18.06.2020

Bei den Kindergärten-Öffnungen hängt alles am Personal

Normalbetrieb zum 29. Juni angepeilt - Am Montag werden die Erzieher, die zur Risikogruppe gehören, von der Betriebsärztin beurteilt

Schriesheim. (hö) Dieses Mal war es kein Ritt auf der Rasierklinge für Hauptamtsleiter Dominik Morast: Als das Kultusministerium vor fünf Wochen, am Freitag, 15. Mai, völlig überraschend die Öffnung der Kindergärten für Montag, 18. Mai, ankündigte, kam die Verordnung, die alles regelte, am 16. Mai, einem Samstag. Das Regelwerk war natürlich nicht so schnell umzusetzen, und so starteten die Schriesheimer Kinder erst am 25. Mai in eine reduzierte Betreuung – meist nur an einem Tag in der Woche. Dieses Mal lief es besser: Ministerpräsident Winfried Kretschmann kündigte am Dienstag die Aufhebung aller Beschränkungen für den 29. Juni an, und schon tags drauf, also gestern, hatte Morast die Verordnung auf seinem Tisch – und entsprechend ging auch schon am gestrigen Mittwochabend ein Brief an alle Eltern raus.

In ihm macht Bürgermeister Hansjörg Höfer den Eltern keine Versprechungen, ob der 29. Juni als "Tag X" für die Rückkehr in den Normalbetrieb zu halten ist, aber Morast sagt, die Stadtverwaltung sei "sehr zuversichtlich, diesen Termin halten zu können, verwaltungsintern ist das unser klares Ziel". Aber, und auch das schreibt Höfer: Alles steht und fällt mit dem Personal, das zur Verfügung steht, schließlich gehören einige Erzieher zur Risikogruppe – allgemein schätzt man deren Zahl auf etwa ein Drittel.

Die Landesverordnung sieht vor, dass – wenn weniger Personal als "normal" zur Verfügung steht – vom Mindestpersonalschlüssel abgewichen werden kann, sofern die Aufsichtspflicht nicht verletzt wird. Zur Not könnten die Öffnungszeiten reduziert werden. Zugleich kündigte das Land eine erleichterte Einstellung von Betreuungskräften ohne Ausbildung an – aber das ist in Schriesheim kein Thema, sagt Morast. Denn solche Kräfte gibt es bereits schon: Sie leisten aus medizinischen und pädagogischen Gründen begleitende Hilfe.

Und wie geht es nun in den sechs städtischen Kindergärten in Schriesheim konkret weiter? Zunächst einmal verlangt die Stadt im Gegensatz zu anderen Kommunen von den Erziehern kein hausärztliches Attest, dass sie zur Risikogruppe gehören. Stattdessen beurteilt am Montag, 22. Juni, die städtische Betriebsärztin jeden Mitarbeiter, der bisher nicht im Präsenzdienst arbeitete, ob er oder sie zur Risikogruppe gehört. "Wir wollen eine einvernehmliche, individuelle Lösung finden", sagt Morast. Erst nach dem Montag wisse man, wie viel Personal auch wirklich eingesetzt werden kann. Am Tag drauf, Dienstag, 23. Juni, kommen dann Stadtverwaltung und Kindergarten-Leitungen zu einem Gespräch zusammen, in dem die konkreten Öffnungszeiten und -regelungen festgezurrt werden. Am Donnerstag, 25, Juni, werden schließlich die Elternvertreter informiert – und dann bekommen auch die Eltern der Kindergartenkinder per E-Mail Bescheid.

Immerhin hat Morast nach der neuen Landesverordnung eine Sorge weniger: Weil das Abstandsgebot für Kinder in den Kindergärten jetzt nicht mehr gilt (nur für Erwachsene), ist auch die bisher so schwierige Raumfrage gelöst: Denn sonst hätten die Einrichtungen deutlich weniger Kinder als sonst betreuen können. Und so sagt Morast gestern der RNZ: "Der entscheidende Faktor im Moment ist, wie viel Personal uns zur Verfügung steht."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung