25.05.2020

Konzentration ist das A und O: Auch Minigolf ist wieder erlaubt

Beim MC Schriesheim stehen 36 Bahnen zur Verfügung - Gemütliches Ambiente

Von Daniel Hund

Schriesheim. Es geht nach Schriesheim, das Navi lotst mich bis hinter an den Feldrand. Vorbei an den Sportplätzen und den Tennis-Courts. Das Ziel: der MC Schriesheim. Ein echter Hotspot des Minigolf-Sports. 36 Bahnen, gemütliches Ambiente: Sieben deutsche Meisterschaften fanden hier schon statt. Der Europacup der Landesmeister auch.

Minigolf. Eigentlich bin ich der typische Minigolfer. Einmal im Jahr von der Frau überredet, gebe ich mein Bestes, versuche das Familien-Duell irgendwie zu gewinnen. Ist das geschafft, heißt es cool bleiben, die Freude über den prestigeträchtigen Coup bloß nicht zeigen. Keine Becker-Faust, kein lang gezogenes "Yes". Einfach so tun, als ob nichts passiert sei.

Doch diesmal war die Ausgangslage eine andere: Michael Ritschel, 35, wartete auf mich. Zweitliga-Spieler, ein Künstler auf den Miniatur-Bahnen. Tennisspieler wie ich einer bin, sind für ihn ein gefundenes Fressen. Dementsprechend professionell war die Vorbereitung: Neun Stunden Schlaf, zwei Bananen, Energydrink und morgens keine unnötigen Aufreger wie Müll rausbringen oder Ähnliches.

Doch ganz ehrlich: Kaum angekommen, hatte ich schon verloren. Dieser Blick, dieses selbstbewusste Grinsen. So sieht einer aus, der sein Handwerk versteht. Ritschel spielt schon Ewigkeiten. Seine Eltern brachten ihn zum Minigolf. Mit acht Jahren gab es erstmals das eigene Equipment. Schläger, Bälle und was eben sonst noch so alles dazu gehört.

Stichwort Bälle. Ritschel schleppt ein ganzes Arsenal dieser kleinen Kugeln mit sich herum. Leichte, schwere, kleine, große. "Jeder Spieler hat so um die 300 bis 400 Bälle", lächelt der 1. Vorsitzende des MCS. "Insgesamt gibt es bestimmt 100.000 verschiedene, die sich jeweils in ihrer Beschaffenheit unterscheiden."

Zum Einsatz kommen sie bei Ritschel drei- bis viermal die Woche. Stehen Turniere oder Liga-Spiele an, geht es für ihn beinahe täglich zum Training. Im Corona-Zeitalter wird jedoch auch bei den Minigolfern auf Sparflamme gekocht. Die Liga ist abgesagt, die deutsche Meisterschaft, die im Juli wieder in Schriesheim stattfinden sollte, auch. "Das ist sehr schade", sagt Ritschel, "aber immerhin haben wir für 2021 erneut den Zuschlag für die DM bekommen."

Gespielt wird derzeit trotzdem beim MCS. Die rund 100 Vereinsmitglieder, aber auch die vielen Gäste, sorgen seit dem 18. Mai wieder für Hochbetrieb. Natürlich unter Berücksichtigung der Abstandsregelung. Absperrbänder, Klebestreifen, Desinfektionsmittel – in Schriesheim geht man mit gutem Beispiel voran. Den ersten echten Härtetest bestand man mit Bravour: Am 21. Mai, dem Feiertag am Vatertag, war der Ansturm enorm. "Kompliment an unsere Gäste, sie haben sich wirklich toll verhalten", lobt Ritschel. Ohne Gäste würde es ohnehin kaum gehen. Von ihrem Geld finanziert sich der Klub mit: Hier ein Eis, da eine Cola und dazu noch die Gastspiel-Gebühr. Die durchaus kostspieligen Reisen im Rahmen des Ligabetriebs werden überwiegend durch Sponsoren-Gelder abgedeckt.

Sponsoren im Minigolf? Glauben kann das nicht jeder. Auch Ritschel kennt die Vorurteile, die seinen Sport begleiten. Für viele ist er nämlich gar keiner. Die Realität ist natürlich eine andere. Ein Wettkampf dauert in der Regel von 8 bis 18 Uhr. Vier Runden hat jeder zu absolvieren. Konzentration ist da das A und O. "Nur, wer es schafft, den ganzen Tag die Spannung oben zu halten, kann am Ende erfolgreich sein", plaudert Ritschel aus dem Nähkästchen. Auch gezielte Laufeinheiten sind für ihn und seine Kollegen Pflicht.

Beim MC Schriesheim wird Leistungssport betrieben – aber eben nicht nur. Klein und groß findet sich auf den Bahnen ein, um die Bälle in den Löchern zu versenken. "Unser ältestes Mitglied ist Ruth, sie ist bereits 92 Jahre alt und dreht regelmäßig ihre Runden", schmunzelt Ritschel.

Spielen habe ich sie nicht gesehen, aber vermutlich hätte ich auch gegen sie keine Chance gehabt. Immerhin weiß ich seit Samstag, dass es Schläger für Rechts- und Linkshänder gibt. Und wie ging der Battle gegen den Zweitliga-Star nun aus? Gute Frage, ich muss den Zettel mit der Punktetabelle irgendwo unterwegs verloren haben. Kann im Nieselregen ja mal passieren. Knapp war’s auf jeden Fall. Spaß? Es war ein Desaster. Aus der anvisierten Überraschung wurde eine Vorführung.

Ich schiebe es mal auf den Regen. Sie wissen schon, Schönwetter-Spieler und so. Mein rechter Schuh ging auch laufend auf. Und die Regentropfen auf der Brille erst ...

Wer soll sich da bitte konzentrieren können?

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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