29.08.2020

Fünf Künstler stellen im Zehntkeller aus

Die Künstler hätten gerne noch mehr Möglichkeiten, ihre Werke zu zeigen.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Lange sah es so aus, als würde das ausgefallene Straßenfest am ersten Septemberwochenende nur eine klaffende Lücke im momentan recht spärlichen Schriesheimer Terminkalender hinterlassen. Aber diese Lücke füllt sich zusehends, nicht nur mit dem Altstadt-Varieté am Samstag und Sonntag. Jetzt wird auch der Zehntkeller zu einem Ausstellungsraum: am Straßenfest-Sonntag.

Hier präsentieren fünf Schriesheimer Künstler ihre Bilder, etwa 20 Stück – und damit kommt auch die Stadt ihrem lang gehegten Wunsch nach, sie "in Schriesheim sichtbarer zu machen", wie Bürgermeisterstellvertreterin Fadime Tuncer erklärte. Im Rathaus stellte sie mit Bürgermeister Hansjörg Höfer und den "Mitmachern" Elke Belgard-Rapp, Svetlana Dardykina, Isabell Blessing-Peest und Karl-Heinz Treiber – Anette Lea Lemke war verhindert – die Idee vor: "Gerade in Corona-Zeiten ist Kunst wichtig, sie gibt Hoffnung. Wenn sie fehlt, fehlt ein Teil des Alltags", meinte Höfer.

Tuncer gab zu, das Ganze sei auch "eine Hau-Ruck-Aktion" gewesen, erst am letzten Freitag habe man sich den Zehntkeller angeschaut – und dann war die Sache "geritzt". Das ist in gewisser Weise historisch, denn der Zehntkeller war eigentlich nie ein Ort für die bildende Kunst. Nur Treiber erinnerte sich an frühere Zeiten, als es vor 36 Jahren doch einmal etwas Ähnliches gab – und wo er die im Januar verstorbene Lynn Schoene kennenlernte. Später malte er hier auch mal bei einer recht wüsten Wahlkampfaktion für die Grüne Liste, mit verkleckstem Boden hinterher. Er findet: "Der Zehntkeller ist mir als ein Ort in Erinnerung, an dem immer etwas passiert ist."

Denn auch die Künstler leiden unter Corona, Ausstellungen sind rar geworden – in Schriesheim sogar schon vor der Pandemie: "Wir hatten so etwas öfter in Schriesheim. Vor allem die Rathaus-Vernissagen vermisse ich ein bisschen. Denn es gibt in der Stadt viele Künstler, die Ausstellungsflächen suchen. Ich würde es auch begrüßen, wenn man andere Orte einbeziehen würde. Zum Beispiel den Festplatz, da könnte man mehr machen. Im Moment ist er ja eher seine eine Art Stiefkind,", meinte Belgard-Rapp. Und auch Dardykina hofft auf einen neuen Schub: "Vielleicht wird ja Schriesheim zur Kunstmetropole." Höfer fand die Idee nicht schlecht, verwies aber auf den coronabedingt eingeschränkten Zugang zum Rathaus und sagte: "Wir sind da offen. Aber wir brauchen auch immer jemanden, der die Initiative ergreift. Wir als Verwaltung sind schlechte Galeristen."

Und da man schon mal am Träumen war, brachte Blessing-Peest die Idee für ein Künstlerhaus in ungenutzten Gebäuden auf: "Für Ateliers sind die Mieten wahnsinnig hoch. Und gleichzeitig steht vieles leer, wie etwa der ,Schwarze Adler’ oder die ,Rose’." Das fand Tuncer zumindest bedenkenswert, auch wenn es "Kunst im Leerstand" schon mal in der Heidelberger Straße gab. Und Treiber machte Mut: "Solche Künstlerhäuser sind immer eine temporäre Angelegenheit."

Aber zurück zum Zehntkeller: Am Sonntag, 6. September, hat er nun endlich offen, maximal 20 Personen dürfen gleichzeitig rein. Die ausstellenden Künstler drücken jedem Besucher eine Nummer in die Hand; der Eintritt ist natürlich kostenlos. Zu sehen gibt es vor allem gegenständliche Bilder: Dardykina nimmt sich das Thema "Umwelt" und die Beziehung zu anderen Menschen vor, bei Belgard-Rapp geht es ums Gefühl, Lemke – sie hatte erst zum Mathaisemarkt im Feuerwehrhaus ausgestellt – entführt in teils surreale Welten, Blessing-Peest mag es kosmisch, Treiber dagegen eher komisch: "Die Zeit schreit doch nach Humor. Ich will da ein bisschen Witz reinbringen." Musik gibt es auch: Klassik kommt von den "Vivace Brothers", wirklichen Brüdern, die seit drei Jahren in Schriesheim wohnen und die erst am 29. Juli beim KFD-Sommerfest aufgetreten sind. Und wenn "Kunst im Keller" einschlägt, kann sich Tuncer diese Ausstellung am Straßenfest sogar dauerhaft vorstellen.

Info: "Kunst im Keller" am Sonntag, 6. September, von 11 bis 18 Uhr im Zehntkeller (Eintritt frei, bis zu 20 Besucher).

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung