08.06.2020

Buddeln in Altenbach fürs schnelle Internet

Tiefbauarbeiten fast abgeschlossen - Kritik an fehlender Information

Schriesheim-Altenbach. (hö) Es ist unübersehbar: In Altenbach wird gerade für das schnelle Internet gebuddelt, die Arbeiten sind in der Zielgeraden und sollen bis zum Ende des Monats abgeschlossen sein, berichtet Thomas Heusel von der kreiseigenen Firma "Fibernet". "Fibernet" hat die Arbeiten in Auftrag gegeben, die die Stadt Schriesheim weitgehend finanziert. Genau genommen handelt es sich um zwei Baustellen: die Arbeiten für die Glasfaserleitung in der Hauptstraße und die Glasfaserverbindung zu den Kabelverzweigern, den Telefonkästen. Im Moment werden aber erst einmal die Leerrohre verlegt – die erkennt man an den Farben Grün, Grau oder Orange. Die eigentlichen Glasfaserkabel sind schwarz. Bis die eingezogen werden, dauert es aber noch, so Heusel. Denn dafür ist der Betreiber, Netcom-BW, zuständig. Zu dem müssten dann die Altenbacher wechseln, wahlweise zur konkurrierenden Firma "Overturn Technologies", denn bisher gibt es nur diese Anbieter auf diesem System. Wer nicht wechseln will, kann auch bei der Telekom bleiben – bei den alten geringen Übertragungsgeschwindigkeiten.

Vom schnellen Internet profitieren aber erst einmal die Häuser direkt an der Hauptstraße, nur hier wird Glasfaser verlegt. Der Rest bekommt nur schnelleres Internet, denn bis zum Spätsommer werden die fünf der insgesamt acht Telefonkästen ans Glasfasernetz angeschlossen; die restlichen drei, die die Telekom erst unlängst freigegeben hat, folgen später, Baubeginn soll noch dieses Jahr sein, so Heusel. An diesen Telefonkästen (und damit den alten Kupferleitungen) hängen rund 90 Prozent der Altenbacher. Sie können wohl zum Jahresende auch schneller (mit rund 50 Mbit) surfen, aber die Übertragungsgeschwindigkeit nimmt ab, je weiter das Haus vom Telefonkasten entfernt ist.

Im Stadtteil ist die Freude aber nicht ungetrübt: So kritisiert die Grüne Liste Altenbach eine ungenügende Informationspolitik von "Fibernet". Ihr fiel auf, dass nicht jeder Haushalt an der Hauptstraße auch automatisch einen Glasfaseranschluss bekommt. Und sie bemerkte auch die vielen Leerrohre auf, die in den Straßen abseits der Hauptstraße vergraben wurden. Auch Matthias Maisel hat sich bei der RNZ gemeldet und versteht die Systematik nicht: "Nur die direkten Anwohner an der Trasse wurden wohl angeschrieben, ob sie sich anschließen lassen wollen. In der Brunnenstraße wurden beispielsweise neue Straßenlaternen installiert. Auch an ein Leerrohr wurde gedacht. Können sich die Anwohner der Brunnenstraße an das digitale Netz anbinden lassen? Keiner kann einem hier Auskunft geben."

Heusel erklärt, dass ein Leerrohr in einer Straße – selbst wenn es dort auch neue Straßenlaternen geben sollte – nicht automatisch den Anschluss ans Glasfasernetz bedeutet. Denn es könne auch sein, dass ein solches Plastikrohr mehrere Jahre in der Erde liegt, bis Glasfaser eingezogen werde. Wann die kommt, sei "Abwägungssache", also wenn es mengenmäßig und bautechnisch Sinn mache. Ganz Altenbach mit einem Schlag ans Glasfasernetz anzuschließen, sei nicht finanzierbar.

In Ursenbach laufen gerade auch die Arbeiten fürs schnelle Internet, aber da wartet "Fibernet" noch, bis "Netze BW" die Stromleitungen in die Erde verlegt hat, erst dann kommt die Glasfaser dran.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung