10.09.2020

Schriesheimer Lockdown-Fazit: "Für viele war die Schließung ein Weckruf"

Schriesheimer Lockdown-Fazit: "Für viele war die Schließung ein Weckruf"Die Geschäftsleute freuen sich über treue Kunden. Manch einer konnte sogar neue hinzugewinnen.

„Ich bin wirklich dankbar für den Rückhalt der Kunden“, sagt die Geschäftsführerin von „Utes Bücherstube“, Regine Hindorf. Foto: Dorn

Von Nadine Rettig

Schriesheim. Die Schließung der Geschäfte während der Lockdown-Zeit war auch für die Schriesheimer ein herber Einschnitt. Wenn man sich aber nun in den Läden nach der aktuellen Situation erkundigt, so wird besonders deutlich, wie groß der Zusammenhalt unter den Bürgern der Weinstadt ist, die ihren Geschäften aus der Krise helfen wollen.

"Es läuft inzwischen eigentlich wieder wie immer. Nur eben mit den entsprechenden Maßnahmen", berichtet Renate Müller, die als Verkäuferin im Haushaltswarenladen "Sanitär- und Heizungsbau Karl Sommer" in der Talstraße arbeitet. Den Laden habe man etwa drei Wochen schließen müssen, doch da der Sanitärbaubetrieb als systemrelevant eingestuft wurde, war zumindest dieses Standbein sicher. "Das hat den Druck etwas rausgenommen. Ich denke, wenn man nur von seinem Laden abhängig ist, war das schwieriger."

Eine ähnliche Situation herrschte auch im "ideenReich". Denn während der Laden selbst nicht durchstöbert werden durfte, blieb der Paketshop als systemrelevanter Betrieb geöffnet. "In dieser Zeit hatten wir die Öffnungszeiten allerdings reduziert", erinnert sich Birgit Urban-Näher, die den Betrieb gemeinsam mit ihrem Mann innehat. Doch inzwischen ist auch hier alles wieder ganz normal angelaufen. "Und wir hoffen, dass es so bleibt", sagt sie. Sogar neue Kunden habe sie dazugewinnen können.

Da man auf das Ostergeschäft in diesem Jahr komplett verzichten musste, hofft sie, ihre besonderen Geschenke nun zumindest im Weihnachtsgeschäft an die Frau oder den Mann bringen zu können. Über die Unterstützung der Bürger in dieser Zeit freut sie sich ganz besonders. "Ich glaube, es ist für uns alle wichtig, dass wir die Vielfalt in Schriesheim erhalten können", betont Urban-Näher.

Wer auf der Suche nach Geschenken ist, wird auch an Petra Sprucks Geschäft "Peppilello" kaum vorbeikommen. Auch sie ist überwältigt von dem Zusammenhalt in der Stadt. "Die Leute kommen und sagen, sie wollen, dass ich bleibe", freut sie sich. Spruck ist sogar der Meinung, dass die Schließung der Geschäfte für viele auch ein Weckruf war. "Die Leute haben da erst mal gesehen, wie es ist, wenn die Läden alle geschlossen sind", sagt sie. Sie selbst hat die Lockdown-Phase genutzt, um vieles Handgemachtes zu produzieren. Inzwischen verkauft sie zudem noch frische Blumen von Donnerstag bis zum Wochenende.

Dass Haushaltsgegenstände in einer Zeit, in der sich viele daheim aufhalten, durchaus gefragt sind, stellte Elke Morast, Inhaberin von "Brunn Haushaltswaren", fest. "Es wurde offenbar sehr viel daheim gekocht, und dafür habe ich wohl das richtige Sortiment", freut sie sich über den guten Umsatz nach Ende der Schließung. "Die Kunden haben mich wirklich gut unterstützt. Die von Schriesheim, aber auch die Auswärtigen", berichtet Morast. Für sie ist klar, dass die Solidarität der Kundschaft den Schriesheimer Betrieben den Weg aus der Krise geebnet hat.

Auch in Bekleidungsgeschäften wie "Elas Modeatelier" und dem "Kinderlädchen" läuft der Betrieb wieder gut. "Man merkt, dass die Leute sich wieder nach draußen trauen", freut sich Annette Kempf, Mitarbeiterin des Kinderlädchens. Barbara Hölzel, die in Elas Modeatelier angestellt ist, teilt diese Beobachtung. Denn auch wenn die Öffnungszeiten momentan verkürzt sind, freuen sich die Schriesheimer, das Modegeschäft wieder besuchen zu können. "Man muss eben auf neue Ideen kommen, um auf sich aufmerksam zu machen", erklärt Hölzel. Deshalb sei eine gute Marketing-Strategie und Social-Media-Präsenz momentan besonders wichtig: "Aber wir können uns zum Glück nicht beklagen. Viele Leute sagen uns sogar, dass sie zurzeit lieber in kleinere Geschäfte gehen als in große Einkaufszentren."

Diesen Eindruck hat auch Regine Hindorf, die Geschäftsführerin von "Utes Bücherstube". "Ich bin wirklich dankbar für den Rückhalt der Kunden", sagt sie. Doch sie weiß auch, dass die Corona-Schutzmaßnahmen gerade für die kleinen Geschäfte mit wenig Ladenfläche Herausforderungen bergen. "Wir hatten ein bisschen Sorge vor dem Ansturm, den es immer vor dem Schulanfang gibt", berichtet sie. Aus diesem Grund können Kunden auch telefonisch oder per Mail bestellen, um nur für die Abholung in den Laden kommen zu müssen. Auch sie konnte in der schwierigen Phase voll und ganz auf den Rückhalt der Schriesheimer zählen.

Im „ideenReich“ läuft der Betrieb inzwischen wieder ganz normal. Chefin Birgit Urban-Näher hofft, dass es so bleibt. Den Bürgern ist sie für ihre Unterstützung sehr dankbar. Foto: Dorn

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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