03.09.2020

In der Heidelberger Straße könnten Fahrräder bald freie Fahrt haben

Bisher wurde das Radeln entgegen der Einbahn immer abgelehnt - Das könnte sich nun ändern - Fahrradclub ruft zum "Fahrradklima-Test" auf

Schriesheim. (hö) Was nervt Radler am meisten in Schriesheim? Bert-Olaf Rieck, der Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Rhein-Neckar/Heidelberg, wüsste da was: "Kurios ist, dass man auf den ausgeschilderten Routen am Zentrum vorbeigeführt wird." Sprich: Die Heidelberger Straße ist entgegen der Einbahnrichtung nicht für Radfahrer freigegeben, man fährt, so Rieck, "im Zick-zack".

Rieck, der in Handschuhsheim wohnt, versteht das nicht: "In Heidelberg wurden fast alle Einbahnstraßen für Radfahrer freigegeben. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Heidelberger Straße besonders eng ist." Er habe das auch schon mal vor Jahren in einem Briefwechsel mit Bürgermeister Höfer moniert; der verwies aber darauf, dass dafür das Landratsamt zuständig sei.

Von dort heißt es auf RNZ-Anfrage: "Auch im Zuständigkeitsbereich der Straßenverkehrsbehörde sind viele Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung freigegeben. Die Heidelberger Straße in Schriesheim wurde bereits im Rahmen von Verkehrsschauen überprüft." Radler dürften dann schon entgegen der Einbahn fahren, wenn im Begegnungsverkehr genug Platz ist und wenn die Straße, gerade an Einmündungen, übersichtlich ist.

Aber, so eine Kreissprecherin: "Die Verkehrskommission, bestehend aus der Polizei, der Gemeinde und der Straßenverkehrsbehörde, kam bei den bisherigen Überprüfungen zu dem Ergebnis, dass aufgrund der zahlreichen, häufig links parkenden Fahrzeuge und der damit einhergehenden geringen Fahrbahnbreite von nur etwa drei Metern sowie den zahlreichen Einmündungen und Ein- und Ausfahrten der Radverkehr entgegen der Fahrtrichtung der Einbahnstraße nicht zugelassen werden kann."

Es gibt aber Hoffnung, so die Sprecherin: Im April hat das Bundesverkehrsministerium eine Änderung der Straßenverkehrs-Ordnung angekündigt, und in diesem Zuge könnte auch die Freigabe von Einbahnstraßen für Radverkehr in Gegenrichtung vereinfacht werden: "Diese Änderung wird unser Straßenverkehrsamt dann zum Anlass nehmen, die Situation in der Heidelberger Straße erneut zu prüfen."

Aber unabhängig davon versucht der ADFC die Fahrradfreundlichkeit in einer Kommune zu erkunden. Bisher machten schlicht zu wenige Schriesheimer mit, mindestens 50 sollten es schon sein. Deswegen gibt es am Neckar und an der Bergstraße bisher nur Ergebnisse für Ladenburg (91 Teilnehmer) und Weinheim (88 Teilnehmer): Die Römerstadt schlug sich mit einer Gesamtnote von 3,38 besser als die Große Kreisstadt (3,99).

Für Rieck, der oft durch Schriesheim radelt – seine Heimatstadt Heidelberg kam mit einer Note von 3,57 auf den ersten Platz der "kleinen Großstädte" –, wäre es interessant zu wissen, wie die Bürger an der Bergstraße das "Fahrradklima" in ihrer Kommune beurteilen. Noch bis zum 30. November kann sich jeder (und zwar nicht nur Schriesheimer) im Internet unter www.fahrradklima-test.adfc.de beteiligen. Der Test, bei dem vor allem 27 Einzelaspekte der Situation vor Ort abgefragt werden, dauert sechs Minuten.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung