16.04.2020

Schriesheimer lassen ihre Läden in der Corona-Krise nicht im Stich

Besonders Lebensmittel laufen gut - Beliebter als der Lieferdienst ist meistens das Abholen vor Ort - Dritter Teil des Streifzugs durch den Einzelhandel in Corona-Zeiten

Von Marco Partner

Schriesheim. Die Corona-Schließungen treffen den Einzelhandel besonders hart. Während viele Geschäfte notgedrungen ganz dicht machen, versuchen andere, sich mit einem Liefer- und Abholservice über Wasser zu halten. Die RNZ hörte sich im Einzelhandel um – die dritte Folge des Streifzugs durch die Läden der Stadt. Am heutigen Donnerstag geht es um Lebensmittel und Wein.

In Jäcks Hofladen (Aussiedlerhof 7a, Tel.: 06?203/69?27?25) ist es jeden Freitag so weit, dann nimmt ein neues Angebot Fahrt auf: Das landwirtschaftliche Unternehmen bietet seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie eine spezielle Unterstützung für diejenigen an, die Hilfe brauchen: einen Lieferservice für die Risikogruppe, für die Menschen, die besonders vom Virus gefährdet sind und den Hofladen gerade nicht mehr besuchen können. "Das können Kunden mit Lungenkrankheiten und anderen Vorerkrankungen sein. Oder Ehepaare über 80 Jahre. Und auch wenn jemand einfach Angst hat, rauszukommen, verstehen wir das", erklärt Christine Jäck. Unter der Woche werden die Bestellungen telefonisch gesammelt. Am Freitag dann Obst, Gemüse, Eier, Nudeln und Kartoffeln in Kisten gepackt und losgefahren. "Wir liefern alles, was der Hof hergibt. Auch einen Schnaps, wenn es sein muss. Es läuft gut, wir fahren auch bis nach Altenbach hoch", verrät Jäck.

Das HandWerk (Heidelberger Straße 24, Tel.: 0176/430?941?53) ist seit der vorübergehenden Schließung ebenfalls mobil unterwegs. Ab 16 Uhr wird ein Abholservice im Hof angeboten, jeden Tag ab 17 Uhr werden Craftbeer, Limonade und Kaffeebohnen dann nach Bestellung nach Hause geliefert. "Dadurch kann ich meine Ausgaben decken. Schriesheim zeigt sich sehr solidarisch, es wird angenommen, ich habe gut zu tun", freut sich Andreas Pfeifer über jede Unterstützung. "Egal, ob es bei mir ist oder bei anderen Läden."

Der Ökumenische Weltladen (Heidelberger Straße 31, Tel.: 06?203/61?53?2) hat schnell auf die neue Situation reagiert: Da das Mittendrin-Café und somit auch das Lädchen geschlossen haben, bietet Frieder Menges die besondere Ware jetzt jeden Samstag auf dem Wochenmarkt an: "Kaffee, Tee und Schokolade gehen am besten. Dann kommen Reis, Quinoa, Linsen, Honig, Dips und Gewürze." Auch einen Lieferservice nach telefonischer Rücksprache bietet er an. Wobei sich dieser inzwischen eher in einen Abholservice verwandelt hat. "Die Leute wollen einfach mal raus", berichtet Menges.

Bei der Bäckerei Heiß (Heidelberger Straße 16, Tel.: 06?203/61?28?5) gibt es einen Abholservice nach Bestellung schon immer. "Ein Zusatzservice ist jetzt, dass wir bei Krankheiten und Quarantäne-Patienten auch bis vors Haus liefern. Alles ist machbar", sagt Renate Heiß. Auf Schutz und Hygiene wird dann natürlich besonders geachtet. So sieht es auch bei den Kollegen im Backhaus Höfer (Heidelberger Straße 4, Tel.: 06?203/61?37?1) aus. Hier gibt es die bestellte Ware am Fenster.

Das Weinfach-, Espressobar- und Feinkostgeschäft "Divino" (Heidelberger Straße 2, Tel.: 06?203/66?02?00) hat normal geöffnet. Ein Abholservice wurde zwar eingerichtet, die meisten Kunden kämen dann aber doch lieber direkt in den Laden.

In Majers Weinscheuer (Bismarckstraße 40, Tel.: 06?203/61?24?0) sagt Christiane Majer über den Liefer- und Abholservice: "Die Anfragen nehmen nicht überhand, aber es ist okay." Neben Wein werde auch hier Feinkost stärker nachgefragt.

> In der Winzergenossenschaft (Heidelberger Straße 3, Tel.: 06?203/61?56?0) sagt Astrid Spies: "Es läuft richtig gut. Wir sind froh, einen solchen Service anbieten und den Kunden etwas Normalität zurückgeben zu können in dieser Zeit." Mindestens zwölf Flaschen "Schriesemer Woi" werden nach einer E-Mail oder einem Anruf ausgeliefert. "Unsere fleißigen Männer sind kräftig am Hin- und Herfahren. Die tägliche Ausfuhr ist gewährleistet", so Spies. Und für Selbstabholer gilt: Auch die Zufahrt zur Winzergenossenschaft ist trotz der Baustelle in der Talstraße frei.

> Im Weingut Wehweck (Talstraße 4, Tel.: 06?203/62?18?7) betont Karl-Heinz Wehweck: "Wir bieten unser normales Programm, aber es ist alles natürlich deutlich weniger." Nach einem Anruf wird alles hergerichtet, dann abgeholt oder geliefert. Die vielen Weinproben, Geburtstagsfeste, Betriebsfeiern oder auch das Blütenwegfest, von denen die Straußwirtschaft sonst lebt, wurden hingegen abgesagt. "Das reißt ein Riesenloch, auch Gaststätten werden nicht mehr beliefert. Das Meiste ist auf Null gefahren, es ist eine mittlere Katastrophe, aber zum Glück sind wir in den eigenen Räumlichkeiten. Ich habe nichts dagegen, wenn wir beim Ausschank künftig eine Atemschutzmaske tragen", hofft er auf eine baldige Lockerung der Schließungen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung