17.07.2020

Wird der Branich "dichtgemacht"?

Anfang August beginnen die Arbeiten zur Hangsicherung - Anwohner kritisieren die zu knappen "Durchfahrtszeitfenster" - Laubelt freigeben?

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Dem Branich droht eine Woche lang, vom 3. bis zum 9. August, eine längere Sperrung. Der Grund liegt in den Arbeiten zur Hangsicherung: Am 30. Mai hatte ein Anwohner die Feuerwehr gerufen, weil ein Baum über die Auffahrt zur Branichstraße ragte. Als die Feuerwehr dann nachsah, fand sie drei entwurzelte Bäume, die auf die Fahrbahn zu fallen drohten. "Dieser Einsatz hat noch einmal aufgezeigt, wie problematisch der Steilhang in diesem Bereich ist. Das Gebiet zeichnet sich mittlerweile zum größten Teil durch abgestorbene Bäume und loses Geröll aus", schrieb Bürgermeister Hansjörg Höfer den Branich-Anwohnern – und kündigte die einwöchige Aufräumaktion einer Fachfirma an. Demnach wird die Auffahrt in der Zeit zwischen 8 und 18 Uhr gesperrt, es gibt aber drei halbstündige Zeitfenster, an denen man doch durchfahren kann: 10 bis 10.30, 12.30 bis 13 und 15 bis 15.30 Uhr.

Monika Klahr von der Interessengemeinschaft (IG) Branich sieht durchaus ein, dass hier gearbeitet werden muss, aber sie ist "nicht so glücklich über diese Lösung": Sie hätte es lieber gesehen, wenn die Straße nur halbseitig gesperrt worden wäre: Noch besser hätte sie es gefunden, den Laubelt als Einbahnstraße – und auch hier mit einer Baustellenampel – für diese eine Woche freizugeben. Ende November 2016 wurde diese zweite inoffizielle Branichzufahrt mit festen Pfosten für den Verkehr endgültig dichtgemacht, nachdem die einjährige Versuchszeit mit den überfahrbaren, flexiblen Pollern gescheitert war. Der Laubelt wird seitdem nur noch für Rettungsfahrzeuge freigegeben, wenn die Branichstraße gesperrt sein sollte.

Aus einem Schriftwechsel zwischen Anwohnern und der Stadtverwaltung, der der RNZ vorliegt, geht hervor, dass das Ordnungsamt die Verantwortung auf übergeordnete Behörden schiebt: "Da die zuständige Straßenverkehrsbehörde (das Landratsamt Rhein-Neckar, Anm. d. Red.) einer Öffnung der ,Laubelt-Abfahrt’ für regulären Verkehr nicht zustimmt, kann dieser Weg nur als Rettungszufahrt (für ,Blaulichtfahrzeuge’) zur Verfügung stehen", heißt es aus dem Rathaus.

Klahr berichtet, dass die Ankündigung der Sperrung nicht nur zu Frust, sondern auch zu richtiger Panik unter den Branich-Bewohnern geführt habe: "Mich hat eine Rollstuhlfahrerin angerufen und gefragt, wie sie denn jetzt versorgt werden soll." Und wie sollen die Pflegedienste jetzt zu ihren Patienten kommen? Oder die Ärzte? Oder die Handwerker? Zumindest für solch dringende Dienstleistungen unter der Schwelle von Rettungseinsätzen hätte man den Laubelt ja freigeben können, meint Klahr. Zumal der ja auch an jenem 30. Mai wie von Zauberhand auch für den allgemeinen Verkehr freigegeben worden sei.

Auch wenn die Sperrung für die erste Ferienwoche terminiert ist: Was wird aus den Berufspendlern, die ja nachmittags wieder nach Hause wollen? Denn schließlich ist ja auch von 15.30 bis 18 Uhr die Branichstraße "dicht". So schreibt Bernd Schmidt aus dem Fensengrundweg der RNZ: "Mir geht es nicht darum, die Sperrung komplett zu verhindern, möchte aber vermeiden, dass ein kompletter Stadtteil in der Hochphase der Feierabendzeit seinen Wohnort nicht erreichen kann. Auch kann ich nicht verstehen, warum die Stadt die Sperrung nicht auf spätestens 16 Uhr begrenzt." Schmidt erhielt als Antwort vom Ordnungsamt, dass es der Wunsch der Baufirma gewesen sei, an einem Stück und möglichst ohne Unterbrechungen mit der Vollsperrung arbeiten zu können. Außerdem habe man ja die Arbeiten extra in die Ferien verlegt und drei Zeitkorridore geschaffen: "Dass es sicherlich nicht möglich sein wird, sämtliche persönlichen Interessen und Wunschzeiten der zahlreichen Anwohner zu berücksichtigen, liegt in der Natur der Sache."

IG-Branich-Vorsitzende Klahr ist zudem mit der Informationspolitik nicht einverstanden: "Das wurde einfach angeordnet. Ich hätte mir gewünscht, dass wir, aber auch die Pflegedienste und Ärzte, mit ins Boot geholt worden wären. Aber vielleicht findet sich ja doch noch eine Lösung." Ansonsten wartet sie noch auf ein Gespräch mit Bürgermeister Höfer. Und da gibt es ja noch am Mittwoch, 22. Juli, die Gemeinderatssitzung in der Mehrzweckhalle. "Ich nehme mal an, dass es da einige Bürger Fragen zur Sperrung stellen werden."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung