17.05.2020

Wirte haben Probleme mit der Umsetzung aller Auflagen

Wirte haben Probleme mit der Umsetzung aller Auflagen

Am Montag dürfen Gastronomen wieder öffnen - Freude ja, aber Euphorie eher nein - Abhol- und Lieferdienste laufen weiter

Bereit für den Neustart am Montag: Jürgen Opfermann richtet den Außenbereich her. Foto: Dorn

Von Florian Busch

Schriesheim. Endlich wieder einmal gute Nachrichten für die Gastronomen: Ab Montag, 18. Mai, dürfen sie ihren normalen Betrieb wieder aufnehmen. Dabei müssen sie allerdings eine ganze Reihe von Auflagen und Vorschriften befolgen, so zum Beispiel die Abstände zwischen den Tischen und einige jede Menge Hygiene.

Im Gasthaus "Zum Goldenen Hirsch" ist Pächter Fabian Gieser sehr froh darüber, dass er wieder in vollem Umfang loslegen darf: "Wir freuen uns, die Gäste wieder begrüßen zu dürfen." Allerdings hat er erst ab Mittwoch wieder geöffnet: "Wir brauchen eine gewisse Vorbereitungszeit", erklärt er die kleine Verzögerung. Die Speisekarte ist zu Beginn zwar noch kleiner, soll aber auf lange Sicht wieder zu alter Größe heranwachsen.

Der angebotene Abhol- und Lieferservice wird weiterhin bestehen bleiben. Denn aus Gesprächen mit Gästen weiß Gieser, dass viele noch zögerlich sind und nicht sofort wieder ein Speiselokal besuchen wollen. Auch auf diese Menschen wolle er Rücksicht nehmen. Bei der Umsetzung der Auflagen sieht Gieser unterdessen keine größeren Probleme. Er wolle den Mindestabstand gewährleisten und Desinfektionsmittel bereitstellen: "Ich denke, wir bekommen das hin", hofft aber gleichzeitig auch, dass die Gäste sich der besonderen Situation und ihrer Eigenverantwortung bewusst sind.

Ähnlich sieht es Sana Mashti, Inhaberin von "La Perseria". Auch sie ist sehr froh über die Wiedereröffnung und wird ihr Restaurant direkt am Montag wieder aufmachen. Um immer eineinhalb Meter zwischen den Tischen gewährleisten zu können, schrumpft deren Anzahl im Lokal von 18 auf etwa zehn. Um diesen Verlust kompensieren zu können, möchte Mashti neben der Terrasse eventuell noch den Parkplatz bewirten: "Hoffentlich ist das Wetter gut", lacht sie. Am meisten Bauchschmerzen habe sie davor, von allen Gästen Namen und Kontaktdaten einfordern zu müssen, doch "wir werden die Auflagen befolgen".

Wie bei Gieser bleibt der Liefer- und Abholdienst bestehen und es geht mit kleinerer Karte wieder los – man müsse langsam beginnen, erklärt die Inhaberin. Denn bei aller Freude schwinge auch etwas Angst und Verunsicherung mit, dass der Zuspruch und die Gäste ausbleiben. Gleichzeitig sei sie aber sehr optimistisch, da viele Gäste auf die Öffnung warten würden: "Alle wollen wieder raus", so Mashti. Um besser planen zu können, sollten die Gäste im Voraus reservieren. Zur Begrüßung möchte sie sich außerdem noch eine kleine Überraschung überlegen.

Kritisch sieht die Vorschriften Jürgen Opfermann von "Das Gasthaus": "Es sind viele Auflagen, die Schwierigkeiten machen", findet er. Zum Beispiel sei es nicht leicht umzusetzen, das Essen mit Servierwagen zu liefern oder genügend Abstand in den Toilettenzugängen zu gewährleisten. Auch die Tische und Stühle – wie vorgeschrieben – nach jeder Benutzung abzuziehen, zu reinigen und zu desinfizieren, koste Zeit und Aufwand. Um seine Speisekarte neu gestalten zu können und alle Materialien zu bekommen, möchte Opfermann erst am Donnerstag oder Freitag wieder öffnen und die ersten Tage beobachten: "Ich lasse das etwas entspannter anlaufen." In der Zwischenzeit laufen Liefer- und Abholdienst aber weiter, auch über die Wiedereröffnung hinaus.

Auch wenn der Inhaber sich darüber freut, wieder für seine Gäste da sein zu dürfen, habe er für die Zukunft nach wie vor keine Planungssicherheit: "Wir leben auch viel von Veranstaltungen", wie Geburtstagen oder Hochzeiten. Deshalb sei durch die Öffnung des Restaurants noch nicht wieder alles gut. Trotzdem blickt er optimistisch nach vorne und lobt die Unterstützung der Menschen in dieser Zeit. Er habe viel positives Feedback bekommen, das freue ihn sehr. "Wir haben genug Negatives hinter uns. Wir kämpfen und schauen, dass wir es hinbekommen", meint Opfermann.

Dem schließt sich Ernst Schmitt, Inhaber von "Hotel-Weinstuben Hauser" an: "Wir müssen versuchen, das Beste daraus zu machen." Denn auch er sieht vor allem in Bezug auf die Größe seines Gastraums Probleme in der Umsetzung aller. Es seien außerdem viele kleine Investitionen zu tätigen, etwa für Masken: "Das summiert sich", meint er. Die Hygienevorschriften habe er schon größtenteils umgesetzt, zum Beispiel einen Desinfektionsspender am Eingang zu installieren. Zwischen den Tischen möchte er außerdem Plexiglasscheiben anbringen. Am Montag startet Schmitt wieder mit dem Betrieb – allerdings ebenfalls mit kleinerer Karte.

"Wir sind froh, dass wir wieder aufmachen dürfen. Ich hoffe, dass alles gut geht", sagt er in Bezug auf die Reaktion der Gäste. Denn auch Schmitt weiß aus Gesprächen, dass sich viele noch unsicher sind. Deshalb erwartet er auch zu Beginn keinen großen Ansturm und führt Liefer- und Abholdienst weiterhin fort: "Ich würde mich aber nicht ärgern, wenn es anders wäre", meint er und lacht.

Reza Mashti von der „Perseria“ übt sich im Umgang mit Reinigungsmitteln. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung