto zu sparen. Ranya freute sich indessen, dass ihre Briefe den Empfängern so gut gefielen und ihre Idee bei ihnen so gut ankam.

"Ich male sehr gerne", berichtet Ranya. Darüber schreibt sie auch in ihren Briefen an die Senioren. "Ich mache generell verschiedene Brieftexte. Dann überlege ich, was dazu passt, und male oder klebe die Bilder dazu." Außerdem suche sie einen dafür passenden Spruch. 15 bis 20 Stunden habe ihre Tochter alles in allem bislang an Zeit für die Brief-Aktion aufgewandt, schätzt ihre Mutter. "Ich habe auch schon meine Freunde gefragt, ob sie beim Briefe-Schreiben mitmachen möchten", erzählt Ranya von ihren bisherigen Versuchen, Mitstreiter für die Briefe-Aktion zu gewinnen. Immerhin: Auch ihr Bruder hat sich ein bisschen an der Aktion beteiligt, aber auch drei Familien aus der Nachbarschaft und dem Bekanntenkreis.

Auf dem Esszimmertisch der Familie Lehn liegen ausgebreitet mehrere großformatige Briefe in Schönschrift. Ranya erzählt darin von ihrem Hund "Nicoletto", von "Nacho", dem Chamäleon, oder vom "Kampf-Fisch" der Mutter, "Mr. Big". Ranya hat auch mit ihrer Mutter aus Filz kleine Häschen gebastelt – auch die finden jetzt bei der Gestaltung der Briefe Verwendung.

"Es macht Spaß, gemeinsam mit den Kindern anderen eine kleine Freude zu bereiten", wirbt Kamila Lehn um weitere Mitstreiter. "Ein gemaltes Bild, ein Briefchen: Egal, ich freue mich über alles, was kommt!" – einfach abgeben bei Familie Lehn, Olivenweg 4, 69198 Schriesheim oder per E-Mail an: kamila.lehn@web.de

In ihren Briefen an ältere Mitbürger berichtet die elfjährige Ranya Lehn aus ihrem Leben und von ihren Hobbys – samt einem Bild von ihrem Hund „Nicoletto“. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung