28.04.2020

Kaum einer geht noch "ohne": Schriesheimer halten sich an die Maskenpflicht

Dieses Mehr an gefühlter Sicherheit führt jedoch nicht zu einer volleren Innenstadt.

Von Florian Busch

Schriesheim. Was schon seit einiger Zeit von Experten und Wissenschaftlern empfohlen wird, ist seit gestern zur Pflicht geworden: Masken im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften. Durch sie soll die Ansteckungsgefahr anderer Personen durch Husten, Niesen oder Sprechen reduziert werden. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. So befürchten Ärzte etwa, dass der Mindestabstand von eineinhalb Metern in Zukunft von vielen wieder vernachlässigt werden wird.

Wie gehen die Schriesheimer mit der Tragepflicht um, und was halten sie von der Neuverordnung? Der "Edeka Aktivmarkt Zipser" zumindest ist an diesem Montagmittag fast leer. Eine Mutter und ihre Tochter, die gerade einkaufen gehen wollen, ziehen sich ihre Masken vor dem Laden über. "Ich fühle mich sicherer damit, dass nun alle eine tragen müssen", berichtet die Mutter. Während ihre Tochter erst heute mit dem Tragen anfängt, nutze sie die Maske schon länger. Als Mitarbeiterin eines Altenheims wisse sie um die große Gefahr, sich anzustecken und das Virus an ältere Menschen weiterzugeben. Vor der Pflicht habe sie jedes Mal automatisch einen Bogen um Leute ohne Gesichtsschutz gemacht, jetzt "geht man ganz anders durch das Geschäft", freut sie sich.

Von Normalität ist im Stadtkern nach wie vor nur wenig zu spüren. Wie denn auch? Obwohl Geschäfte seit letzter Woche wieder öffnen dürfen, ist es doch alles andere als alltäglich, dass sich nur eine gewisse Anzahl von Kunden gleichzeitig in einem Laden aufhalten darf oder dass beim Einkauf eine Maske getragen werden muss. Und so wirken etwa die Heidelberger Straße und die Kirchstraße am Montag, wie in den letzten Wochen schon, wie leer gefegt – und das bei sonnigem Frühlingswetter.

Maske immer auf – oder erst im Laden? Ginge man nur nach den Menschen, die draußen auf der Straße unterwegs sind, dann stünde es etwa unentschieden: Viele tragen eine Maske, so zum Beispiel eine Frau, die gerade mit ihrem Fahrrad durch die Kirchstraße fährt, oder ein Mann, der dort mit seinem Sohn spazieren geht. Viele sind aber auch ohne Gesichtsschutz unterwegs und ziehen ihn erst auf, bevor sie in ein Geschäft gehen – so etwa eine Kundin von "Wilhelm Müller Haus- und Gartenbedarf" in der Leutershäuser Straße oder ein Bote, der gerade ein Paket an die "Bäckerei Höfer" ausliefert.

Relativ ähnlich sieht es auch am Schriesheimer Bahnhof aus. Einige haben die Maske auf, andere nicht. So zum Beispiel eine Rentnerin, die gerade auf die Bahn der Linie 5 in Richtung Weinheim wartet. "Wenn ich einsteige, ziehe ich sie an", erklärt sie. Als Risikopatientin nutze auch sie die Maske schon seit längerer Zeit und fühle sich dadurch viel sicherer, so etwa auf dem Fahrrad oder bei Gesprächen mit ihren Nachbarn, "das ist mir sonst zu gefährlich". Dass das öffentliche Leben stark zum Erliegen gekommen ist, sei für sie kein Problem. Im Gegenteil: "Ich genieße die Ruhe", meint sie. Auch für die eigene Regeneration sei die Zeit gut gewesen, da viel ausgefallen sei und man deswegen mehr freie Zeit hatte.

Auch ein paar Meter weiter finden sich zwei Befürworter der Maskenpflicht: "Ich finde es sehr gut", meint eine ältere Frau mit einer Maske über Mund und Nase. Gerade wartet sie mit ihrem Mann auf den Bus nach Ursenbach, um dort wandern zu gehen. Durch das Tragen schütze quasi jeder jeden. Problematisch seien allerdings die hohen Preise, die derzeit für Masken verlangt werden: "Eigentlich muss sich jeder eine leisten können!"

Die meisten, die die RNZ gestern in Schriesheim traf, befürworten die neue Maskenpflicht in Geschäften und dem Nahverkehr – und halten sich auch daran. Dennoch "darf man aber den Abstand nicht vergessen", mahnt die Frau, kurz bevor sie in den Bus steigt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung