27.07.2020

Weinprobe in Schriesheim: Machen solche Events die Gastronomie kaputt?

Weinprobe in Schriesheim: Machen solche Events die Gastronomie kaputt?Zweite öffentliche Weinprobe: Karlheinz Spieß ging am Samstagabend auf seinem Obsthof auf die Kritik der Wirte ein: "Wir sind keine Konkurrenz"

Zur zweiten öffentlichen Weinprobe der Winzergenossenschaft auf dem Obsthof Spieß – erstmals aber mit Modenschau – waren 100 Gäste zugelassen. Im Vorfeld hatten einige Schriesheimer Wirte kritisiert, mit solchen Veranstaltungen mache man ihnen zu sehr Konkurrenz. Foto: Dorn

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Eigentlich hätte der Abend perfekt sein können: 100 Gäste bei einer öffentlichen Weinprobe samt Modenschau auf dem Obsthof Spieß. Aber eines ließ dann Karlheinz Spieß doch keine Ruhe: "Jetzt wird auf einmal behauptet, wir seien die größte Konkurrenz für die Gastronomie. Das belastet mich. Wir stehen mit den Wirten nicht im Wettbewerb, bei uns gibt es noch nicht einmal Warmes zu essen. Jeder andere kann das auch machen."

Tatsächlich hatte Spieß erfahren, dass sich etliche Gastronomen über diese Art von Veranstaltung mächtig aufgeregt hatten – nun würde der gebeutelten Branche das Wasser vollends abgegraben. Später sagte Spieß, der auch Vorstandsvorsitzender der Winzergenossenschaft ist, im Gespräch mit der RNZ: "Diese Weinprobe haben wir als Betrieb bei der Winzergenossenschaft gebucht. Das kann jeder Gastronom auch machen."

Und seine Lebensgefährtin Joana Pluschke, die das Event organisiert hatte, meinte: "Die Leute kommen doch nicht zu uns, weil sie hungrig sind, sondern weil sie etwas Gemeinschaft wollen. Wir machen überhaupt niemandem etwas streitig." Auch die Gäste auf dem Obsthof sahen es ähnlich, wie beispielsweise Armin Kornmüller: "Die Idee ist doch super, in dieser Corona-Zeit wieder heraus in die Normalität zu finden. Dass solche Veranstaltungen der Gastronomie schaden sollten, sehe ich nicht. Es ist wichtig, dass jemand überhaupt etwas macht."

Das Besondere an der Veranstaltung war einerseits die öffentliche Weinprobe – eine erste im kleineren Rahmen hatte es vor sechs Wochen ebenfalls auf dem Obsthof Spieß gegeben – und als Novum eine Modenschau: Die Kleider kamen von Manuela "Ela" Riebel, die in Schriesheim am Bachschlössl und am Ladenburger Marktplatz zwei Läden hat.

Der Vertriebsleiter der Winzergenossenschaft, Mustafa Taslaman, moderierte die Verkostung der fünf Weine, die andere waren als Mitte Juni: "Der 2019er Jahrgang in seiner ganzen Vielfalt." Die beiden Weinhoheiten Sofia Hartmann und Lena Meyer – Fabienne Röger war erkrankt – präsentierten die Tropfen und schenkten sie auch aus. Ihnen zur Seite standen ihre Vorgängerinnen Annalena Spieß (Weinkönigin 2019/20) und Vanessa Baumann (Weinprinzessin 2016/17 und Bergsträßer Bereichsweinprinzessin 2018/19) – wofür sich die amtierende und gerade erst in die "Verlängerung" geschickte Weinkönigin Sofia Hartmann bedankte – und meinte: "Schön, dass man mal wieder rauskommt."

Den Anfang machte der Schriesheimer Klassiker, ein Silvaner – übrigens Annalena Spieß’ großer Favorit –, auch wenn der nur noch auf gut sechs Hektar angebaut wird. Und weil diese Sorte ja auch im "Schriesheim-Lied" vorkommt, intonierte der DJ des Abends, Torsten Siegmund, gleich dreimal die Weinstadt-Hymne. Dem Silvaner folgte der Klassiker, ein Grauburgunder – Taslaman: "Baden ist Burgunderland" –, aber am meisten Diskussionen gab es um den Chardonnay, der manchem vielleicht doch etwas zu "sperrig" war. Auf ungeteiltes Wohlwollen stieß dann ein als Rosé gekelterter Spätburgunder, für Lena Meyer "eine qualitätsvollere Alternative zum Mathaisemarkt-Wein Weißherbst"; den ungewöhnlichen Abschluss machte ein leicht gekühlter Roter, ein St. Laurent No.1 – "No. 1" deswegen, weil er immer der erste Rotwein eines Jahrgangs ist, den die Winzergenossenschaft vorstellt (und zwar am 1. Advent).

Kaum war der Wein verkostet, warf sich Karlheinz Spieß bei der Abschlussmodenschau selbst in ein Sommerkleid und trug sogar eine blonde Zöpfchenperücke – und resümierte später: "Ein gelungener Abend! Wein und Mode sind mal etwas anderes. Ich finde, wir sind auf einem richtigen Weg." Das sahen auch Lisa Hölzel und Jana Hartmann so: "Uns hat es gut gefallen, so eine Kombination gab es noch nicht. Eine gute Idee, mal etwas anderes als eine Weinprobe zu veranstalten." Und DJ Siegmund meinte nur: "Das schreit nach Wiederholung!"

Karlheinz Spieß. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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