28.05.2020

Kindergärten: Der Weg zum "Regelbetrieb" wird ein langer sein

Jede Kommune in der Region setzt die Stuttgarter Verordnungen etwas anders um - Eine "Öffnung für alle" ist noch nicht in Sicht

Neckar-Bergstraße. (hö/ans/krs) Es bleibt dabei: Jede Kommune in der Region setzt die Vorgaben des Kultusministeriums etwas anders um, wenn es an die Öffnung der Kindergärten geht, an eine Wiederaufnahme des Regelbetriebs, wie ihn die Stuttgarter Ministerin gestern angekündigt hat, ist noch nicht zu denken.

> In Schriesheim bleibt es zunächst einmal bei dem System, das seit Montag gilt: Immerhin an einem Tag gibt es eine Betreuung der Kindergartenkinder, für die Vorschulkinder an zwei Tagen. Letzteres sei wegen des besonderen Förderbedarfs der baldigen Schüler notwendig, so Hauptamtsleiter Dominik Morast. Im Moment gibt es ein tageweise rollierendes System: An jedem Wochentag besucht eine andere Kindergartengruppe die jeweilige Einrichtung (die Vorschüler an einem zweiten). Damit wird gewährleistet, dass jedes Kind mindestens an einem Tag in der Woche zwischen 8 und 16 Uhr im Kindergarten betreut werden kann. Im Moment seien alle Einrichtungen geöffnet, aber die Zahl der betreuten Kinder schwanke von Tag zu Tag und von Einrichtung zu Einrichtung, berichtet Morast.

Erste Rückmeldungen hätten ergeben, dass die Eltern mit der jetzigen Regelung leben könnten: "Ein Tag mit Betreuung ist besser als keiner." Und auch die Kinder freuten sich, wieder in die Kindergärten kommen zu können. Eine Elternbewegung wie in Heidelberg, die die baldige generelle Öffnung aller Einrichtungen fordert, gebe es in Schriesheim nicht.

Mit einer Rückkehr zum Regelbetrieb ab Ende Juni, wie von Stuttgart angekündigt, habe man sich noch nicht befasst, denn es gäbe dafür "limitierende Faktoren": Nicht alle Räume seien groß genug, um den Mindestabstand einhalten zu können; auch ein gewisser Anteil der Mitarbeiter, etwa 30 Prozent, gehört zur Risikogruppe und könnte nicht im Dienst mit den Kindern eingesetzt werden; und auch eine maximale Gruppengröße stehe noch nicht fest.

Deswegen wartet Morast auf weitere Verordnungen aus der Landeshauptstadt, ihre Umsetzung dauere dann etwa eine Woche, aber noch stochere man im Nebel, so Morast: "Wenn die Rahmenbedingungen für den Kindergartenbetrieb dieselben wären wie vor Corona, ginge das natürlich schneller. Aber ich gehe nicht davon aus, dass es so kommen wird."

> In Hirschberg erhöhen die Kinderbetreuungseinrichtungen seit 25. Mai die Anzahl der betreuten Kinder bis zu den genehmigten 50 Prozent der Gruppengröße. Kinder in der erweiterten Notbetreuung oder mit besonderem Förderbedarf haben Vorrang. Wenn dann noch Plätze bis zur Grenze von 50 Prozent frei sind, haben die Träger folgende Vorgehensweise vorgeschlagen: in der Krippe: Homeoffice mit Arbeitgeberbescheinigung, jüngere Kinder zuerst. Beim Kindergarten geht es nach Alter des Kindes, ältere zuerst. Die Gemeinde hat dieser Regelung, wie andere Kommunen an der Bergstraße auch, zugestimmt.

Die drei Krippen des "Postillion" sind ab 2. Juni alle mit 50 Prozent belegt. Bei der Krippe "Tausendfüßler" in Großsachsen gibt es die Sondersituation, dass alle Kinder aufgenommen werden können. Durch die bisher nicht geöffnete zweite Gruppe stehe ein weiterer Gruppenraum zur Verfügung, sodass die räumliche Situation dies ermögliche, erläutert Familienbüro-Mitarbeiterin Tina Raupp. "Personell ist es auch möglich, weil die Eltern sich bereit erklärt haben in dieser Sondersituation mit einer geringeren Öffnungszeit auszukommen." Auch die Hirschberger Kindergärten sind ab 2. Juni zu 50 Prozent belegt.

Auch vom Platz her scheint dies trotz aller Vorgaben keine Probleme zu bereiten, "ansonsten könnten die 50 Prozent nicht angeboten werden", so Raupp. "Vom Mindestpersonalschlüssel kann in der erweiterten Notbetreuung abgewichen werden, sofern die Wahrnehmung der Aufsichtspflicht uneingeschränkt möglich ist."

In den Schulen sind die Notbetreuungskapazitäten nicht ausgereizt: In Leutershausen liegt die Auslastung bei sechs, in Großsachsen bei zwölf Prozent. In den Pfingstferien gibt es keine Notbetreuung.

> In Ladenburg beginnt der eingeschränkte Regelbetrieb erst am Dienstag, 2. Juni. "Jede Lockerung von Landesseite ist auf kommunaler Ebene mit einem erheblichen Organisations- und Kommunikationsaufwand verknüpft", teilt Nicole Hoffmann, Referentin des Bürgermeisters, mit. Vier Tage nach der Verkündung der rechtlichen Rahmenbedingungen am 16. Mai habe es trägerübergreifende Absprachen in Ladenburg gegeben. Seit Montag läuft die Anmeldung für den Einstieg in die eingeschränkte Regelbetreuung. "Mit dem 2. Juni wurde von allen Beteiligten wirklich das Menschenmögliche geleistet", sagt Hoffmann. Kritik für diese Entscheidung habe es nicht gegeben. "Hauptkritikpunkt der Eltern ist allgemein die geringe Zahl an Betreuungsplätzen und die fehlende Perspektive", meint Hoffmann. Die genaue Zahl der Anträge auf Betreuung sei noch nicht verfügbar. Aber: "Erkennbar ist, dass es einen sehr hohen Bedarf gibt und nicht alle Anmeldungen positiv beschieden werden können, da nur maximal 50 Prozent der Plätze vergeben werden dürfen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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