08.05.2020

Die Fahrschulen hingen lange in der Luft

Alexander Pape und Peter Daub dürfen ab Montag wieder loslegen - Bei der konkreten Umsetzung ist aber noch nicht alles klar

Schriesheim. (vkn) Die Corona-Einschränkungen haben die Fahrschulen in ihrem Betrieb regelrecht ausgebremst. Sie dürfen seit sieben Wochen weder theoretischen noch praktischen Unterricht geben. Aber das wird sich ab Montag, 11. Mai, ändern, denn dann dürfen sie wieder öffnen – und vollumfänglich wieder Theorie- und Praxisunterricht erteilen.

Seit dem 17. März hatten die beiden Fahrschulen Daub oder Pape (vormals Fremgen) geschlossen – und zwar nicht nur die Schulungsräume, auch die Büros. Kontakt zu ihnen war nur übers Telefon, per E-Mail oder via Social-Media-Kanäle möglich. "Ich hoffe, wenigstens so meine Kunden erreichen zu können", sagte Alexander Pape. Erst Anfang April hatte der Heidelberger die Schriesheimer Fahrschule Fremgen mit allen Beschäftigten, Fahrzeugen sowie Schülern übernommen. Für Pape sind die Lockerungen überfällig, schließlich hätten die Fahrschulen in Nordrhein-Westfalen schon am 23. April wieder ihren Betrieb aufgenommen – und lange herrschte in Baden-Württemberg Unklarheit. Ein Befund, den sein Kollege Peter Daub von der gleichnamigen Fahrschule nur bestätigen kann. "Wir wussten lange gar nicht, was Sache ist."

Pape ist etwas enttäuscht, dass dem Antrag der Fahrschulen, den theoretischen Unterricht online fortzusetzen, nicht stattgegeben wurde: "Damit hätten wir wenigstens etwas auffangen können." Das sei aber mit der Begründung abgelehnt worden, der Präsenzunterricht sei nicht zu ersetzen. Die Argumentation kann Pape zwar einerseits nachvollziehen. Er fragt sich aber andererseits, wie er den Präsenzunterricht in seinen Räumen fortsetzen kann. Was er gehört hat, stimmt ihn nachdenklich. So sollen für die Schulungen zehn Quadratmeter pro Teilnehmer zur Verfügung stehen. Das wären bei ihm auf 30 Quadratmetern drei Menschen. "Das ist unwirtschaftlich. Da müssten wir von morgens bis abends nur Theorieunterricht geben", sagt er in Hinblick auf die Teilnehmergröße eines gängigen Kurses und hofft für seine Branche auf ähnliche Vorgaben der Behörden wie an den Schulen. Ein Mindestabstand von 1,50 Meter ließe sich einrichten, meint er. Wie es ab Montag konkret weitergeht, weiß Pape noch nicht. Daub ist da schon weiter: Er wird für den Theorieunterricht zwei Gruppen bilden, die eine kommt um 17 Uhr, die andere um 18.30 Uhr. Die Teilnehmer müssen das aber vorher mit dem Büro abklären, das ebenfalls ab Montag wieder geöffnet ist. Zwingend ist ein Abstand von 1,50 Metern sowie ein Mund-Nasen-Schutz.

Der theoretische Unterricht ist aber nur das eine. Die praktische Fahrstunde im Auto das andere. Pape ist gespannt darauf, wie das im Fahrzeug konkret aussehen soll: Mundschutz klar, aber auch Desinfektion? Erfreulich sind für ihn in dieser Situation jedoch die Reaktionen der Fahrschüler. "Die meisten sind verständnisvoll." Aber je länger der Unterricht ausgesetzt sei, desto mehr dringe dann schon etwas Ungeduld durch. "Die wollen, dass es weiter geht. Die sind voll motiviert und möchten ihre Führerscheinprüfung ablegen."

Für ihre Mitarbeiter haben beide Fahrschulen Kurzarbeit beantragt. "Das ging nicht anders", sagt Pape. Daub weist dabei auf die bei ihm beschäftigten Aushilfskräfte hin: "Die fallen bei den Hilfspaketen unten durch." Ein anderes Problem sei, wie die zusätzlichen Kosten durch die geforderten Hygienemaßnahmen von den Fahrschulbetrieben aufgefangen werden könnten. Die einfach auf den Preis der Fahrstunden umzulegen, werde schwierig. Wenn überhaupt, dann gehe das bestenfalls mit einer moderaten Preiserhöhung.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung