08.05.2020

Nicht überall gibt es Präsenzgottesdienste

Die Schriesheimer Protestanten veranstalten am Sonntag eine "Kurzform" ohne Gesang und Liturgie - Die Katholiken starten erst an Pfingsten

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Auch wenn die Lockerungen nun für Gottesdienste gelten: In Schriesheim werden erst einmal nur die Protestanten an diesem Sonntag wieder mit Gläubigen in der Kirche feiern. Bei den Katholiken dauert das wohl noch bis Pfingsten. Ein Überblick:

Evangelische Kirchengemeinde: Zum ersten Mal seit gut acht Wochen gibt es wieder am Sonntag um 9 Uhr einen Gottesdienst mit Besuchern – allerdings nur in einer halbstündigen Kurzform ohne Liturgie und Gesang. Kamen sonst vor "Corona" regelmäßig 200 bis 300 Gläubige in der Kirche zusammen, ist nun wegen der Abstandsregelungen nur noch Platz für maximal 88 Besucher. Kommen sollten, so Pfarrerin Suse Best, nur diejenigen, die keine Möglichkeit haben, die Gottesdienste im Internet zu verfolgen. Aber auch jeder, der zur Risikogruppe gehört, sollte sich den Kirchgang gut überlegen. Wer unbedingt in die Kirche will, muss schon um 8.50 Uhr da sein, denn am Eingang werden Platzkarten ausgegeben – und dann verteilen sich die Besucher mit großem Abstand auf die nummerierten Plätze auf den Bänken, die Emporen bleiben geschlossen. Zwei "Ordner" vom Kirchengemeinderat passen auf, dass sich keine größeren Grüppchen bilden und alle die Kirche nach dem Gottesdienst schnell wieder verlassen, damit noch schnell desinfiziert werden kann. In Altenbach starten die Präsenzgottesdienste am Pfingstsonntag, 31. Mai, um 9 Uhr.

Aber hat Best nicht Angst, dass vielleicht Leute doch abgewiesen werden müssen? "Erst einladen und wegschicken, das geht gar nicht. Ich bin mir aber sicher, dass wir mit der Kapazität hinkommen." Zumal ja anderthalb Stunden später, um 10.30 Uhr, der Hauptgottesdienst – mit Gesang und Liturgie – gefeiert wird, wenn auch nur im Internet. Das wird auch erst einmal beibehalten, zumal sich dieses Format bewährt hat: Digital erreicht man mehr Menschen als mit Präsenzgottesdiensten. Die Regelung ist so: Wer den Internet-Hauptgottesdienst hält, macht auch den kurzen mit Besuchern – an diesem Sonntag wird das Kieren Jäschke sein. Für Pfarrerin Best ist das, alles in allem, eine vorsichtige Lockerung. Sie sieht in der Forderung, endlich wieder gemeinsam in der Kirche zusammenzukommen, etwas Positives: "Das ist schön, dass der Ruf nach Präsenzgottesdiensten wieder laut geworden ist. Das zeigt, wie viel Wert ihm beigemessen wird."

Katholische Kirchengemeinde: Pfarrer Ronny Baier arbeitet noch daran, die Kirchen "fit" für Gottesdienste in Pandemiezeiten zu machen – von Desinfektionsmitteln über Wegweiser bis hin zu separatem Ein- und Ausgang. Vor allem braucht er dazu noch Helfer – denn nicht zuletzt gehören viele Mesner selbst zur Risikogruppe und sollten eher die Kirche meiden. Und auch Baier steht vor dem Problem, wie viele Menschen eigentlich zulässig sind: Für Dossenheim rechnet er mit etwa 80 verfügbaren Plätzen (sonst kamen sonntags zwischen 200 und 300 Gläubige), für Schriesheim (sonst 160) und Altenbach (sonst 60) mit je 60 bis 70. Bis Pfingsten, so sein Ziel, soll es die erste Messe mit Besuchern geben. Natürlich darf dann nicht gesungen werden – "ein Emotionskiller" findet er. Auch deswegen glaubt er nicht, "dass die Massen strömen werden". Zumal man sich vorher – so zumindest die Planung – anmelden muss, dann werden Plätze zugewiesen. Die Anmeldelisten sollen auch dazu dienen, Infektionswege nachzuvollziehen.

Aber zunächst einmal bleiben die vierzehntägigen Internet-Messen aus Dossenheim – in Schriesheim fehlen im Moment noch die technischen Voraussetzungen – als Hauptgottesdienst. An diesem Sonntag ist, passend zum Muttertag, die "Radiokinderkirche" an der Reihe. Bei diesen Internetformaten gab es ähnlich hohe Zugriffszahlen wie bei den Protestanten.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung