12.05.2020

Schriesheimer "Schnäppchen": Der "Deutsche Kaiser" steht seit Jahren leer und zum Verkauf

Es stellt sich die Frage, wie das mehr als 300 Jahre alte denkmalgeschützte Anwesen zu nutzen ist.

Schriesheim. (hö) Ausgerechnet in zentraler Lage gibt es in Schriesheim zwei Leerstände: der "Strahlenberger Hof" (seit Beginn des Jahres) und der "Deutsche Kaiser" (seit zwei Jahren). Der "Kaiser", der der Schriesheimer Werner-Liegenschaftsverwaltung gehört, steht zum Verkauf. Erst wurden 4,7 Millionen Euro verlangt, nun sind es knapp 3,5 Millionen Euro – wohl eine Folge des nicht überbordenden Interesses an diesem speziellen Objekt mit seinen 25 Zimmern. Vom Eigentümer heißt es, es habe schon mehrere Besichtigungen gegeben, allerdings sei es schwer, eine solche Immobilie zu finanzieren.

Überhaupt stellt sich die Frage, wie das über 300 Jahre alte denkmalgeschützte Anwesen zu nutzen ist. Das Bruchsaler Maklerbüro Schürrer & Fleischer hat in seinem Inserat diese Ideen: "Die Immobilie eignet sich nicht nur für Betrieb als Hotel. Insbesondere scheint sich die Immobilie auch für das Konzept ,Kurzzeitwohnen’ zu eignen" – und dabei denkt man etwa an Studenten oder Facharbeiter, die immer Bedarf hätten; aber generell könne man hier auch Büros oder Wohnungen einrichten. Das hatte der damalige "Kaiser"-Manager Patrick Thomas noch vor zwei Jahren anders gesehen: Eigentlich komme nur eine Nutzung als Hotel infrage: "Die Zimmeraufteilung macht alles andere schwierig", sagte er damals der RNZ.

Wie soll man das Haus nutzen?

Allerdings scheint ein neues Hotel in Schriesheim fast illusorisch, denn als solches war es nicht rentabel zu führen – das war auch der Hauptgrund, wieso Herberge und Restaurant zum 30. April 2018 schlossen: "Die Auslastung hat sich nicht so entwickelt, wie wir das gehofft hatten", so Thomas. Und mehr noch: "Vielleicht war es das richtige Haus am falschen Platz oder das falsche Haus am richtigen Platz." Das hochpreisige Angebot hatte sich vor allem an Geschäftskunden gerichtet, Laufkundschaft gab es kaum. Und Firmen, die in erster Linie auf den Preis schauen, war ein Absteigen hier zu teuer. Daran dürfte sich auch nichts geändert haben, zumal seit der Coronakrise erstens die Unternehmen noch mehr aufs Geld schauen und zweitens die Hotellerie generell schwer gebeutelt ist.

Was nichts daran ändert, dass es sich bei dem Gebäude um eines der imposantesten in der Altstadt handelt: Es wurde 1682 vom Heppenheimer Küfer Peter Kling als Wirtschaft "Zu den zwei Schwertern" erbaut. Seinen heutigen Namen erhielt das Haus 1871, als der damalige Wirt Franz Carque es patriotisch "Zum Deutschen Kaiser" nannte, nachdem er aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 heimgekehrt war. Später war einer der Wirte Willi Frank, der als "Franke-Doktor" mit seinem Lokal in der Bismarckstraße – auch seit Ende 2018 geschlossen – legendär wurde. Im "Kaiser" wurde sogar 1979 die Grüne Liste gegründet, die sonst kein Lokal aufnehmen wollte. 2009 kauften Investoren aus Wilhelmsfeld den Komplex, erwarben noch zwei Grundstücke dazu und eröffneten 2011 einen rundum sanierten und sehr schicken neuen "Kaiser".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung