19.05.2020

Neun Wochen Zwangspause: "Kaffeehaus" Schriesheim und Ladenburg hat wieder geöffnet

Neun Wochen Zwangspause: "Kaffeehaus" Schriesheim und Ladenburg hat wieder geöffnetAm ersten Tag waren das Gästeaufkommen und damit der Umsatz eher verhalten. Der Lockdown hat "echte Löcher in den Finanzen" hinterlassen.

Endlich wieder Leben am Alten Rathaus: Die „Kaffeehaus“-Geschäftsführer, die Geschwister Andreas Knoth, Heike Kohl und Frank Knoth (v.l.), starteten am gestrigen Montag nicht nur in Schriesheim, sondern auch in Ladenburg wieder durch – und hoffen auf noch mehr Gäste. Foto: Dorn

Von Micha Hörnle

Schriesheim/Ladenburg. Für Andreas Knoth, einer der drei Geschäftsführer des "Kaffeehaus" in Schriesheim und des gleichnamigen "Ablegers" in Ladenburg, will nicht groß herumreden: Die letzten neun Wochen seit der Schließung am 18. März waren hart: "Das war für uns ein totaler Schock, so etwas gab es noch nie: Mit schlechtem Wetter oder ähnlichem können wir umgehen, aber nicht mit einer Zwangspause. Wir waren völlig hilflos."

Auch wenn er seit Montag wieder geöffnet hat, werden ihn die Folgen des "Lockdowns" noch lange beschäftigen. Zwar konnte er seine Betriebe mit Krediten und Soforthilfe über Wasser halten – die insgesamt 23 Festangestellten in beiden Cafés waren in Kurzarbeit: "Das ist eine Sache von mehreren Jahren. Wir reden hier nicht von entgangenen Gewinnen, sondern von echten Löchern in den Finanzen." Selbst alle staatlichen Hilfen hätten erst relativ spät gegriffen, und so musste er einen Monat lang alle Kosten ohne jegliche Einnahmen stemmen: "Ja, wir hatten Existenzängste." Auch die Strategie, sich mit einem Liefer- oder Abholdienst im Gedächtnis der Kunden zu halten, hat Knoth verworfen: "Wegen der Personalkosten und der unklaren Einnahmen wäre das ein unkalkulierbares Risiko."

Daher war seine Antwort auf die Krise: "Einigeln: Wir machen uns so klein wie möglich und fahren die Kosten runter." Kurz nach der Schließung hat er mal durchgerechnet: Etwa ein Vierteljahr hätte seine Firma ganz ohne Gäste durchgehalten, da kam die Öffnung gerade rechtzeitig. Und so ist er erleichtert, dass sich der Platz am Alten Rathaus am Montag wieder füllte. Und doch: "Ich bin weiter etwas aufgeregt, was unsere wirtschaftliche Situation angeht. Denn die Leute sind immer noch zurückhaltend. Und solange uns alle noch Corona verfolgt, werden wir nicht mehr zum Stand vor der Krise zurückfinden."

Auch wenn endlich wieder Leben direkt in Schriesheims Mitte ist, so voll wie vor der Krise ist es noch nicht: "Man soll den ersten Tag nicht überbewerten, aber ich schätze mal, dass wir am Montag nur 30 Prozent der üblichen Umsätze hatten – und wahrscheinlich haben wir noch nicht einmal kostendeckend gearbeitet." In Ladenburg, wo es seit elf Jahren auch ein Kaffeehaus gibt – das Schriesheimer Stammhaus existiert sogar doppelt so lang – sei der Besuch sogar noch schwächer gewesen.

Zusätzlich zu schaffen machen Knoth auch die neuen Abstandsregelungen: Draußen hat er statt 160 Plätzen nur noch 120, drinnen statt 80 nur noch 60, also ein Drittel weniger: "Klar bedeutet das auch Umsatzverluste. Wir können die Spitzen nicht mehr abfangen. Es ist nicht leicht, unter solchen Umständen wirtschaftlich zu arbeiten." Was ihm noch zusetzt: Das einst so gedeihliche Geschäft mit dem Frühstück ist schwächer geworden, im Grunde ist es, zumindest im Moment nur am Nachmittag voll und nicht mehr den ganzen Tag über. Allerdings: In mehr Hygieneschutz investieren mussten seine Häuser nicht: "Wir haben schon immer eine Gläserspülmaschine, sind also schon seit 22 Jahren in dieser Hinsicht keimfrei; unsere Belüftungsanlage tauscht die Raumluft dreimal am Tag aus. Für seriöse Betriebe sind die neuen Auflagen kein Problem. Nur die Schmuddelbetriebe müssen sich jetzt neu erfinden."

Und was hält Knoth von den Forderungen aus der Kommunalpolitik, den Lokalen mehr Platz für die Außenbestuhlung einzuräumen? "Nur dort, wo es sinnvoll ist. Direkt vor dem Haus wäre es gut, aber schon bei Tischen vor dem Alten Rathaus läuft sich unsere Bedienung halb tot. Im Moment reichen die jetzigen Kapazitäten noch aus. Man sollte über eine Ausweitung nachdenken, wenn es der Gästeansturm erlaubt."

Aber bei aller Durststrecke: Knoth ist zuversichtlich: "Die Lage wird sich wieder stabilisieren, wenn die Leute Vertrauen fassen und wiederkommen. Wenn man nicht grundsätzlich Optimist ist, macht man sich nicht selbstständig."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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