06.06.2020

Giftanschlag auf den Labrador Anton?

Der Labrador von Johanna Teiwes hatte im Garten einen Giftköder gefunden und ihn gefressen - Mittlerweile geht es ihm wieder besser

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Versucht jemand in Schriesheim, systematisch Hunde zu töten? Bereits im Mai 2019 wurden zwei tote Hunde am Kohlhof gefunden, und kaum zwei Monate später berichtete Johanna Teiwes, die in der Schönauer Straße wohnt, dass eine Nachbarin einen Giftköder gefunden habe. Und nun kam es offenbar wieder zu einem Anschlag, der Teiwes’ Hund Anton galt.

Am Mittwochmorgen gegen 8 Uhr fraß der 12-jähriger Labrador etwas vom Boden. Teiwes’ Lebensgefährte fand einige blaue Brocken und Schinken im Gras liegen und versuchte, das, was Anton bereits im Maul hatte, zu entfernen: Die Zunge des Hundes war völlig blau. Sofort fuhren die beiden mit Anton zur Tierklinik Heidelberg. Dort identifizierte die Tierärztin die blaue Substanz, die Teiwes vorsorglich in einer Dose mitgenommen hatte, sofort als Rattengift und spritzte dem Hund ein Brechmittel. Gut eine Stunde lang erbrach Anton mehrmals große blaue Brocken des Gifts und Schleim, dabei war er so schwach, dass er immer wieder zusammenbrach.

Später fand Teiwes im Garten einen weiteren Köder, wieder eine blaue Substanz im Gebüsch, die in Schinken eingerollt und mit grünblauem Faden umwickelt war, dann noch einen weiteren auf dem Boden. Teiwes ist sich sicher: "Der Täter kann nur über einen Privatweg, der zu einem Parkplatz führt und entlang unseres Grundstücks verläuft, zu unserem Garten gelangt sein." Die Giftköder haben Teiwes und ihr Partner im Kühlschrank aufbewahrt – für den Fall, dass es eine Analyse geben sollte.

In der Blutanalyse vom Donnerstag fanden sich keine Hinweise auf Rattengift, wahrscheinlich hatte das Anton ganz erbrochen. Und doch beobachten Teiwes und ihr Partner den Labrador genau, auch wenn es ihm wieder besser geht: "Das ist für uns eine enorme psychische Belastung, da wir gerade in permanenter Angst um unseren Hund und vor erneuten Angriffen leben."

Teiwes kommt das alles bekannt vor: Am 15. Juli 2019 berichtete eine Frau vom Nachbargrundstück, dass ihre Kater einen Giftköder mit ins Haus gebracht hatten. Der war in der Machart mit den jetzt gefundenen identisch. Die Nachbarin nahm an, dass die Kater die Schinken-Rattengift-Brocken aus Teiwes’ Garten in ihr Haus gebracht haben könnten, da ihre Tiere nur einen kleinen Aktionsradius haben. Schon damals ging sie vorsorglich mit Anton zu ihrer Tierärztin, die ihm Brechmittel verabreichte, aber Anton erbrach sich nicht, und so lebte sie in der Ungewissheit, ob der Hund das Gift gefressen hatte. Danach ging sie mit ihrer Nachbarin zum Polizeiposten, wo sie den Giftköder zeigten und eine Strafanzeige gegen Unbekannt stellten. Sie sagte schon damals den Beamten, dass sie einen konkreten Verdacht hätte.

Nach dem neuerlichen Giftanschlag hat sich für Teiwes der Verdacht auf den mutmaßlichen Täter erhärtet. Wer das genau ist und ob es im Vorfeld bereits Drohungen gegeben habe, dazu wollte sie sich gegenüber der RNZ nicht äußern. Am gestrigen Freitag erstattete ihr Lebensgefährte Anzeige, in der Zwischenzeit hat sie über Soziale Medien den Fall publik gemacht, mittlerweile wurde ihr Facebook-Eintrag fast 1600 mal geteilt: Bei ihren Nachbarn warf sie Zettel ein, in der sie um Hinweise bat. Sie sagt: "Wir fühlen uns bedroht und auf unserem eigenen Grundstück nicht mehr sicher. Der Anschlag auf unseren Hund erfolgte geplant und auf unglaublich aggressive und heimtückische Weise, sodass wir davon ausgehen müssen, dass es jemand gezielt auf unsere Familie abgesehen hat."

Und natürlich bestehe auch die Gefahr, dass ein Kind einen Köder findet und ihn vielleicht in den Mund steckt: "Das zeigt, wie skrupellos der Täter vorgeht, und dass er nicht nur den Verlust von Tier-, sondern auch Menschenleben in Kauf nimmt."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung