06.05.2020

Vom Ende der Pelletheizungsträume

Vom Ende der Pelletheizungsträume

Weder Verwaltung noch Gemeinderäte reagieren auf den Vorstoß einer Gruppe von Schriesheimer Ingenieuren - Stattdessen Gas fürs Gymnasium

Die Sanierung des Kurpfalzgymnasiums hat begonnen, der erste Schritt war der Umzug in die Container; als nächstes stehen Gerüstarbeiten an. An der Grundkonzeption wird nicht mehr gerüttelt, deswegen gibt es auch die geplante Gas- und nicht etwa eine Pelletheizung. Foto: Dorn

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Kurt Büchler ist ein hartnäckiger Mann: Bereits Mitte Februar hatte der Ingenieur mit fünf weiteren Kollegen dafür getrommelt, im sanierten Gymnasium eine Pelletheizung statt des geplanten Gas-Blockheizkraftwerks zu installieren. Auch wenn der Gemeinderat das längst (und noch vor dem Vorstoß der Schriesheimer Ingenieurgruppe) beschlossen hat, machte er bei der letzten Sitzung am Mittwoch noch einmal mobil und versuchte vergeblich, noch einmal Unterstützung zu bekommen, aber noch nicht einmal die Grüne Liste – immerhin befürwortet sie grundsätzlich dieses Anliegen – ließ sich davon sonderlich beeindrucken. Man könnte auch sagen: Beim jetzigen, schon relativ weit fortgeschrittenen Planungsstadium der Sanierung wollen weder Verwaltung noch Räte vom eingeschlagenen Weg abweichen und ein neues Fass aufmachen.

Dabei hatte Büchler allerhand rhetorisches Geschütz aufgefahren: Im Sinne eines "konsequenten Klimaschutzes" sollten Verwaltung und Gemeinderäte doch noch einmal die Argumente auf sich wirken lassen. Denn im Grunde sei eine Pelletheizung längst nicht in der Tiefe von der Klimaschutz- und Energieberatungsagentur Kliba analysiert worden wie die Gasanlage: "Das ist für uns ein unbefriedigendes Ergebnis." Denn mitnichten sei eine Gasheizung per se billiger, zumal ja in Kürze die CO2-Steuer steige, was diese Form der Energie doch wieder teurer mache. Einmal abgesehen davon, dass "die Umweltbilanz einer Pelletheizung besser ist als die der Brückentechnologie Gasheizung". Und schließlich wollte er frühere Angaben von Till Bethe, immerhin ein Standeskollege vom Ingenieurbüro ist-Energieplan, nicht gelten lassen, wonach es für die Pellets schlicht keinen Platz gebe: "Wir halten das ohne genaue Analyse nicht für überzeugend." Und schließlich: "Die Entscheidung für die Gasheizung ist ohne die Beteiligung des Gemeinderats zustande gekommen." Dabei sei doch dessen Beschluss "geboten".

Allerdings: So groß war das Interesse der Kommunalpolitiker an dem alternativen Heizungskonzept der sechs Schriesheimer Physiker und Ingenieure dann doch nicht, wie Büchler zugab: Es hätten sich nur die Freien Wähler und die Grüne Liste gemeldet. Büchler sagte: "Leider ist es dann auch bei diesen Aussprachen geblieben, wir hatten keine weiteren Kontakte zu anderen Fraktionen. Aus den Gründen der Kosten der Ökologie und der demokratischen Grundlage für einen Gemeinderatsbeschluss können wir nicht verstehen, warum es zu keiner sonstigen Interessensbekundung gekommen ist." Er erneuerte sein Angebot zu weiteren Gesprächen, zumal die Gruppe "nicht parteigebunden und offen für sachliche Diskussionen" sei.

Während der Sitzung würdigte nur Andrea Diehl (CDU) die Pelletheizung mit einer knappen Bemerkung: "Die Investition in eine Pelletheizung ist zum derzeitigen Zeitpunkt zu aufwendig, würde durch die Aufsichtsbehörde voraussichtlich nicht genehmigt, da nicht im Kostenrahmen. Und es ist auch nicht erwiesen, dass eine solche Heizung auf Dauer wirklich günstiger ist."

Da war Bürgermeister Hansjörg Höfer in seiner direkten Replik auf Büchler schon ausführlicher: "Wir werden das Kurpfalzgymnasium mit einem Gas-Blockheizkraftwerk beheizen. Das wurde auch so im Gemeinderat beschlossen." Die 100.000 Euro an Mehrkosten für eine Pellet-Anlage seien "ein wichtiger Aspekt", denn "wir haben ein sehr enges finanzielles Korsett für die Sanierung des Gymnasiums". Außerdem komme noch die Wartung als zusätzlicher Kostenfaktor dazu: "Wir haben bisher nur in der Trauerhalle am Friedhof eine Pelletheizung eingebaut. Mit der haben wir keine guten Erfahrungen gemacht." Höfers versöhnliche Perspektive: "Wenn man will, kann man ja später noch im Gymnasium eine solche Heizung einbauen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung