30.07.2020

Peter Grüber - Kutscher, Winzer und Ur-Schriesheimer

Peter Grüber - Kutscher, Winzer und Ur-SchriesheimerDas Herz auf der Zunge und nicht zu verbiegen: Peter Grüber wurde 70 Jahre - Er findet mitfühlende Worte für Harald Weiss

Peter Grüber feierte seinen 70. Geburtstag. Foto: Dorn

Schriesheim. (hö) Immerzu klingelte gestern das Telefon, im Hof seines Hauses saßen ständig Gäste, und abends hatte sich auch noch einer seiner neun Vereine, bei denen er Mitglied ist, die Eintracht (in die trat er 1965 mit 15 Jahren ein), angekündigt: Peter Grüber wurde 70 Jahre alt. Und zwischendurch führt er gewissenhaft eine Liste, wer in diesen Corona-Zeiten alles da war – diese füllte schon zur Mittagszeit ein DIN-A 4-Blatt –, denn man weiß ja nie.

Und wie fühlt sich der Jubilar mit dem markanten, stets akkurat gezwirbelten "Schnorres"? Gewohnt schlagfertig antwortet er: "Ich bin gestern so schlecht aufgestanden wie heute. Aber so lang die Gosch noch geht ..." Denn Grüber ist für seine direkte Art bekannt, er lässt sich weder das Wort verbieten noch verbiegen. So war und ist es immer noch mit der Winzergenossenschaft, deren Mitglied er seit 1968 ist und als deren Geschäftsführer er von 1988 bis 1996 amtierte. Wie sieht er den Abschied seines Nachfolgers Harald Weiss, mit dem er öfter mal aneinandergeraten ist? "Das tut mir sehr leid mit seiner Krankheit", aber fachlich sei er immer noch der Ansicht: "Man kann eine Winzergenossenschaft nicht wie ein Weingut führen." Sich selbst hat Grüber mittlerweile beim Weinbau flächenmäßig zurückgenommen, er bewirtschaftet nur noch gut zwei Hektar: "Das alles ist nicht mehr rentabel, aber ich trinke halt gern Wein und fühle mich der Natur verpflichtet."

Am bekanntesten ist Grüber allerdings als Kutscher. Die Liebe des Ur-Schriesheimers zu den Pferden kommt von seiner Großmutter, die eine Landwirtschaft hatte. Mitte der Siebzigerjahre, damals arbeitete er im Büro der Holzhandlung Gschwander, entdeckte er das Kutschenfahren – daher auch sein Spitzname "Kutschenpapst" – für sich, die ersten Modelle, damals noch ohne Handbremse, kamen aus Dänemark. 1976 gehörte er zu den Mitgründern des Reit- und Fahrvereins. 1978 fuhr Grüber sein erstes Turnier, dann errang er ab 1980 viele Siege bei den baden-württembergischen Meisterschaften, vor zwölf Jahren entthronte er auf dem Mannheimer Maimarkt sogar den Weltmeister Boyd Excell. Mittlerweile hat er die Wettkämpfe aufgegeben, aber nicht das Kutschefahren, wenn auch nur als Hobby. Und auch nicht seine sechs Pferde, für die Grüber immer noch selbst Heu und Stroh macht. Immerhin: Enkelin Anne hat sich für die Pferde und Kutschen begeistern können, sein anderer Enkel Marc hat es mehr mit dem Handball. Und der Wingert? Sein Schwiegersohn hat schon Interesse daran, aber Grüber zweifelt, ob der sich um die ganze Fläche kümmern kann oder will.

Aber egal: Gestern wurde erst einmal mit Freunden – wenn auch mit dem nötigen Abstand – gefeiert, am Samstag ist dann die Familie, zu der auch Sohn Peter und Tochter Susanne gehören, dran.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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