18.04.2020

Corona-Krise: Jetzt finden auch "neue Gesichter" in die Schriesheimer Lokale

Manche Restaurants können die Corona-Krise erstaunlich gut auffangen - Doch jeder hofft auf die sehnlich erwarteten Lockerungen - Dritter und letzter Teil der RNZ-Serie

Von Florian Busch

Schriesheim. Immer noch kein Aufatmen bei Schriesheims Gastronomen: Nach den neusten Beschlüssen von Bund und Ländern dürfen zwar ab Montag einige Geschäfte wieder öffnen, Wirte müssen aber nach wie vor ihre Türen geschlossen halten und dürfen Speisen weiterhin nur ausliefern oder zum Abholen anbieten. In diesem dritten und letzten Teil unserer Serie schildern drei Betriebe ihre aktuelle Lage.

> Das "Hotel-Weinstuben Hauser" (Steinachstraße 12, Tel.: 06203/61445) bietet ab 17 Uhr sowohl einen Liefer- als auch einen Abholservice an. Früher rentiere es sich nicht, da der Betrieb in einem Wohn- und nicht in einem Gewerbegebiet liege, meint Inhaber Ernst Schmitt. Zu Beginn der "Zwangsschließung", für etwa eineinhalb Wochen, habe er auch schon mittags offen gehabt. Die meisten Privatleute würden aber eher abends eine warme Mahlzeit essen, deshalb habe sich der Mittagstisch nicht gelohnt. Doch es gibt noch einen anderen Grund: "Auch die Energiekosten sind ein ganz großer Faktor", so der Inhaber. Sein Hotel laufe derzeit überhaupt nicht, im ganzen April habe Schmitt noch keinen einzigen Gast gehabt.

Dafür komme sein Lieferdienst gut an. Dankbar ist er für jeden einzelnen Kunden. Neben vielen Stammgästen seien auch einige neue dabei: "Es freut mich, wenn ich ein neues Gesicht sehe", meint Schmitt. Allerdings kann er ihnen aktuell nur eine verkürzte Speisekarte anbieten, diese wechselt dafür wöchentlich. Schmitt hofft, dass es bald Lockerungen von Seiten der Politik gibt, er blickt aber recht positiv auf die aktuelle Lage: "Es regnet zwar, aber es tröpfelt nur."

> Das "Doppio Gusto" (Schillerplatz 16, Tel.: 06203/8438716) hat zurzeit nicht viele Kunden: "Bei dem Wetter wäre die Terrasse voll", beklagt einer der Mitarbeiter. Doch das Verweilen ist momentan genauso wenig möglich wie der Verkauf an der Ladentheke. Eis, Pizza und andere Speisen können nur telefonisch vorbestellt werden. Sowohl die Speisekarte als auch die Öffnungszeiten habe das Lokal verkürzt. Er mache sich schon Gedanken um die Zukunft, so der Mitarbeiter: "Wir kämpfen um unsere Existenz." Damit sieht er das "Doppio Gusto" aber nicht alleine, vielen anderen Gastronomen gehe es aktuell ähnlich.

> Die "Weinstube Müller" (Max-Planck-Straße 8, Tel.: 06203/65077) hat sich dazu entschlossen, nur mittwochs, samstags und sonntags für jeweils zwei Stunden zu öffnen. Diese stark reduzierten Zeiten bieten laut Inhaberin Martina Müller aber einige Vorteile: Zum einen brauche sie weniger Mitarbeiter, zum anderen sorge der komprimierte Zeitraum aber auch dafür, dass man besser planen könne, somit Kosten spare und die Speisen frischer seien. Zwar könne sich Müller prinzipiell vorstellen, noch einen vierten Tag dranzuhängen, sie ist allerdings jetzt schon zufrieden: "Es wird sehr gut angenommen." Neben vielen Stammkunden könne die Inhaberin auch einige neue Gäste begrüßen. Die verkürzte Speisekarte wechselt jede Woche. Neben Klassikern, die immer gefragt seien, soll die Abwechslung dazu beitragen, dass Gäste häufiger kommen.

Obwohl es aktuell auch für Müller eine schwierige Phase ist, müsse man sich mit der Situation arrangieren und positiv denken. Die Zeit könne sie nun etwa für kleinere Umbauarbeiten und Renovierungen nutzen. Außerdem findet Müller, "muss man dankbar sein, dass man überhaupt was machen darf".

Info: Eine Liste aller Lokale, die einen Abhol- oder Lieferservice anbieten, gibt es unter www.schriesheim.de im Internet oder im Mitteilungsblatt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung