28.07.2020

Die Digitalisierung der Schulen und die Kosten

Der Bund fördert die digitale Aufrüstung der Schulen, aber an den Gemeinden bleiben viele Folgekosten hängen - Tablets für bedürftige Schüler?

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Das Homeschooling – also die unterrichtslose Zeit während der coronabedingten Schulschließungen – hat es gezeigt: Digital ist Deutschland nicht auf der Höhe der Zeit, um den Schülern Fernunterricht zu erteilen. Die Sache wird nicht einfacher dadurch, dass die Schulen Sachen der Kommunen (Gebäude und Ausstattung) sowie der Länder (Personal und Lehrpläne) sind – und sich ab und an noch der Bund einmischt. Der hat für die Jahre bis 2024 einen Digitalpakt mit den Ländern geschlossen, von dem Schriesheim auch etwas abbekommt: rund 144.000 Euro oder 86 Euro pro Schüler. Gedacht ist dieses Programm eigentlich dafür, ärmere Kinder mit Rechnern auszustatten. Bei etwa 500 Euro für einen Computer könnten knapp 290 Kinder und Jugendliche, also jeder fünfte Schriesheimer Schüler, einen bekommen. "Bei Corona haben wir gesehen, dass der Bedarf eigentlich nicht so hoch ist, aber es gibt wohl auch eine Dunkelziffer", sagte Hauptamtsleiter Dominik Morast auf der letzten Gemeinderatssitzung.

Im Prinzip finden den Digitalpakt für die Schulen auch die Gemeinderäte gut, aber sie monierten auch, dass es mit der bloßen Anschaffung von Laptops & Co. ja nicht getan sei: "Eine gute Sache, aber doch nur eine Anschubfinanzierung", meinte Robert Hasenkopf-Konrad (Grüne Liste). Denn bisher, so Sebastian Cuny (SPD), "endet die digitale Welt an den Schultoren. Der Digitalpakt ist ein erster Schritt, aber ein großer. Das Tablet wird in Zukunft zur Schule gehören wie das Englisch- oder Mathebuch". Christiane Haase (CDU) erinnerte an die Folgekosten wie Server und EDV-Personal, während Matthias Meffert (FW) einen Medienentwicklungsplan forderte, denn: "Es könnte generell mehr Homeschooling geben." Auch Ulrike von Eicke (FDP) rief schon nach einem weiteren Schritt: "Wir brauchen Lehrer, die in der digitalen Welt geschult sind. In einem zweiten Paket müssten auch die Kosten für Systemadministratoren, also sozusagen digitale Hausmeister, berücksichtigt werden. Es kann nicht Aufgabe der Städte sein, das zu finanzieren." Bürgermeister Hansjörg Höfer weiß aus Erfahrung, dass der Bund zwar Geld gibt, aber damit die Probleme erst für die Kommunen so richtig losgehen: "Die Unterhaltung wird immer an uns hängen bleiben. Die finanzielle Belastung für die Schulgemeinden ist jetzt schon sehr hoch. Wir brauchen jetzt mindestens eine, wenn nicht zwei zusätzliche Personalstellen für die digitale Infrastruktur – momentan haben wir drei."

Deswegen hat Christiane Haase einen anderen Vorschlag: Man sollte das Geld aus dem Digitalpakt nicht in erster Linie für Tablets ausgeben, die bedürftige Schüler bekommen sollen, sondern eher für die Bereitstellung und Wartung der Server – schließlich gäben das die Förderrichtlinien auch her. Vielleicht sei es auch nicht der Weisheit letzter Schluss, dass gleich alle EDV-Spezialisten bei der Stadt angestellt sein müssen, eventuell könnte man auch externe Dienstleister damit beauftragen. Was aber nicht mehr gehe: dass Lehrer sich mit solchen Dingen herumplagen müssen. Dass das alles nicht ohne Brisanz ist, zeigt eine nicht-öffentliche Sitzung des Gemeinderates morgen – genau zu diesem Thema.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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