30.06.2020

Pappelbach-Einlauf war schuld am Fischsterben (Update)

Rohre waren verstopft, deswegen lief das Abwasser in den Kanzelbach - Pappelbach-Einlauf ist schuld

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Der Kanzelbach – und damit seine Fische – hatten eine schwere Woche: Erst färbte sich am Dienstag das Wasser braun, am Donnerstag war es ockerfarben mit Schaum, am Sonntag schließlich war das Wasser wieder trübe und schäumte – und da starben auch die Tiere (RNZ von Montag). Nach Angaben des Kreis-Wasserrechtsamtes wurden noch am Sonntag 40 bis 50 Stück geborgen. Es war der Sportanglerverein Schriesheim, der die verendeten Forellen und Groppen barg: "Im Bereich zwischen der Schotterers- und der Gaulsbrücke haben die Kollegen bestimmt 20 Pfund herausgeholt", sagt Vereinssprecher Günter Hofmann. Er geht davon aus, dass momentan in diesem Bereich kein Fisch überlebt hat: "Das hat auch die Brut vernichtet." Sollte es auch die streng geschützten Bachneunaugen getroffen haben, fände es Hofmann "wirklich schade".

Für den Sportanglerverein ist das alles ärgerlich, sagt Hofmann: "Das ist ja nicht das erste Mal, dass so etwas passiert ist." Zwar setzt der Verein am städtisch geprägten Unterlauf des Kanzelbachs keine Fische mehr ein, dafür aber im Hochwasserrückhaltebecken, wo sich sogar manchmal Karpfen finden. Weil das gerade saniert wird und das Wasser abgelassen werden musste, transportierten die Sportangler unlängst den kompletten Fischbestand in ihr Hauptgewässer, einen See im pfälzischen Dannstadt. Im Vergleich zum Fischreichtum im oberen Kanzelbach und im Rückhaltebecken sei der Bestand im städtischen Bachlauf aber eher schwach – vor allem wegen der vielen menschlichen Einflüsse. Deswegen setzen hier die Sportangler auch keine neuen Fische mehr ein.

Am Ende war es wohl Sauerstoffmangel, der die Fische verenden ließ, vermutet Schriesheims Feuerwehrkommandant Oliver Scherer. Während es am Dienstag ungefährlicher Schlamm – er kam vom Pappelbach – war, der den Kanzelbach trübte, war es vorgestern ein übervoller Kanal, der verstopft war und dessen Brühe sich dann in den Bach ergoss. Immer wieder geäußerte Vermutungen, dass Betriebe, insbesondere Kling-Malz, Abwässer eingeleitet hätten, seien gegenstandslos, so Scherer: "Ich habe erst am Montagmorgen bei der Betriebsleitung von Kling-Malz nachgefragt. Dort gab es keinerlei Vorkommnisse. Eine illegale Fremdeinleitung kann ich ausschließen." Außerdem wurden mehrere Abwasserproben gezogen, aber die Ergebnisse stehen noch aus. Dass es überhaupt einen Kanalüberlauf – eine Art "Notventil" – in den Kanzelbach gebe, sei nichts Ungewöhnliches oder gar Illegales, erklärt Scherer: "Das gibt es überall."

Das eigentliche Problem, so sagt Bürgermeister Hansjörg Höfer, ist der Pappelbach: "Hier regnet es deutlich stärker als unten im Tal." Schon beim Unwetter vor knapp zwei Wochen war durch Geröll und Äste der Einlauf in das Rohr unter der Talstraße – es führt zum Kanzelbach – verstopft. Also schoss das Wasser über die Talstraße in die Kanalisation, die an ihre Grenzen kam; deswegen soll der Einlauf als erste Sofortmaßnahme verbreitert werden.

Die Folgen dieses Unwetters führten wohl auch zu dem Fischsterben: Mittlerweile war auch der Kanal voller Schlamm, konnte immer weniger Wasser fassen; deswegen lief er an der Schotterersbrücke – hier befindet sich ein Überlauf des Kanals – über und ergoss sich dann in den Kanzelbach. Dieser Überlauf, den es schon länger gibt, war eigentlich als ein Schutz der Bewohner der Schmalen Seite gedacht, deren Keller immer wieder mal volliefen, wenn das Kanalwasser aus dem viel zu engen Rohr drückte. Daher soll bei der geplanten Talstraßensanierung auch eine breitere Kanalisation in die Schmale Seite gelegt werden: "Da wurde seit den fünfziger Jahren nichts mehr dran gemacht, als damals die Straße angelegt wurde", so Höfer. Das Grundproblem des überlaufenden Kanals würde mit dem Neubau von Gauls- und Schotterersbrücke samt dem neuen Kanal in der Schmalen Seite deutlich entschärft. Aber wegen des Corona-Sparhaushalts und nicht erfolgter Zuschüsse wird wohl erst frühestens im nächsten Jahr gebaut.

Eine Kreissprecherin bestätigt, dass es in diesem Bereich "in den letzten Jahren zu Problemen" gekommen sei, daher werden ja auch der neue Kanal geplant: "Es ist daher mittelfristig damit zu rechnen, dass solche Ereignisse sich nicht mehr wiederholen." Das letzte größere Fischsterben im Kanzelbach datiert vom 25. August 2015. Damals fischten die Sportangler in demselben Bereich, zwischen der Bachgasse und der Ölmühle, mehrere tote Tiere ab.

Update: Montag, 29. Juni 2020, 20 Uhr


Tote Fische trieben im Kanzelbach

Schriesheim. (web) Hansjörg Höfer kam persönlich: Schriesheims Bürgermeister ist am Sonntagnachmittag ans Ufer des Kanzelbachs geeilt, nachdem Anwohner Alarm geschlagen hatten. In dem Gewässer trieben tote Fische, auch der RNZ gingen Bilder von dem Bachabschnitt an der "Rose" zu. Bis in die Abendstunden liefen Höfer, Feuerwehrkommandant Oliver Scherer und weitere Kräfte das Ufer ab, um die Ursache für das Fischesterben zu finden.

"Den genauen Grund kann ich zur Stunde nicht nennen", sagte Scherer am frühen Sonntagabend im RNZ-Gespräch, "das wäre Kaffeesatzleserei". Sicher war aber schon zu diesem Zeitpunkt, dass es mindestens eine schadhafte Stelle gibt. Im Bereich der "Schotterersbrücke" sei ein Abwasserkanal verstopft, erläutert der Feuerwehrkommandant. Die Folge: Der Kanal läuft voll und schlägt das überschüssige Abwasser in den Bach ab, "mal mehr, mal weniger". Das würde der Kanal übrigens auch ohne Verstopfung tun, etwa bei einem Starkregenereignis, so Scherer. Bei trockenem Wetter sollte das aber nicht vorkommen. Eine Fachfirma soll den Schaden nun dauerhaft beheben. Das Wasserrechtsamt des Rhein-Neckar-Kreises sei informiert, so Scherer. Dasselbe gelte für die Wasserversorgungs- und entsorgungsgesellschaft Schriesheim (WVE), die am Sonntag einen Vertreter geschickt hatte.

Laut Scherer ist auch der Sportangler-Verein Schriesheim involviert, denn die verendeten Fische müssen raus aus dem Bach. "Was man – augenscheinlich – wahrnimmt, ist Abwasser", so Scherer. Weiter aus dem Fenster lehnen will er sich nicht: "Wir sind nicht die zuständigen Experten, aber wir nehmen die Sache ernst, der Bach liegt uns am Herzen."

Neben der Begehung des Ufers umfasste die Ursachenforschung auch die Entnahme von Proben: vom Wasser und – "sofern wir einen aufheben können" – auch von den sterblichen Überresten der Fische. Dass deren Anblick besorgniserregend wirkte, bekam auch Scherer mit: "Uns kam die Polizei entgegen", berichtet er, als die RNZ nach der Zahl der Einsatzkräfte (drei Feuerwehrleute) fragte. Offenbar hatten Bürger auch die Beamten verständigt.

Update: Sonntag, 28. Juni 2020, 20.15 Uhr

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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