24.09.2020

Kulturkreis gedachte Lynn Schoene

Künstlerin verstarb überraschend Anfang des Jahres - Romy Schilling jetzt Ehrenmitglied - Sie lobt den Mut zu Veranstaltungen

Schriesheim. (mpt) Mit einem halben Jahr Verspätung gelingt es. Am Donnerstag konnte der Kulturkreis Schriesheim seine eigentlich für März vorgesehene Jahreshauptversammlung im Gasthaus "Zum goldenen Hirsch" abhalten. Doch das Jahr 2020 macht es schwierig, beim Rückblick auf 2019 in Erinnerungen zu kramen oder gar zu schwelgen. Ein Verlust wiegt dabei viel schwerer als alle abgesagte Veranstaltungen und Ausstellungen: der überraschende Tod der Künstlerin Lynn Schoene.

Zum Jahresbeginn ist die Leiterin des Théo-Kerg-Museums an einer Hirnblutung verstorben. "Es war unser persönlicher Lockdown, ein völlig unerwarteter Verlust. Ihre Arbeit, und ihre Art wird bei uns unvergessen bleiben", sagt die Vorsitzende Gabriele Mohr-Nassauer. Seit 1997 leitete Schoene das Kunstmuseum. Ihr langjähriger Lebensgefährte Tom Feritsch hat sich bereit erklärt, die Leitung für zwei Jahre zu übernehmen. Doch auch in den letzten Wochen musste der Kulturkreis von einer weiteren vertrauten wie geschätzten Person Abschied nehmen: Dr. Franz Neumann, einer der Mitbegründer des Museums, war am 29. August im Alter von 85 Jahren gestorben. Und eigentlich sollten er und seine Frau Ingrid, die acht Jahre lang, vor Lynn Schoene, die Einrichtung geleitet hatte, auf der Versammlung geehrt werden.

"2020 ist trotz der wenigen Veranstaltungen so präsent. Es hat uns in ein Riesenloch fallen lassen", erklärt Mohr-Nassauer, und so konnte sie dem Rückblick auf 2019 doch viel Positives abgewinnen. Schließlich bringen erst die zahlreichen Veranstaltungen wie die Dreikönigsmatinee, der Poetry Slam oder die Kunstausstellungen auf dem Mathaisemarkt das ehrenamtliche Engagement zum Leuchten. Im vergangenen Jahr hatte man zudem unter anderem den Wortakrobaten Jean-Philippe Kindler zu Gast. Der Sunset-Poetry feierte auf der Strahlenburg Premiere, der Nikolaustreff wurde in den Hof des Museums verlegt, und die Erzählungen vom ausverkauften Zehntkeller oder den vollen Gassen bei "Schriesheim jazzt" klingen fast wie Geschichten aus einer fernen Zeit.

Das Théo-Kerg-Museum wiederum empfing im letzten Jahr auch viele Besucher aus Luxemburg. Anlässlich der Ausstellung der Malerin Anna Recker und des 30. Jubiläums des privaten Museums war auch Carlo Kerg, der Sohn des berühmten Künstlers, zu Gast. "Auch zwei Filmemacher waren anwesend und filmten auch Lynn Schöne bei einer Führung", verrät Tom Feritsch. Wann der Beitrag jedoch veröffentlicht wird, ist noch unklar.

Fest steht, dass die 2020 entfallene Ausstellung mit dem Heidelberger Ehepaar Urlaß im ersten Halbjahr 2021 nachgeholt werden soll. Für den Herbst sei dann eine Gedenkausstellung für Lynn Schöne geplant, auch im Hirschberger Rathaus sollen ihre Werke präsentiert werden. Mit der Schau "Von Hell zu Dunkel" (ab dem 27. September) wagt auch das Museum den Neubeginn.

Auf den Neustart-Knopf drückte Romy Schilling im Grunde schon vor einem Jahr. Bei der Wiederübernahme der Mathaisemarkt-Kunstausstellung bewies sie mit den fesselnden Werken von Kornelia Komor und Annette Lea Lemke laut Mohr-Nassauer ein "glückliches Händchen". Nicht nur deshalb wird die seit 1997 im Kulturkreis engagierte Kuratorin zum Ehrenmitglied ernannt. "Du hast unheimlich viel geleistet und den Verein stark mitgeprägt", betont die Vorsitzende. Zunächst als Pressesprecherin aktiv, übernahm Schilling von 2001 bis 2004 selbst den Posten der Vorsitzenden und führte heute zum Großteil immer längst zur Tradition gewordene Veranstaltungen wie die "Heiter-literarische Weinprobe", die Dreikönigsmatinee, das Rathauskonzert bei Wein und Kerzenschein oder eben die Kunstausstellungen beim Mathaisemarkt ein.

"Ich stelle fest, ich bin doch ein fleißiges Mädchen", antwortet die Geehrte keck, zitiert Pablo Picasso ("Kunst ist dazu da, den Staub des Alltags von der Seele zu waschen") und gibt das Lob gerne weiter. "Dass Ihr die Schriesheimer Musiktage ins Leben gerufen habt, war à la bonheur. Gratulation für Euren Mut und die viele Arbeit", betonte sie. Auch aus der Bevölkerung habe die kleine, relativ spontane Open-Air-Konzert-Reihe viel Zuspruch erhalten. Und so klettern auch die Mitgliederzahlen trotz der vielen Kulturabsagen nach oben. 2019 kamen 13 neue Mitglieder hinzu, 2020 sogar schon 16. "Insgesamt haben wir 232 Mitglieder, das ist gut für die Struktur des Vereins", erklärt Schatzmeister Christian Glocker. "Aber ohne die ehrenamtlichen Helfer wäre das alles nicht zu stemmen", fügt er hinzu.

In diesem Jahr kommt für den Kulturkreis neben der Ausstellung im Kerg-Museum nur noch das Nikolaustreffen als mögliche Veranstaltung in Betracht. Alle anderen Vorhaben fallen aufgrund der Corona-Pandemie aus.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung