20.04.2020

Schriesheimer Schandfleck: Seit längerer Zeit rottet ein Imbiss im Gewerbegebiet vor sich hin

Schriesheimer Schandfleck: Seit längerer Zeit rottet ein Imbiss im Gewerbegebiet vor sich hin

Leerstand ja, Handlungsbedarf nein - Die Stadt als Eigentümerin des Grundstücks will aber erst mal nichts tun

Der „Imbiss Wok-Inn“ im Gewerbegebiet steht schon seit eineinhalb Jahren leer und wirkt etwas vergammelt. Doch die Stadt, der das Grundstück gehört, wartet auf einen neuen Anfang – mit einem neuen Pächter. Foto: Dorn

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Auf diesen Schandfleck blickt Peter Rufer jeden Tag: Denn in direkter Nachbarschaft von Rufers Landmaschinenhandel rottet seit einiger Zeit ein leeres Lokal vor sich hin – alles andere als ein Aushängeschild für das Gewerbegebiet im Schriesheimer Süden. Zuletzt gab es in dem Gebäude – Verschlag wäre wohl der bessere Ausdruck – in der Carl-Benz-Straße unweit vom Lidl-Markt einen asiatischen Imbiss, aber seit gut eineinhalb Jahren steht er wieder leer. Diese Form der Gastronomiekrise hat mit "Corona" mal wirklich nichts zu tun.

Tatsächlich existiert heute noch eine Internetseite jenes "Wok-Inn", auf der "asiatische Köstlichkeiten vom Feinsten", darunter "japanische Udon-Nudeln" oder "thailändische Kreationen wie das ,Lao Fu Zi-Spezial’ mit drei verschiedenen Fleischsorten, Garnelen, rotem Curry und Kokosmilch", angepriesen werden – gerade so, als handelte es sich hier um einen Gourmettempel, der jederzeit Gäste erwartet – kein Hinweis darauf, dass man leider längst geschlossen hat. Ruft man die angegebene Nummer an, so meldet sich niemand, auch die Pächterin, eine Frau mit vietnamesischem Namen, lässt sich nirgends ausfindig machen.

Früher, so erinnert sich Rufer, wurde der Imbiss von einem Türken geführt, doch der ging dann in die Kirchstraße, überhaupt hätten öfter die Pächter gewechselt, und doch sei der Laden recht beliebt und ganz ordentlich geführt gewesen – und schließlich gab es im Gewerbegebiet immer genug Kunden, gerade diejenigen, die im nahen Fitnesscenter trainierten, hätten dort ihren Energiespeicher aufgefüllt.

"Mit der kleinen Außenbestuhlung war das eigentlich auch immer ganz schön", erinnert sich Rufer. Er ärgert noch gar nicht mal so sehr über den Leerstand, sondern dass die Stadt untätig bleibt, schließlich gehört ihr das Grundstück. Er habe schon mehrere Gemeinderäte darauf angesprochen, aber die erfuhren auch nicht viel Neues.

Auf dem Rathaus bestätigen sowohl Bürgermeister Hansjörg Höfer als auch Kämmerer Volker Arras, der für städtische Liegenschaften zuständig ist, diesen Umstand. Nur: Die Sache ist doch etwas komplizierter. Denn tatsächlich gehört der Grund der Stadt, die den dann vor vielen Jahren für kleines Geld an den Betreiber eines Imbisswagens vermietete. Doch irgendwann wurde aus dem Wagen ein kleines Häuschen, der Imbiss wurde immer größer, was die Stadt aber tolerierte.

Und "jetzt ist das Gebäude fest mit dem Grund und Boden verbunden", sagt Arras. Im Grunde gehört nun quasi ein Privatgebäude der Stadt, über das sie aber keine Verfügungsgewalt hat. Zumal der ursprüngliche Pächter das Areal samt Imbiss immer weiter vermietete. Dieser Umstand ist rechtlich ziemlich kompliziert, also nicht einfach zu bereinigen. Und einen langwierigen Prozess scheut die Stadt.

Zumal es ja erstens, wie Höfer bestätigt, "einen gültigen Pachtvertrag gibt", und zweitens die Stadt bisher auch keinen Grund sah, daran etwas zu ändern. Denn schließlich machte ja der Imbiss – bis auf den jetzigen Leerstand – nie Ärger. Im Gegenteil: Er nutzte ja eher dem Gewerbegebiet.

Einen Grund, nun den Pachtvertrag zu kündigen, sieht Höfer nicht, schon gar nicht zu Zeiten von Corona, in denen es die Lokale schon schwer genug hätten: "Wir haben eher das Interesse, Betriebe zu erhalten, als ihnen Schwierigkeiten zu bereiten", sagt Höfer. Zwar habe er "momentan keinen direkten Draht zu den Pächtern", sagt der Bürgermeister, "aber ich gehe davon aus, dass sie Interesse haben, den Imbiss weiterzubetreiben."

Und das ist im Grunde auch seine Hoffnung: dass in gastronomisch günstigeren Zeiten sich doch wieder jemand findet, der hier wieder aufmacht. Für den Moment jedenfalls sieht Höfer erst einmal "keinen Handlungsbedarf".

Das hört sich nicht so an, als würde sich an dem momentanen Schandfleck schnell etwas ändern – es sei denn, der Pächter findet einen neuen Imbissbetreiber. Aber profitiert dann nicht wenigstens das Stadtsäckel von einer reichlich sprudelnden Pacht, auch wenn alles leersteht? Eher nicht. Denn Kämmerer Arras sagt: "Die Einnahmen für die Stadt sind eher marginal."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung