29.04.2020

Steinbruch Schriesheim: Gerade verboten? Egal, geklettert wird doch!

Über das Betretungsverbot im Steinbruch setzen sich immer wieder Bergfreunde hinweg - Stadt: Das ist kaum zu kontrollieren

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Eigentlich ist Klettern in Gruppen gerade verboten. Und eigentlich darf auch niemand gerade den Steinbruch betreten. Eigentlich – und manche tun es trotzdem. Vor allem am letzten Wochenende setzten sich Kletterer bei bestem Bergwetter im Steinbruch am Ölberg über alle Verbote hinweg, manche verzichteten sogar ganz auf die Schutzausrüstung.

Das gefällt Christian Kohl, dem Ersten Vorsitzenden der "AG Klettern & Naturschutz im Odenwald e.V.", gar nicht: "Solange das Gebiet gesperrt ist, muss man sich dran halten!" Auch wenn Kohl vor "Corona" sonst ein-, zweimal in der Woche die Porphyrwände bezwang, war er seit dem Betretungsverbot nicht mehr hier. Aber er weiß auch: "Es gibt immer Leute, die sich nicht an Regeln halten." Ihm ist generell ein laxerer Umgang mit dem Kontaktverbot aufgefallen: "Ich habe das Gefühl, die Stimmung kippt gerade." Auch der Schriesheimer Ordnungsamtsleiter Achim Weitz ist Realist: "Es war damit zu rechnen, dass sich einzelne über Verbote hinwegsetzen." Zwar versuche das Weinheimer Polizeirevier bei seinen Corona-Streifen immer mal wieder die Situation im Auge zu behalten, aber er gesteht: "Gerade im Steinbruch ist das kaum zu kontrollieren."

Das gilt auch für die Kletter-AG: "Wir können nur an die Vernunft und das Verständnis der Leute appellieren. Wir unterstützen natürlich die Stadt Schriesheim dabei, dass alle Regeln im Steinbruch eingehalten werden, aber wir können nicht selbst hochgehen und kontrollieren", sagt Kohl. Zwar kümmert sich die AG um den Steinbruch, aber klettern darf normalerweise dort jeder, man muss nicht zwingend Mitglied bei der AG sein, die wiederum zum Deutschen Alpenverein gehört. Aber man muss sich an die Kletterregeln halten, und dazu gehört der Zugang nur von der untersten Ebene, dann der Aufstieg über die Zustiegshilfen – und wieder zurück.

Dabei ist das Klettern im Steinbruch – das mit Abstand beliebteste Nahziel der Bergfexe im Odenwald – nicht ohne: "Das ist eindeutig ein alpines Gelände", so Kohl. Aber weil man nicht im Hochgebirge, sondern an der Bergstraße sei, werde das oft unterschätzt: "Manche haben gar keine Erfahrung. Man sieht sogar manchmal Familien mit Kindern – ohne jede Absicherung." Andere wiederum wollen nicht verstehen, dass das Klettern im Steinbruch etwas anderes ist als in der Halle: Es droht immer Steinschlag, denn durch die früheren Sprengungen sei das Gestein viel brüchiger als in der unberührten Natur. So konnte die AG in den beiden Dossenheimer Steinbrüchen gar keine Haken anbringen, weil der Porphyr nicht stabil genug war. Kohl warnt: "Oft sind sich die Leute der Folgen nicht bewusst. Sie können, wenn sie sich über Verbote hinwegsetzen und leichtfertig handeln, den Versicherungsschutz verlieren." Allerdings seien Unfälle im Schriesheimer Steinbruch eher selten, etwa fünf pro Jahr, tödliche gab es in der letzten Zeit nicht. Leichtere Verletzungen – und die betreffen übrigens auch Wanderer und Mountainbiker – würden in der Regel nicht gemeldet.

Das Kletterverbot begründet die Stadt auch damit, dass die Feuerwehr gerade in Coronazeiten vor aufwändigen Einsätzen bewahrt werden soll. Das bestätigt auch Kommandant Oliver Scherer, der von der Popularität des Klettergebiets weiß: "Schönes Wetter ist Steinbruchwetter." Einen Einsatzschwerpunkt kann Scherer hier nicht ausmachen: "Das ist ganz unterschiedlich: In manchen Jahren passiert gar nichts, dann wieder etwa vier, fünf Mal. Gemessen daran, was hier los ist, ist das überschaubar." Mittlerweile hat die Feuerwehr Routine entwickelt, Verletzte in diesem unwegsamen Gelände zu bergen: Dafür gibt es ein Quad mit speziellem Anhänger, das man eigentlich für Einsätze am Branichtunnel angeschafft hatte.

Ansonsten ist Ordnungsamtsleiter Weitz aber im Großen und Ganzen "sehr zufrieden damit", wie sich die Schriesheimer ans Betretungsverbot, gerade bei den Sportstätten, halten: Größere Zwischenfälle gab es bisher nicht, einmal wurde ein Bauzaun umgeworfen. Bußgelder wurden bisher noch nicht verhängt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung