15.06.2020

Sportvereine nehmen Betrieb langsam wieder auf

Sportvereine nehmen Betrieb langsam wieder auf

Die Sehnsucht war groß - Hygienemaßnahmen sorgen für mehr Aufwand und kleineres Angebot

Bis wann es im Sportzentrum wieder so zugeht wie vor Beginn der Pandemie, ist weiter ungewiss. Foto: Dorn

Von Florian Busch

Schriesheim. Das lange Warten hat ein Ende. Auch Schriesheims Sportvereine legen langsam wieder los. Wie es einigen von ihnen nach der Zwangspause geht, berichten sie der RNZ – heute erscheint der erste Teil des Überblicks.

Beim Tennisclub Schriesheim (TCS) läuft der Betrieb seit etwa drei Wochen wieder. Fürs Erste aber nur unter Sicherheitsauflagen, wie der Erste Vorsitzende Robert Long sagt. So seien etwa die Umkleiden und Duschen geschlossen: "Kommen, spielen, gehen", laute daher das Motto. Mit etwas Verspätung ist seit dem 4. Juni das Doppelspiel wieder erlaubt. Die ersten Tage nach der Öffnung seien sehr gut angenommen worden, freut sich Long.

Mittlerweile habe sich das Ganze normalisiert. Ein Vorteil sei, dass es sich bei Tennis um keinen Kontaktsport handelt, weshalb die Auflagen leichter umzusetzen seien als in anderen Sportarten. Trotzdem steht über der Wiederaufnahme der Verbandsspiele noch ein Fragezeichen. Ob und wann diese wieder aufgenommen werden, könne Long aktuell nicht sagen, hofft aber auf eine baldige Normalisierung.

Der gleichen Meinung ist Hermann Morast vom Sportverein Schriesheim (SV). Seit dem 25. Mai wird wieder gespielt, nach und nach steigen alle Altersklassen wieder ins Training ein. Lediglich die Jüngsten – E-Jugend bis Bambinis – müssen weiterhin auf Fußball verzichten. Gerade in diesem Alter gehe es um Spaß mit dem Ball, wegen der Hygieneauflagen ist aber zum Beispiel ein normales Abschlussspiel nicht möglich. Deshalb heißt es abwarten und beobachten: "Wir wollen keine Vorreiterrolle einnehmen", meint Morast.

Leichter sei es mit den älteren Jahrgängen: Obwohl viele Übungen derzeit wegfallen, könne man mit ihnen auch einiges ohne Ball machen, so Morast. Für die Trainer bedeute dies zwar größere Arbeit, da sie sich mehr Gedanken über die Zusammenstellung des Trainings machen müssen. Dieser Aufwand zahle sich aber aus: "Die Jungs und Mädchen haben Lust darauf gehabt, wieder spielen zu können."

Allerdings musste zunächst einige Vorarbeit geleistet werden, um das Training überhaupt wieder zu ermöglichen. Da nur 40 Personen gleichzeitig auf dem Sportgelände erlaubt sind, musste sich der SV mit dem Turnverein (TV) Schriesheim abstimmen, da dieser dort ebenfalls Trainingsstunden abhält. Wegen dieser gleichzeitigen Nutzung spielen die Fußballer bis auf Weiteres nur auf dem Kunstrasenplatz. Das hat wiederum zur Folge, dass eine Trainingseinheit nur 70 statt 90 Minuten dauert und jede Mannschaft nur einmal pro Woche trainieren kann. Das sei aber besser als gar nichts, betont Morast: "Wir sind in erster Linie ein Breitensportverein", bei dem es um Spaß und gemeinsame Aktivitäten geht.

Auch beim Minigolfclub Schriesheim (MCS) war die Sehnsucht groß: "Man merkt, dass es den Minigolfern gefehlt hat", berichtet der Erste Vorsitzende Michael Ritschel. Seit dem 18. Mai hat die Anlage wieder geöffnet, und gerade am Anfang sei sehr viel los gewesen. Es laufe aber alles sehr diszipliniert ab, sodass der Spaß trotz aller Auflagen nicht zu kurz komme, freut sich Ritschel. So wurde etwa ein Einbahnstraßensystem mit einem Eingang und einem Ausgang eingerichtet. Maximal 18 Fünfergruppen dürften sich gleichzeitig auf der Anlage aufhalten, außerdem muss jeder Spieler wie beim Restaurantbesuch seine Kontaktdaten hinterlassen. Eine Maskenpflicht gebe es aber nicht. Alles sei "relativ einfach umzusetzen" gewesen, so Ritschel.

Während der Freizeitsport also wieder startet, wurden alle Minigolfwettkämpfe in diesem Jahr abgesagt. Betroffen ist auch die Deutsche Meisterschaft, die eigentlich in Schriesheim stattfinden sollte – nun wurde sie auf 2021 verschoben. Weil es immer mehr Lockerungen gibt, würden einige Freundschaftsturniere gespielt werden, "der Wegfall soll so kompensiert werden", erklärt der Vorsitzende. Ein solches Beispiel ist auch die "Knopf-Trophy", die am 27. September beim MCS ausgetragen wird. Schon knapp 80 Teilnehmer hätten sich bisher angemeldet, 60 bis 70 von ihnen kämen von auswärts in die Weinstadt, sagt Ritschel.

Auch in Schriesheims größtem Stadtteil fängt der Turnverein Altenbach (TV) wieder an – allerdings erst ab Dienstag, 16. Juni – am Montagabend tagt dort ja der Ortschaftsrat, erklärt die Vorsitzende Suzanne Epp. Doch selbst beim Neustart müssen einige Angebote weiter ruhen, so bleibe der gesamte Bereich "Kinder" fürs Erste außen vor, und auch die Gruppen Zumba, Volleyball und Fußball pausieren noch länger, bedauert Epp – wegen des Kontaktverbotes.

An einer Übungsstunde dürfen auch nur 18 Personen teilnehmen. Das hat zur Folge, dass eine Anmeldung Pflicht ist und eventuell auch Absagen erteilt werden müssen. Neben der erwähnten Obergrenze von 18 Teilnehmern müssen alle Geräte nach der Benutzung desinfiziert werden, und zwischen den Übungsstunden müssen immer fünf Minuten liegen, damit die Leute sich aus dem Weg gehen können. Immerhin: Die zunächst abgesagten Nordic-Walking-Kurse im Freien können jetzt doch wieder aufgenommen werden, weil sich die Landesverordnung geändert hat.

Auch wenn all die Maßnahmen teils schwer umzusetzen sind, so seien sie zum Schutze aller notwendig, meint Epp. In erster Linie "sind wir froh, dass wir wieder Sport machen dürfen".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung