05.06.2020

Trist, trister, Altenbacher Spielplatz

Eigentlich sollte das Gelände schnell saniert werden, doch jetzt sind fast alle Geräte abgebaut

Von Micha Hörnle

Schriesheim-Altenbach. Eine Augenweide war der einzige Spielplatz in Altenbach ja schon lange nicht mehr. Aber im Moment bietet sich ein Bild des Jammers: Fast alle Geräte, vor allem die Rutsche als einzige "Attraktion", wurden abmontiert, nur die Schaukel und der Sandkasten sind noch da. Markus Stadtmüller, dessen Sohn Alexander hier gerne gespielt hat, ist erbost: "Das ist unfassbar! Im letzten Oktober, bei einem Vor-Ort-Termin, ging es noch um die Sanierung, damals waren alle Geräte noch okay. Mit den Lockerungen Anfang Mai wurde der Spielplatz kurz aufgemacht, dann waren auf einmal alle Geräte verschwunden. Wurden die plötzlich auf einen Schlag morsch oder haben Corona bekommen?" Stadtmüller berichtet von verärgerten Reaktionen von Altenbacher Eltern und ausgebliebenen Reaktionen seitens des Ortsvorstehers oder des Ortschaftsrats: "Auf einmal interessiert das keinen mehr." Und natürlich fragt sich der Familienvater, wo jetzt sein Sohn in Corona-Zeiten spielen soll: im Wald? Im Schulhof?

Und das Schlimmste ist: An dem erbarmungswürdigen Zustand wird sich so schnell nichts ändern, wie Bauamtsleiter Markus Schäfer auf RNZ-Anfrage bestätigt. Denn eigentlich war für dieses Jahr die Sanierung des Areals geplant, es wurden sogar vor fünf Wochen, als der Gemeinderat den Corona-Sparhaushalt verabschiedete, extra 120.000 Euro mit eingeplant, weil die Situation im Stadtteil so untragbar war. Aber nun wird das Projekt ins nächste Jahr verschoben, weil sich die Verhandlungen mit einem Anwohner hinziehen. Dem gehört ein Teil des Spielplatzgeländes – und um auf die angrenzende Wiese zu gelangen, muss er regelmäßig mitten über den Spielplatz fahren. Schon bei der Sitzung Ende April hatte Bürgermeister Hansjörg Höfer gesagt, er werde keinen Spielplatz sanieren, den ein Traktor überqueren muss – und so kam es denn auch. Geplant ist nun, dass der Anrainer eine eigene Zufahrt zu seiner Wiese bekommt – links vom Spielplatztor. Stadtmüller berichtet von eher festgefahrenen Verhandlungen mit dem Eigentümer: Da geht es nicht nur um das Überfahrtsrecht, sondern auch um die Frage, wer versicherungsrechtlich haftet, falls sich ein Kind auf dem Gelände verletzt. Und das ist für den Grundstücksbesitzer nicht hinnehmbar. Stadtmüller meint: "Warum auch immer die Stadt mit ihm in der Vergangenheit keinen Pachtvertrag mit einem Haftpflicht-Versicherungsschutz abgeschlossen hat, wundert mich extrem." Zumindest bietet er sich in dem Konflikt als Vermittler an. Bauamtsleiter Schäfer hingegen sagt, die Gespräche mit dem Eigentümer seien "auf einem guten Weg".

Er kann auch erklären, wieso kurz nach der Wiedereröffnung des Spielplatzes im Mai auf einmal fast alles abmontiert wurde: "Bei seiner jährlichen Begehung hat der TÜV mehrere Spielgeräte bemängelt – wie schon im Jahr zuvor. Da hatten wir keinen Ermessensspielraum." Sein Amt habe auch überlegt, bis zur Sanierung zeitweilig ein paar Ersatzgeräte aufzustellen, aber da hätte man in die Fundamente eingreifen müssen – und der Aufwand hätte sich angesichts der anstehenden Generalsanierung des Platzes dann doch nicht gelohnt.

Stadtmüller kann das nicht trösten, er findet: "Der Spielplatz soll seit 20 Jahren erneuert werden, aber die Stadt hat seither alles vermurkst." Tatsächlich, so berichtet Schäfer, hätte es eine andere Fläche in der Straße "Am Zehntberg" gegeben, aber die war kleiner als der bisherige Spielplatz. Dagegen gab es im Ortschaftsrat Vorbehalte, sagt Schäfer, und so wurde der Alternativstandort verworfen. Allerdings war bei der Begehung vor einem Dreivierteljahr der Tenor unter den Eltern, dass ihnen ein Spielplatz mit attraktiver Ausstattung wichtiger sei als dessen Größe. Ein gutes Jahr lang, bis zur Sanierung, haben sie aber erst einmal so gut wie nichts.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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