18.08.2020

Für Altenbach lässt Herbert Kraus nicht locker

Im Gespräch mit der RNZ zählt Altenbachs Ortsvorsteher seine Prioritäten auf - Und reibt sich dabei ordentlich an der Grünen Liste

Von Micha Hörnle

Schriesheim-Altenbach. Es ist nicht so häufig, dass Ortsvorsteher Herbert Kraus zu einem Sommerinterview lädt. Aber in diesem Jahr ist es anders, denn für ihn stehen wichtige Projekte im Ortsteil auf der Agenda – auch wenn manches von der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat auf später verschoben wurde. Und nicht zuletzt war die Atmosphäre im Ortschaftsrat in den letzten Monaten angespannt.

> Situation im Ortschaftsrat: Kraus macht für den Streit der letzten Zeit in erster Linie die Grüne Liste und insbesondere Christian Wolf verantwortlich: "Mit allen drei Fraktionen außer der Grünen Liste arbeite ich gerne." Er datiert den Ursprung der Auseinandersetzungen auf das Jahr 2014 zurück, als Wolf gefordert habe, Ortsvorsteher zu werden. Kraus habe ihm damals gesagt: "Sie werden das mit sieben zu drei Stimmen verlieren", schließlich wusste er Freie Wähler, CDU und SPD auf seiner Seite. Und auch fünf Jahre später will er Wolf mit den Worten beschieden haben: "Auch beim Stellvertreter wird es nichts werden." Er wolle Karl Reidinger (CDU) in dieser Funktion behalten, weil er mit Wolf nicht zusammenarbeiten könne, denn: "Er kann sich nicht unterordnen." Versuche der Grünen Liste, dass Bürgermeister Hansjörg Höfer stärkeren Einfluss auf ihn nehme, wehrt Kraus ab: "Der Ortsvorsteher hat eine andere Rechtsgrundlage, er unterliegt nicht den Weisungen des Bürgermeisters."

> Spielplatz: Im Moment bietet der ein besonders trauriges Bild, fast alle Spielgeräte sind abgebaut – worüber Kraus nicht informiert war. Bekanntlich weigert sich Bürgermeister Höfer, die Anlage zu sanieren, solange ein Anwohner über diese fahren muss, um zu seiner Wiese dahinter zu kommen. Die Ursache für diese Malaise liege lange zurück, das geschah noch in der Amtszeit von Peter Riehl, als es beim Bau des Spielplatzes und der Zehntgrafenstraße zu Vermessungsfehlern gekommen sei – zu Lasten des Anwohners, auf dessen Privatgrund nun ein Teil des Spielplatzes liege. Die Stadt wisse darum, der Anwohner wolle auch gar keine Entschädigung, sondern nur einen ungehinderten Zugang zur Wiese. Wenn die nicht regelmäßig gemäht werde, "haben wir bald Ratten drin". Die Stadt tue sich indessen, so Kraus "schwer, die Kuh vom Eis zu bringen". Sein Vorschlag: Man verkleinert den Spielplatz ein wenig, um einen kleinen Feldweg zur Wiese zu bauen. Damit kollidiert er mit den Plänen der Grünen Liste: Die habe, so Kraus, "versprochen, hier einen Abenteuerspielplatz einzurichten". Dabei sei klar, dass das nicht gehe. Ihm selbst seien ordentliche Geräte für kleinere Kinder wichtiger als eine große repräsentative Anlage für Schüler.

> Friedhofskapelle: Die Sanierung ist Kraus ein Herzensanliegen, denn der momentane Zustand des Gebäudes sei unwürdig: "Dafür schämt man sich." Bereits 2016 habe er die Kosten für eine Glasumfassung, neue Platten und die Toiletten ermitteln lassen, alles in allem rund 95.000 Euro. Eine spätere Schätzung der Stadt kam auf über 300.000 Euro – und damit waren weitere Planungen hinfällig, da nicht finanzierbar. Nun unternimmt Kraus einen weiteren Anlauf, auch wenn im momentanen Corona-Haushalt fast alle Investitionen aufs nächste Jahr verschoben wurden: "Man sollte noch einmal überdenken, ob man da nicht doch etwas machen kann."

