22.05.2020

Das Abi findet in der Turnhalle statt

Das Abi findet in der Turnhalle stattUnter ungewöhnlichen Umständen begannen die Klausuren - Manche empfanden die Zeit ohne Unterricht stressig, andere gut zum Lernen

Mit dem Fach Deutsch starteten am Mittwochmorgen die Schüler des Kurpfalz-Gymnasiums ins schriftliche Abitur. Die 94 Schüler schrieben die Klausur erstmals in der Schulturnhalle – mit reichlich Abstand. Foto: Dorn

Schriesheim. Kurz vor 9 Uhr am Mittwochmorgen: Die letzte der 96 Abiturientinnen und Abiturienten des Kurpfalz-Gymnasiums (KGS) kommt in die Schulsporthalle, und die schriftliche Abiturprüfung im Fach Deutsch kann beginnen. Wie landesweit etwa 47.400 Schüler werden sich auch die Schriesheimer Schüler 315 Minuten lang mit einem von fünf Themen befassen und einige Seiten dazu schreiben. Am Heinrich-Sigmund-Gymnasium (HSG) sitzen derweil 25 Abiturienten vor den gleichen Aufgaben – in der großen Mensa, ebenso mit genügend Abstand.

"Ich habe den Werkvergleich gewählt", berichtet Maja Nobiling, Schülerin des KGS, "er war nicht einfach, aber ich habe das Beste draus gemacht." Bei diesem Vergleich mussten die Prüflinge eine Textstelle aus E.T.A. Hoffmanns Märchen "Der goldne Topf" interpretieren und mit Hermann Hesses Roman "Der Steppenwolf" vergleichen – und untersuchen, ob und inwieweit die beiden Hauptfiguren Anselmus und Harry Haller von Sehnsucht bestimmt sind. "Mich hat überrascht, dass der Faust von Goethe nicht dran kam", so Maja – das dritte Werk, mit dem sie sich in der Oberstufe beschäftigt hatten.

Die Atmosphäre in der Turnhalle sei gut gewesen, alle Schüler seien konzentriert, aber nicht angespannt gewesen, berichtet die 17-Jährige. Ein anderes der fünf möglichen Themen wählte David Kuhn, nämlich die Erörterung eines Textes ("Lob der Blase") aus der "Zeit" von Jens Jessen: "Das war voll in Ordnung und gut machbar."

Zur Auswahl stand außerdem eine vergleichende Interpretation von zwei Gedichten: "Im Spätboot" von Conrad Ferdinand Meyer und "Rückkehr" von Stefan George. "Die Gedichte waren gut zu verstehen", freute sich Lara Schertenleib, die sich für dieses Thema entschieden hatte. Wählen konnten die Abiturienten auch die Interpretation einer Kurzgeschichte von Johannes Bobrowski oder das Verfassen eines Essays zum Thema "Meine Handschrift – meine Visitenkarte?".

Die erste schriftliche Abiturprüfung sollte eigentlich am 22. April stattfinden (Biologie und andere Naturwissenschaften, Geschichte usw.) und wurde bekanntlich wegen der Corona-Pandemie verschoben. Der Unterricht fand seit Mitte März zuhause statt, erst seit 4. Mai gingen die Schüler der beiden Jahrgangsstufen – stundenweise – wieder in die Schule. "Die Zeit vor dem Abitur war anstrengend und stressig", sagt David, "auch wegen der Ungewissheit, ob die Abiturprüfungen überhaupt stattfinden und wann". Lara fand die Zeit zuhause "gut fürs Abi-Lernen – man konnte sich auf die Prüfungsfächer konzentrieren und die Nebenfächer vernachlässigen".

Die meisten Abiturienten werden wie David froh sein, "dass die lange Deutschprüfung nun geschafft ist". Aber nächste Woche geht es mit drei schriftlichen Prüfungen für jeden Schüler weiter: Englisch am Montag, Mathematik am Dienstag und Französisch am Mittwoch. Am Donnerstag folgen die restlichen Neigungsfächer, zum Beispiel Naturwissenschaften, Geschichte und Gemeinschaftskunde – und als letzte Prüfung am Freitag Latein.

In den Wochen nach den Pfingstferien müssen noch die Kommunikationsprüfungen in den Fremdsprachen nachgeholt werden, ebenso wie fachpraktische Prüfungen wie Kunst und Sport. Die Ergebnisse der schriftlichen Prüfungen werden am 13. Juli verkündet, eine Woche später, am 20. Juli, finden am KGS die mündlichen Prüfungen statt, berichtet Schulleiter Jürgen Sollors. Am HSG wird das mündliche Abitur am 21. Juli stattfinden, so Schulleiter Wolfgang Metzer.

Ein dicker Wermutstropfen ist die Zeit danach: Abifeiern wie in Nicht-Corona-Zeiten wird es nicht geben, keine feierliche Verabschiedung der Abiturienten am Ende ihrer Schullaufbahn.

Die Abitur-Zeugnisse erhalten die KGS-Schüler erst am 22. Juli – nicht wie ursprünglich geplant am 4. Juli. "Dadurch wird die Zeit knapp bis zu meinem FSJ", bedauert Lara. Sie möchte ab August ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Kindergarten in Belgien machen. "Ich hoffe, es klappt überhaupt, dass ich dann nach Belgien kann."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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