27.05.2020

Coronakrise: Wie die Schriesheimer Kultur leidet

Vereine beklagen abgesagte Veranstaltungen - Kaum Planungssicherheit und fehlende Einnahmen - Museum Théo Kerg öffnet wieder am 14. Juni

Von Florian Busch

Schriesheim. Läden und Lokale dürfen wieder öffnen, doch die Lage bei vielen Vereinen sieht immer noch schlecht aus. Im dritten Teil dieser Serie über deren Situationen soll es um Vereine gehen, die für Kultur in Schriesheims sorgen.

Bei der Theatergruppe "Die Rebläuse" steht derzeit alles. Keine Auftritte und geschweige denn Proben finden statt, so die Vorsitzende Angelika Strelow-Reichardt. Deshalb sei es im Moment sehr ruhig: "Wir sind nicht einmal zur Mitgliederversammlung gekommen", bedauert Strelow-Reichardt, die auch keinen Kontakt mit ihren Vorstandskollegen habe – mit Homeoffice oder der Kinderbetreuung seien die selbst genügend ausgelastet. Es gibt allerdings noch ein weiteres Problem: "Die Rebläuse" waren schon vor der gezwungenen Coronapause auf der Suche nach einem neuen Regisseur. Wegen der aktuellen Situation könne die Suche aber nicht weitergehen, meint die Vorsitzende. Und so ist die Zukunft ungewiss: "Es sieht ziemlich mau aus", sagt Strelow-Reichardt enttäuscht. Zumindest in diesem Jahr werde es definitiv keine Vorstellung mehr geben, wegen des fehlenden Regisseurs habe dies aber schon vor der Coronakrise festgestanden, sagt Strelow-Reichardt.

Auch beim "Förderkreis Partnerschaft Schriesheim-Uzès" ruhen viele Aktivitäten. Das gemeinsame Boule-Spielen und der regelmäßige Stammtisch seien unterbrochen, auch die Vorstandssitzung und Jahreshauptversammlung verschoben worden, berichtet Vorsitzende Claudia Ebert. Der größte Verlust ist jedoch die jährliche Kulturfahrt nach Frankreich. Diese führt die Teilnehmer jedes Mal in einen anderen Teil des Landes: "Es ist immer etwas Neues und sehr individuell", sagt Ebert, die sich viele Gedanken über die Planung dieser Reise mache. Statt sie jedoch im Juni stattfinden zu lassen, wurde sie auf 2021 verschoben. Die französischen Kollegen in der Partnerstadt wüssten auch noch nicht, wie es in ihrem Land nun weitergehe, erklärt die Vorsitzende. "Ich hoffe, dass ich die Jahresfahrt machen kann", meint Ebert. Diese Fahrt nach Uzès ist für den Zeitraum vom 7. bis 12. August eingeplant und bisher noch nicht abgesagt.

Für den "Bergwerksverein Schriesheim" sieht Schatzmeister Herbert Machatschek schwere Zeiten: "Es ist eine ganz ernste Situation", meint er. Denn derzeit fehlen alle Einnahmen: Das Bergwerksfest ist abgesagt, mit 200 bis 400 Besuchern sei dies nicht machbar. Gleichzeitig ist aber auch das Besucherbergwerk, die Grube Anna-Elisabeth, weiter geschlossen. Auf der anderen Seite fielen weiterhin Fixkosten wie Wasser und Strom an, erklärt Machatschek. Außerdem müssten nach wie vor Pflege- und Sanierungsarbeiten geleistet werden – sowohl außen als auch im Bergwerk. Für eine unter Wasser stehende Tiefsohle wollte der Verein etwa Pumpen installieren, als die Coronakrise einen Strich durch die Rechnung machte. Denn die Abstände könne man im Stollen nicht einhalten, so der Schatzmeister. Gerade das sieht Machatschek als großes Problem, da sie auch auf Gäste zutrifft: "50 Prozent unserer Besucher sind Schulklassen", die jetzt alle wegfielen. Und so befürchtet Machatschek, dass es dieses Jahr überhaupt keine Führungen mehr geben wird. "Bei mir ist das Glas eigentlich immer halb voll. In dieser Situation aber eher halb leer", gesteht er.

Beim "Kulturkreis Schriesheim" liegen diverse Veranstaltungen auf Eis. Eine im Mai geplante Sonderausstellung im Museum Théo Kerg wurde abgesagt, "Schriesheim jazzt" findet frühestens 2021 wieder statt, und auch ein Poetry-Slam im Zehntkeller ist betroffen, fasst die Vorsitzende Gabriele Mohr-Nassauer die betroffenen Events zusammen. "Es schmerzt schon, das alles abzusagen", meint sie. Allerdings ist der Verein in den Planungen schon weiter vorangeschritten. So soll die abgesagte Sonderausstellung im nächsten Jahr nachgeholt werden, und auch für das große Jazz-Event in der Schriesheimer Altstadt sollen die gleichen Künstler noch mal engagiert werden: "Es wäre sonst schade", findet Mohr-Nassauer. Ein großer Halt seien die Mitglieder, die ihr den Rücken stärken würden.

Dennoch vermissten alle die Kunsttage. Im Vorstand wurde deshalb darüber diskutiert, das aktuell geschlossene Museum Théo Kerg wieder zu öffnen: "Die Nachfrage ist da", so die Vorsitzende. Und tatsächlich, am Sonntag, 14. Juni, ist es so weit: Von 14 bis 17 Uhr ist – wie bisher jeden Sonntag vor Corona – die Dauerausstellung mit Werken des Luxemburger Künstlers Théo Kerg zu sehen. Es gelten die üblichen Hygieneregeln: Eintritt nur mit Maske und Mindestabstand von 1,50 Metern; außerdem darf die Innentreppe nur von einer Person betreten werden.

Außerdem ist ein für Ende Juni geplanter "Poetry Sunset" auf der Strahlenburg noch nicht abgesagt. Da dieser im Freien stattfinde und wenig Planung brauche, wolle man weitere Entwicklungen und Lockerungen abwarten, so Mohr-Nassauer. Auch, wenn es zurzeit wenig Planungssicherheit gebe, ist die Vorsitzende zuversichtlich: "Ich bin frohen Mutes."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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