> Baumbestattung auf dem Friedhof: Noch in diesem Jahr könnte es ein Urnengrabfeld unter Bäumen geben – und zwar ganz unabhängig vom am Kipp-Hang geplanten Bestattungswald. Denn dieses Vorhaben sei in einer Zeit entstanden, als der Bestattungswald kein Thema mehr war. Urnenbestattungen werde immer beliebter, da sich die Hinterbliebenen nicht um die Gräber kümmern müssten. Im Ortschaftsrat sei man einstimmig dafür gewesen.

> Bauprojekt Fichtenstraße: Schon vor vier Jahren wollte die Familienheim Rhein-Neckar hier 15 Einfamilienhäuser bauen, gegen die sich Widerstand formierte. Dann hörte man lange nichts mehr, aber jetzt plant das Unternehmen neun Doppelhäuser als eine Art "Öko-Baugebiet", eventuell könnten auch "ein oder zwei Häuser als Musterhäuser gebaut werden". Für Kraus ist das "hochinteressant", und er glaubt, dass dieser neue Ansatz "Erfolg haben könnte".

> Schnelles Internet: Kraus ist nach wie vor überzeugt, dass der mit dem kreiseigenen Zweckverband "Fibernet" eingeschlagene Weg der richtige war: Auch wenn es in der letzten Zeit zu erheblichen Kostensteigerungen gekommen sei, gebe es zu "Fibernet" keine Alternative – schon gar nicht, wenn man nach und nach ganz Altenbach mit Glasfaser versorgen wolle. Jetzt bekämen zwar nicht alle auf einen Schlag einen Anschluss für das ganz schnelle Internet ("Ich auch nicht"), hätten aber immerhin längerfristig eine Option darauf: "Das ist auch wichtig für den Hauswert."

> Sanierung des Abtswegs: Hier müsse die Stadt dringend ran, meint Kraus, denn die Straße sei desolat. Dass alle Gelder für die Teilsanierung aus dem Haushalt genommen wurden, sei nicht in Ordnung.

> Sanierungsgebiet Altenbach: Das vor knapp zwei Jahren beschlossene Sanierungsgebiet entlang der Hauptstraße hinkt den Erwartungen hinterher, es werde kaum nachgefragt. Der Grund: Es gibt keine direkten Zuschüsse, man kann Investitionen in die Häuser nur von der Steuer absetzen. Deswegen hofft Kraus, dass das sich durch die Aufnahme Altenbachs in das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) ändert, denn dann bekommen die Hausbesitzer Geld – und Kraus verspricht sich davon einen "neuen Schub".

> Dorfladen: Dafür, meint Kraus, könnte es auch Zuschüsse aus dem ELR geben. Coronabedingt ruht die Fragebogen-Aktion, welche Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten sich die Bürger wünschen. Immerhin ist jetzt für den Dienstag, 15. September, 19 Uhr, eine Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle geplant. Eine allzu große Einmischung des Ortschaftsrats und der Stadtverwaltung bei diesem Prozess lehnt Kraus ab: "Das soll aus der Bürgerschaft kommen." Deswegen wurden auch noch keine Gespräche mit der Volksbank geführt, wie teuer die Anmietung der seit 2018 leer stehenden Schalterhalle käme.

> Barrierefreie Verwaltungsstelle:Im November war Kraus’ Alleingang krachend gescheitert, seinen nur über steile Treppen erreichbaren Amtssitz ins evangelische Gemeindehaus, das mittlerweile zu groß ist, zu verlegen. Doch er lässt nicht locker, auch wenn die Kirche momentan ganz andere Pläne hat: Hier soll nun ein Café und ein offener Jugendtreff – auf diesen Raum hatte Kraus geschielt – eingerichtet werden. Kraus meint: "Der Treff funktioniert nur mit Sozialarbeitern." Und hofft, trotz aller Widerstände, weiter auf einen neuen barrierefreien Standort für die Verwaltung.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung