16.04.2020

Unbekannter legt Ziegen-Schlachtabfälle im Wald ab

Nebenprodukte und Köpfe von vier Ziegen in Mülltüten verstaut – Polizei sucht Zeugen

Schriesheim. (hö) In den letzten Tagen häufen sich die Meldungen, dass immer mehr Müll im Wald deponiert wird. So berichtete am Donnerstag die Polizei von Schlachtabfällen, die bereits am Sonntag eine Zeugin oberhalb vom Schützenhaus fand. Dabei handelte es sich um die Reste von vier Ziegen. Der Polizeiposten Schriesheim sucht nun nach Zeugen, die sich unter Telefon 0 62 03/ 6 13 01 melden sollen.

Dazu passt, was Leserin Martina Ducati der RNZ schrieb: "Es ist sehr schön, dass uns in dieser Corona-Zeit erlaubt ist, in Wald und Natur spazieren zu gehen. Nur ist scheinbar nicht allen bewusst, dass man nichts im Wald zurücklässt! Hygiene ist immer sehr wichtig, aber man muss die Taschentücher dann nicht im ganzen Wald verlieren. Unser Wald ist Naturraum und keine Müllhalde oder öffentliches WC." Ihr Appell: "Bitte nehmen Sie allen Müll, Verpackungen, Bonbonpapiere, Hundetüten und Taschentücher wieder mit nach Hause, um es dort entsprechend zu entsorgen!"

Das sieht Revierförster Walter Pfefferle im Grunde genauso – nur hat das alles erst einmal für ihn nichts mit "Corona" zu tun: "Abfall jeder Art hat in der Natur nichts zu suchen." Auch ihm ist aufgefallen, dass es jetzt mehr Tempos im Wald gibt, denn immer mehr Leute zieht es gerade in die Wälder, weil sie jetzt mehr Zeit haben. Für ihn gilt die Devise: "Jeder soll seinen Abfall wieder mit heimnehmen – und möglichst auch nicht die Papierkörbe benutzen."

Dass das Müllproblem im Wald in letzter Zeit erheblich zugenommen hat, kann er nicht bestätigen. Denn in seinen 34 Jahren in Diensten des Waldes ärgerte er sich vom ersten Tag an über die schwarzen Abfall-Schafe: "Früher gab es oft Elektroschrott, weil damals die Entsorgung schwieriger war als heute. Das ist nun deutlich weniger geworden." Nur einmal, vor über zehn Jahren, gelang es ihm übrigens, einen Müllsünder zu überführen: Da wurden alte Schulhefte – Pfefferle: "Mit nicht besonders guten Noten" – und einige Briefe samt voller Adresse gefunden. Der Verursacher wurde angezeigt. Wobei: Ein Fall aus den letzten Tagen fällt ihm doch ein: Am Parkplatz Schafpferch, an der Landstraße nach Altenbach gelegen, entdeckte er am Wochenende 20 Jutesäcke, "fein säuberlich verschnürt", voller Grünschnitt – vielleicht eine Art Verzweiflungstat angesichts dessen, dass man Äste und Zweige momentan nur schwer los wird. Das ist nicht ganz untypisch: Den meisten Abfall findet man weniger mitten im Wald, sondern eher an den Parkplätzen oder am Waldrand.

Taschentücher, wenn auch ärgerlich, sind für den Wald nicht das ganz große Problem: Sie brauchen zwar relativ lange, um zu verrotten, etwa fünf Wochen. Glas und Blech sind für die Tiere viel gefährlicher. Eine offene Frage, die auch Pfefferle nicht beantworten kann, ob Corona-infizierte Taschentücher eine Gefahr für die Waldbewohner sein können. Das Friedrich-Loeffler-Institut hat erst unlängst seine Forschungen begonnen, ob das Virus auf Tiere überspringen kann, es konzentriert sich aber auf Schweine, Hühner und Frettchen – und nicht etwa auf Rehe und Co..

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung