22.07.2020

Wenn das Jauchzen der Kinder unerträglich wird

Wasserspiel am Schillerplatz: Anwohner des Betreuten Wohnens beschweren sich über Kindergeschrei - Erfahrungsaustausch mit Stadt gefordert

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Der Schillerplatz ist, gerade bei den jetzigen sommerlichen Temperaturen, besonders für Kinder eine wahre Wonne: Hier locken die kühlenden Wasserfontänen, und die Kleinen stürzen sich mit viel Jauchzen ins Nass. Nur: Genau das ist auch ein Problem für die Anwohner, von denen viele im Betreuten Wohnen der Arbeiterwohlfahrt leben. Helga Schropp beispielsweise sagt: "Ich gönne den Kindern ja den Spaß, den man auch nicht verbieten kann. Aber das Geschrei ist doch manchmal etwas zu viel." Sie wohnt hier seit dreieinhalb Jahren, vorher war sie im Laubeltweg zuhause: "Anfangs habe ich mich ja gefreut, einen Springbrunnen vor der Wohnung zu haben." Aber schon im ersten Sommer, als die Fontänenanlage in Betrieb genommen wurde, war hier jede Menge los, sie war für die Familien die Attraktion in Schriesheim: "Etwas Vergleichbares gibt es ja in der ganzen Region nicht." Und zugegeben: Auch ihre Enkel, wenn sie mal zu Besuch sind, verlustieren sich gern auf der Anlage.

Was ihr und auch vielen anderen älteren Bewohnern am Schillerplatz zu schaffen macht, sind die "Lärmspitzen", also das Geschrei: "An den Straßenverkehr und die OEG bin ich gewöhnt. Aber die Kinder kreischen in den höchsten Tönen, sie können ja auch nicht anders." Mit ihrer Klage sei sie auch nicht allein ("Wir haben hier eine sehr gute Hausgemeinschaft"), ihr gegenüber hätten schon etliche Nachbarn geäußert, wie sehr ihre Nerven strapaziert seien. Dabei sei sie selbst in einer vergleichsweise komfortablen Lage: "Ich bin ja noch gut dran, ich kann ja auch mal aus der Wohnung gehen. Aber bei denen, die nicht mehr mobil sind und oft unter Schmerzen leiden, ist die Situation schon sehr schlimm." Besonders der Trubel in den Abendstunden ist für Schropp und ihre Nachbarn ein Problem, man komme am Ende des Tages nicht mehr zur Ruhe, der Aufenthalt auf dem Balkon ist fast unmöglich: "Wir müssen die Fenster schließen, und eigentlich ist es schade, wenn man nicht mehr im Freien sitzen kann." Von anderen Unannehmlichkeiten – wie in Papiereimern entsorgten Windeln oder nackte Kinder, die fotografiert werden – will sie gar nicht groß berichten, auch wenn sie diese Dinge fast täglich sieht: "Ich habe ja hier oben den Überblick."

"Im Grunde weiß ich auch nicht, wie eine Lösung aussehen könnte", sagt Schropp, "vielleicht kann man die Brunnen auch um 19 Uhr ausstellen." Nach ihrer Aussage laufen die von 8 bis 22 Uhr. Sie hat durchaus die Erfahrung gemacht, dass es etwas bringt, wenn man die Schreihälse mal anspricht: "Ich bin auch schon mal runtergegangen und habe den Kindern gesagt, dass sie leiser sein sollen, weil hier viele alte Menschen wohnen. Und es hat sofort gewirkt." Auch wenn es in der nahegelegenen Eisdiele etwas zu laut zugehe, dann hilft ein freundliches, aber bestimmtes Wort: "Man kann mit Freundlichkeit und Verständnis viel erreichen", ist sich Schropp sicher.

Sie habe Bürgermeister Hansjörg Höfer auf das Problem auch schon mal angesprochen, aber geändert hat sich bisher nichts. Auch das Ordnungsamt habe ihr gesagt, dass man da nichts machen könne. "Und wo bleiben jetzt wir alten Leute?", fragt sie ratlos. Daher würde sie einen baldigen Erfahrungsaustausch mit dem Rathaus begrüßen, bei der die Leiden der Anwohner zur Sprache kommen. Bürgermeister Höfer sagte auf RNZ-Anfrage, dass der Stadtverwaltung das Problem bekannt sei: "Wir besprechen intern, ob sich hier ein Kompromiss finden lässt, also ob man das Wasserspiel nicht zeitweise abstellen kann. Es gibt aber auch die Auffassung, dass Kindergeschrei kein Lärm ist und dass die jetzige Situation rechtlich einwandfrei ist."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung