04.05.2020

Der Wochenmarkt trotzt "Corona"

Der Wochenmarkt trotzt "Corona"

Die Standbetreiber verzeichnen momentan eher mehr als weniger Kunden - Viele tragen Masken, aber nicht alle, aber jeder hält Abstand

Die Schlangen auf dem Schriesheimer Wochenmarkt waren am Samstag lang – auch weil jetzt viel Abstand gehalten wird. Foto: Dorn

Von Florian Busch

Schriesheim. Samstagvormittag, die Sonne scheint, und es ist angenehm warm – eigentlich wie gemacht für einen Bummel durch die Altstadt. Auf dem Platz am alten Rathaus spielt gerade ein Trompetenspieler auf, bei den Bäckereien und Metzgereien stehen die Kunden wieder einmal in langen Schlangen bis auf die Straße hinaus. Kaum anders sieht es nur ein paar Meter weiter den Ständen auf dem kleinen, aber feinen Schriesheimer Wochenmarkt aus: "Ich bin sehr zufrieden", freut sich Ute Thurner aus Eppelheim. Schon seit 45 Jahren steht sie parat und verkauft Eier, Frischgeflügel und Milchprodukte. Alle Kunden seien sehr einsichtig und hielten ausreichenden Sicherheitsabstand zueinander. Es kämen auch nicht weniger, im Gegenteil: "Es hat sich besser entwickelt, als wir dachten", berichtet Thurner. Ähnlich ergeht es einer Käseverkäuferin gegenüber: "Die Leute sind sehr freundlich." Sie habe nicht weniger Kunden als sonst, allerdings "geht es früher los und hört früher auf", stellt die aus München stammende Frau fest.

Auch die Kirche beteiligt sich am Wochenmarkt und bietet etwa Kaffee, Tee, Gebäck, Schokolade und Reis an. Normalerweise findet der Verkauf im Café "Mittendrin" statt, weil das zurzeit aber nicht öffnen darf, wurde er nach draußen verlagert. Alle Produkte seien "Fairtrade", erklärt Friedrich Menges von der Evangelischen Kirchengemeinde. Der Erlös komme der Aktion "Miteinander Teilen – Gemeinsam Handeln" zu Gute, die arme Menschen auf der ganzen Welt unterstützt. Weil es sich hierbei um eine ökumenische Initiative handelt, ist auch der Produktverkauf auf dem Wochenmarkt eine Gemeinschaftsaktion der beiden Konfessionen im Ort. Wie bei den anderen Verkäufern auch, sei der Umsatz nicht weniger geworden: "Wir sind positiv optimistisch", freut sich Menges.

Unter der aktuellen Situation leidet der Schriesheimer Wochenmarkt keineswegs, und die Kundschaft kommt dafür teilweise sogar aus den Nachbargemeinden hierher. So zum Beispiel Jürgen Gutfleisch und seine Frau. Die beiden wohnen in Dossenheim, wo es eigentlich auch einen Wochenmarkt gibt. Dass das Ehepaar nun in Schriesheim Gemüse einkauft, sei "reiner Zufall" – weil sie die Stände erst während ihres Spaziergangs entdeckt hätten, berichtet Gutfleisch. Allgemein schätzt er aber, dass man hier frische und regionale Produkte kaufen kann.

Auch aus der anderen Richtung kommen Kunden nach Schriesheim. So zum Beispiel Sonja Röttgen. Sie ist aus Leutershausen mit dem Fahrrad herüber gefahren und hat gerade Eier und Gemüse eingekauft. Toll findet sie vor allem, dass sie Händler aus der Region unterstützen und "Sachen von hier" kaufen kann. Gleichzeitig gibt ihr der Markt ein schönes "Gefühl von Wochenende", meint sie. Mit ihrem Lebensgefährten habe Röttgen am Samstagmorgen noch diskutiert, ob sie einen Mundschutz aufziehen müsse. Am Ende hat sie sich dagegen entschieden, da es sich um eine offene und freie Fläche handele und es viel wichtiger sei, den Abstand einzuhalten. "Darauf achten die Marktstände aber super", findet sie.

Anders handhabt es dagegen Marta Velasco. Die Schriesheimerin steht gerade am Putenstand an und trägt eine Maske. Obwohl sie nicht ganz davon überzeugt sei, meint sie: "Wenn es schützt, dann mache ich das natürlich." Das Schöne an einem Wochenmarkt sei, dass man seine eigenen Dosen und Taschen mitbringen, also ohne Müll einkaufen kann. Im Normalfall seien auch immer ihre Kinder dabei, die könnten dann etwas herumtoben. Zurzeit gehe sie allerdings alleine: zum einen wegen "Corona" und zum anderen, weil die vielen Masken abschreckend für ihre Kinder sein könnten, wie sie findet.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung