15.04.2020

Umzugsbeginn: Schriesheimer Kurpfalz-Gymnasiums zieht nun in Containerdorf um

Der Umzug in die neuen Metallkisten-Klassenzimmer hat begonnen. Direktor Sollors findet sie "hell und freundlich".

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Es hat schon etwas Beruhigendes, wenn sich nicht alles um "Corona" dreht, und manche Projekte einfach weiterlaufen – wie die zukünftige Großbaustelle "Sanierung des Kurpfalz-Gymnasiums". In der letzten Woche hat der Umzug in die Container begonnen. Der war eigentlich schon in den Weihnachtsferien geplant, aber dann kamen die Behelfsklassenräume nicht.

Direktor Jürgen Sollors ist jetzt mehr als zufrieden: "Dass die Firma trotz ,Corona’ Wort gehalten hat, beeindruckt mich sehr." Nun sind die insgesamt 139 Metallkästen also da und wie ein kleines Dorf auf dem Lehrerparkplatz sowie dem Schulhof aufgestellt, mal eingeschossig (für die Musikschule), mal dreigeschossig (für das Gymnasium samt Verwaltung).

Bis Ende des Monats soll der ganze Umzug über die Bühne gegangen sein, wie Bauamtsleiter Markus Schäfer der RNZ berichtet. Und das ist der Fahrplan: erst alle Klassenzimmer, dann die Schulverwaltung, und schließlich kommt die Stadtbibliothek in die alte Aula. Im Mai wird man endlich etwas von der Baustelle sehen, dann wird das Gerüst aufgestellt. An den drei geplanten Bauabschnitten hat sich nichts geändert: Bis zum nächsten März wird die Fassade energetisch auf Vordermann gebracht, dann folgen bis März 2022 die Klassenzimmer und die Toiletten, bis zum Jahresende 2022 sollen die naturwissenschaftlichen Räume fertig sein.

So merkwürdig es klingen mag: Dass seit mehr als vier Wochen die Schulen geschlossen sind, ist für Schäfer fast ein Segen: "Bei laufendem Betrieb wäre so ein Umzug fast nicht möglich. Wir können jetzt ganz reibungslos arbeiten." Im Moment werden jede Menge Umzugskisten gepackt, die die Heidelberger Spedition Fels in die beiden Containerdörfer wuchtet. Erfreuliche Begleiterscheinung: Der Umzug wurde auch zum großen Ausmisten genutzt.

Direktor Sollors freut sich, wie flink nun alles geht: "In drei Tagen haben die Stockwerke gestanden, dann wurde am vorletzten Freitag mit dem Innenausbau begonnen." Und nicht zuletzt: Die Elektronik samt Computern funktioniert. Aber am wichtigsten sind Sollors die neuen Klassenzimmer: "Die sehen nicht nur sehr schön aus, die Akustik ist auch gut, denn die Container sind relativ hoch. Das ist wichtig, denn sonst wird es schnell im Klassenzimmer zu laut."

Er ist sich sicher, dass die Schüler im Vergleich zum 46 Jahre alten Gymnasiumsgebäude hier nichts vermissen werden – zumal endlich auch die Heizungen zur Abwechslung zuverlässig funktionieren werden. Die alten Kreidetafeln haben ausgedient, dafür gibt es nun "Whiteboards", also weiße Flächen, auf die mit speziellen Filzstiften geschrieben wird. Nur das Mobiliar wird den Schülern bekannt vorkommen: Es ist schlicht das alte. "Vieles von der bisherigen Ausstattung ist noch gut in Schuss und kann weiter verwandt werden", sagt Bauamtsleiter Schäfer.

Und was sagen die Schüler dazu? Zwei haben sich alles angesehen, wenn auch eher "dienstlich", denn die beiden arbeiten für die "Freistunde", die Internet-Schülerzeitung des Kurpfalz-Gymnasiums. Noch ist der Beitrag nicht erschienen, also muss man sich auf die Eindrücke des Rektors verlassen: "Sie waren sehr begeistert, wie freundlich und hell die neuen Räume sind. Und sie waren überrascht – wie ich auch."

Die große Frage ist nur, wann die Gymnasiasten in den Containern sitzen werden, aber das liegt ja nicht in Sollors’ Ermessen, auch wenn er sich dieses Szenario vorstellen kann: "Denkbar wären zuerst die Abi-Stufen, vielleicht nach dem Ende der Osterferien." Sollors nutzt die Gelegenheit, mit einem Gerücht aufzuräumen, das gerade in Leutershausen und Dossenheim für einige Unruhe gesorgt hat: Erstmals waren im laufenden Schuljahr die fünften Klassen dreizügig, weswegen Schüler aus den Nachbarorten nicht aufgenommen werden konnten. Das habe nichts mit der Sanierung zu tun, sondern sei eine Ausnahme. Sollors sagt: "Wir rechnen im nächsten Schuljahr wieder mit der Vierzügigkeit der fünften Klassen. Die Zahlen geben es her."

Für ihn ist das Unterrichten im Container nichts Neues. Denn als Sollors vor mehr als 15 Jahren am Eppelheimer Dietrich-Bonhoeffer-Gynasium tätig war, musste er auch einen Umzug stemmen. Der Unterschied: "Von den Dimensionen war das deutlich geringer als heute. Auch die Container waren etwas einfacher. In Schriesheim hat man sich in dieser Hinsicht nicht lumpen lassen." Einziger Wermutstropfen: Sollors wird das "neue" Kurpfalz-Gymnasium nicht mehr als Schulleiter erleben: Zum Jahresende geht er in den Ruhestand.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung