23.04.2020

Befürchtete Infektionswelle nach dem Mathaisemarkt blieb aus

Befürchtete Infektionswelle nach dem Mathaisemarkt blieb aus

Kaum Chancen für Schriesheimer Straßenfest und Ladenburger Altstadtfest - Eigentlich ist klar, dass die Feste ausfallen, nur sagt es noch keiner

Foto: Dorn

Von Micha Hörnle

Schriesheim/Ladenburg. Bisher ist die befürchtete Infektionswelle nach dem Mathaisemarkt ausgeblieben. Laut den Zahlen des Gesundheitsamtes wurden drei Wochen nach dem Mathaisemarkt-Beginn (6. März), am 27. März, fünf Corona-Fälle in Schriesheim registriert, mittlerweile sind es 19 – und diese Zahl ist seit zwei Wochen konstant. Beim Coronavirus werden rund zwei Wochen Inkubationszeit angenommen.

War es also die richtige Entscheidung, den Mathaisemarkt zu eröffnen? Weitz zögert: "Zum damaligen Kenntnisstand war es richtig, zumal damals noch die Bundesligaspiele stattfanden – und wir immer die Rückendeckung des Gesundheitsamts hatten. Aber hätte man gewusst, dass zwei Wochen später praktisch das gesamte öffentliche Leben stillsteht, hätte man sich wohl anders entschieden. Insofern kann man hier nicht von richtig oder falsch sprechen."

Was mit den noch anstehenden Festen passiert, da ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen. Zumindest was die beiden großen September-Events, das Straßenfest in Schriesheim (5. bis 7. September) und eine Woche drauf das Altstadtfest in Ladenburg, angeht. Aber man braucht keine prophetische Gabe, um zu prognostizieren, dass beide wohl genauso abgesagt werden wie die Weinheimer Kerwe (zweites Augustwochenende) und das Straßenfest in Leutershausen (erstes Juliwochenende, RNZ vom Freitag).

Zwar liegt der Stichtag für alle abgesagten Großveranstaltungen im Lande auf dem 31. August, und deswegen halten sich die Kommunen noch einige Hintertürchen offen, aber das ist eher pro forma. Denn niemand rechnet damit, dass es in diesem Jahr noch Feste mit größeren Menschenmengen geben wird.

Der Schriesheimer Ordnungsamtsleiter Achim Weitz kennt solche Zitterpartien zur Genüge: Erst vor sieben Wochen rang die Schriesheimer Stadtspitze mit sich, ob man überhaupt den Mathaisemarkt eröffnen sollte – mit dem bekannten Ergebnis, dass das Fest nach sechs Tagen abgebrochen wurde. In Sachen Straßenfest soll "die Entscheidung Anfang Mai fallen", wie Weitz am Mittwoch auf RNZ-Anfrage bestätigte. "Wir haben keinen zeitlichen Druck, denn bis dahin gibt es auch bei den Vereinen noch keine intensiven Vorbereitungen." Außerdem warte man auf die neuesten Ansagen aus Stuttgart, wie es nach dem 31. August weitergeht – und vor allem, wie dann das Land Großveranstaltungen definiert.

Ähnliches hört man auch von der Referentin des Ladenburger Bürgermeisters, Nicole Hoffmann: "Für eine Absage des Altstadtfests ist es aktuell noch zu früh. Nach der Rechtsverordnung des Landes vom Freitag gilt, dass Großveranstaltungen bis zum 31. August untersagt sind. Konkrete Regelungen, etwa zur Größe der Veranstaltungen, sind vom Land jedoch noch zu treffen und liegen noch nicht vor. Die Entscheidung, ob das Altstadtfest stattfindet oder nicht, werden wir im Mai treffen."

Aber bringen die jüngsten Absagen des Münchner Oktoberfestes oder des Bad Dürkheimer Wurstmarkts nicht auch die hiesigen Kommunen als Festveranstalter in Zugzwang? "Das haben wir zur Kenntnis genommen", sagt Weitz, auch wenn ich unsere Feste nicht mit solchen Großveranstaltungen vergleichen will." Aber er sagt auch: "Wir sind auch Realisten genug, um zu wissen, welche Entwicklung sich andeutet. Mein Optimismus, dass das Straßenfest doch noch in diesem Jahr stattfindet, ist begrenzt."

Wahrscheinlich wird das Schriesheimer Straßenfest nicht stattfinden. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung