08.07.2020

Rohrbruch in Altenbach: "Rohrbrüche sind bis dato eher selten" (Update)

Der Zweckverband arbeitet nach dem Rohrbruch an einer Strukturanalyse. Christoph Oeldorf erklärt im Interview die Ursachen der Havarie.

Von Micha Hörnle

Schriesheim-Altenbach. Am Dienstag vor einer Woche saßen die Altenbacher im Wortsinn auf dem Trockenen: 19 Stunden lang, von 5.30 Uhr bis 0.30 Uhr am frühen Mittwochmorgen, war hier die komplette Trinkwasserversorgung unterbrochen. Die Feuerwehr richtete auf dem Dorfplatz eine Notwasserversorgung ein. Bis Freitag musste das Wasser sogar abgekocht werden. Der Grund für die Havarie lag in einem Riss der Hauptwasserleitung in der Stichstraße des Abtswegs, die der "Zweckverband Gruppenwasserversorgung Eichelberg" betreibt.

Ihr steht der Wilhelmsfelder Bürgermeister Christoph Oeldorf vor. Die RNZ fragte Oeldorf, wie marode die Leitungen des Zweckverbandes sind – diesen Vorwurf hatte der direkte Anwohner des gerissenen Rohrs, Hans Assmus, in einem Leserbrief erhoben.

Wie "marode" und wie alt ist das Hauptleitungsnetz?
Die Hauptversorgungsleitungen des Zweckverbandes sind etwa zwischen zehn und sechzig Jahre alt. Schon aufgrund dieser Altersstruktur ist es immer möglich, dass am Rohrleitungssystem Undichtigkeiten entstehen. Dieser Sachverhalt ist für ein Trinkwassernetz dieser Größenordnung nichts Ungewöhnliches und führt in jeder Gemeinde des Rhein-Neckar-Kreises in unregelmäßigen Abständen zu Rohrbrüchen. Beim Zweckverband Eichelberg sind diese Rohrbrüche bis dato eher selten.

Was sind momentan die Schwachpunkte? Und was wird der Zweckverband Eichelberg in naher Zukunft tun, um einen Ausfall der Trinkwasserversorgung in Altenbach zu verhindern?
Der Zweckverband Eichelberg lässt derzeit eine Strukturanalyse der Verbandsanlagen erstellen. Diese Analyse beinhaltet nicht nur das umfangreiche Verteilungsnetz, sondern auch alle anderen Komponenten der Trinkwasserversorgung, wie Hochbehälter und Wassergewinnung. Die Ergebnisse werden bis spätestens Ende September, Anfang Oktober vorliegen und den Gremien des Verbandes dann erläutert.

Wer haftet, wenn es bei Hausbesitzern Schäden infolge eines Wasserrohrbruchs oder -risses – wie am vorletzten Dienstag – geben würde?
Der Leitungsbetreiber haftet für entsprechende Schäden sowohl auf öffentlichem Gelände als auch an privaten Gebäuden oder Liegenschaften, sofern klar feststeht, dass er Verursacher der Schäden ist. Sollte der Schaden durch einen Hausanschluss auf privatem Gelände verursacht werden, ist eine Haftung des Rohrnetzbetreibers weitestgehend auszuschließen.

Wie erklären Sie es sich, dass ausgerechnet in Altenbach zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren die Trinkwasserversorgung ausgefallen ist? Ist das einfach nur "Pech"?
Im Bereich Altenbach befinden sich die Hauptförderleitungen des Zweckverbandes innerhalb der Bebauung und haben einen Betriebsdruck von 16 bis 22 Bar. Die normalen Ortsnetzleitungen haben in der Regel einen Betriebsdruck von vier bis sieben Bar, also deutlich geringer. Die in Altenbach jetzt zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren aufgetretenen Rohrbrüche können auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden, wie zum Beispiel das Alter der Leitung oder auch Materialermüdung. Eine genaue Klärung ist im Nachhinein jedoch schlecht möglich, da auch viele Faktoren gemeinsam zu einer Havarie führen können. Wie der Zweckverband Gruppenwasserversorgung Eichelberg auf diese Situation reagiert, wird davon abhängen, welche Schlussfolgerungen aus der Strukturanalyse abzuleiten sind.

Update: Mittwoch, 8. Juli 2020, 20.45 Uhr
Die Altenbacher Wasserversorgung ist wiederhergestellt

Schriesheim-Altenbach. (hö) Es ging dann doch schneller als gedacht: Der Odenwaldstadtteil hat seit dem frühen Mittwochmorgen wieder Wasser: Seit 0.30 Uhr sind bei den rund 2100 Einwohnern die Wasserhähne nicht mehr trocken. Ein Anruf gestern Morgen bei der Geschäftsführerin der Schriesheimer Wasserversorgung (WVE), Claudia Harms, brachte Klarheit.

Bis um 3 Uhr wurde das Netz noch einmal durchgespült und entlüftet, außerdem wurde eine mikrobiologische Probe entnommen, worüber auch das Gesundheitsamt des Kreises informiert wurde. Weil aber noch die Ergebnisse ausstehen, sollte bis Freitag das Wasser aus dem Hahn abgekocht werden. Eine erste Messung, wie trüb das Wasser ist, ergab keine Auffälligkeiten. Am gestrigen Mittwoch soll eine zweite Probe genommen werden, aber Harms ist zuversichtlich, "dass das Abkochgebot am Freitag wieder aufgehoben werden kann".

Wie berichtet, richteten die Feuerwehren Schriesheims und Altenbachs mithilfe ihrer Kollegen aus Neckarbischofsheim und Hemsbach eine Notversorgung mit insgesamt 6000 Litern Trinkwasser ein. Außerdem brachten die Schriesheimer und Hemsbacher Wehr weitere 1000 Liter zum Seniorenheim "Ella". Bis zum Nachmittag war der Andrang am Dorfplatz noch überschaubar, aber die meisten Altenbacher waren zu diesem Zeitpunkt noch auswärts auf der Arbeit. Also fuhren um 18 Uhr zwei Mannschaftswagen der Wehr durch den Ort, um die Bevölkerung auf die Situation und die Notwasserversorgung auf dem Dorfplatz hinzuweisen. Daraufhin kamen immer mehr Altenbacher in die Ortsmitte, um Wasser zu zapfen, sodass schließlich eine zweite Ausgabestelle eingerichtet wurde, bis die Feuerwehr um 20.30 Uhr die Anlagen abbaute, "nachdem der letzte Bürger versorgt war", wie der Schriesheimer Feuerkommandant Oliver Scherer sagte.

Das Unglück nahm am Dienstagmorgen seinen Lauf, als eine Hauptwasserleitung des Wasserzweckverbands Eichelberg am Abtsweg gerissen war, daraufhin sank der Druck im Trinkwassernetz Altenbachs ab – auch wenn in einzelnen Haushalten immer noch Wasser aus dem Hahn kam. Insofern war weniger eine WVE-Leitung "schuld", sondern eine des Zweckverbands Eichelberg mit Sitz in Wilhelmsfeld. Der dortige Bürgermeister Christoph Oeldorf erklärte, dass ein sechs Meter langer Längsriss in einer Gusseisenleitung aufgetreten sei, die Ursache ist unklar: "Vielleicht war es die Art der Verlegung." Das etwa 60 Jahre alte Rohr sei an sich in einem guten Zustand gewesen: kaum Rost, kaum Ablagerungen.

Fatal für Altenbach war, dass ausgerechnet die Hauptleitung zwischen dem Hochbehälter und dem weiter tiefer gelegenen Einspeisepunkt beschädigt wurde. Deswegen konnte der Ortsteil, anders als Wilhelmsfeld, auch nicht weiter von den Hochbehältern versorgt werden. Heute würde man das Versorgungsnetz wahrscheinlich anders konzipieren, so Oeldorf, der mit dem Zweckverband Eichelberg über eine "Strukturanalyse für das Netz, wie solche Probleme in Zukunft vermieden werden können", nachdenken will.

Die Reparaturarbeiten hätten, so Oeldorf, "gut funktioniert": Das Ersatzrohr wurde schnell beschafft, und die Baukolonne konnte zügig das alte ersetzen – dabei hatte die Feuerwehr Schriesheim beim Aufgraben für Licht gesorgt; der Hochbehälter wurde rasch wieder gefüllt. Oeldorfs Bilanz: "Angesichts der Größenordnung des Schadens lief das noch glimpflich ab. Das hätte auch länger dauern können."

Hintergrund: Viel Wasserverlust in der Kernstadt

(hö) Die Schriesheimer Kernstadt wird zu großen Teilen vom Wassergewinnungsverband Lobdengau mit "hartem" Grundwasser versorgt, aber es gibt auch in einigen Straßen "weiches" Quellwasser. In Altenbach und Ursenbach kommt das Nass vom Zweckverband Eichelberg. Die städtische Wasserversorgung WVE wiederum sorgt für das Netz zwischen den Haushalten und den Hauptwasserleitungen – und, um die Sache ganz kompliziert zu machen, liegt das operative Geschäft der WVE seit 20 Jahren in den Händen der Mannheimer MVV. Fragt man WVE-Geschäfsführerin Claudia Harms nach dem genauen Zustand des Schriesheimer Trinkwassernetzes, muss sie passen: "Darüber gibt es keine genaue Statistik." Was man allerdings weiß: Die Wasserverluste in der Kernstadt sind relativ hoch – und die Suche nach den Schäden ist wegen der vielen Einspeisepunkte relativ schwierig. Das ist in Altenbach (mit zwei Übergabestellen der Hauptleitungen) und Ursenbach einfacher: Da weiß die WVE sofort, wann und wo es Rohrbrüche (meist an Hausanschlüssen) gibt, und kann schnell reagieren.

Harms glaubt im Übrigen nicht, dass sich das Alter der Wasserleitungen in der Kernstadt und den beiden Ortsteilen groß unterscheiden, allerdings sind die jährlichen Investitionen von rund 1,3 Millionen Euro recht hoch: "Wir sind da zustands- und schadensgetrieben", erklärt Harms. Meist werden nicht nur akute Schäden behoben, sondern der Straßenbelag und auch der Kanal gleich mit saniert – wie aktuell im Großen Mönch oder im Kehlweg.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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