30.09.2020

Bürgerwerkstatt fühlt sich beim geplanten Café übergangen

Geplantes Café erstmals Thema im Altenbacher Ortschaftsrat - Zuhörer sieht Nahversorgungs-Bürgerwerkstatt "vor vollendete Tatsachen gestellt" - "Im Grunde gut, aber Vorgehen problematisch"

Von Micha Hörnle

Schriesheim-Altenbach. Etwas spät, aber jetzt erreicht die Diskussion um das geplante Café im Evangelischen Gemeindehaus Altenbach selbst: Es war erstmals Thema im Ortschaftsrat, nachdem es bereits zweimal in Schriesheimer Gremien, dem Ausschuss für Technik und Umwelt und im Gemeinderat, diskutiert worden war. Und es gab ersten Unmut. Bevor Pfarrer Kieren Jäschke die Pläne vorstellte, ärgerte sich ein Bürger wegen des Vorgehens. Er habe mitnichten etwas gegen das Café, "aber das lief an der Bürgerwerkstatt vorbei, sie wurde vor vollendete Tatsachen gestellt".

Seit gut einem Jahr gibt es diese Bürgerwerkstatt, die die Möglichkeit eines Dorfladens ausloten soll. Coronabedingt hatte die ihre Arbeit ausgesetzt und erst in der vorletzten Woche wieder aufgenommen. Bei dem Treffen sagte der Einzelhandelsexperte Matthias Prüller, dass ein dem Laden angeschlossenes Café wünschenswert sei; der Mitbegründer des Hochstädtener Mini-Supermarktes – er dient den Altenbachern als Vorbild –, Andreas Klemm, hatte das sogar als Bedingung für das Funktionieren eines solchen Lädchens formuliert. Und daran entzündete sich auch die Kritik des Besuchers der Ortschaftsratssitzung: Wieso würde nun, "parallel und ohne Transparenz", ein Café im Gemeindehaus verfolgt, "und damit die Idee eines Dorfladens torpediert?" Da wäre es doch besser gewesen, sich mit der Bürgerwerkstatt abzusprechen.

Pfarrer Kieren Jäschke gab zu, dass die Kommunikation nicht optimal gelaufen sei. In gewisser Weise wurde seine Kirchengemeinde von den Ereignissen "etwas überrollt". Denn eigentlich hatte ja die Landeskirche angesichts rückläufiger Mitgliederzahlen geraten, das Gemeindehaus, das mittlerweile viel zu groß dimensioniert sei, ganz zu verkaufen; die Gemeinde aber wolle an dem Gebäude festhalten, schließlich hätte es "einen Mehrwert für ganz Altenbach und diene der ganzen Bürgerschaft, und zwar nicht nur ihrem evangelischen Teil. Beim Runden Tisch der Kirchengemeinde sei daraufhin die Idee eines Cafés entstanden – auch wenn das teilweise parallel mit der Bürgerwerkstatt gelaufen sei.

Das sei "kein böser Wille" gewesen, und wenn es zu Unstimmigkeiten gekommen sei, tue es ihm "von Herzen leid". Und er rief die Bürgerwerkstatt auf, sich bei diesem Prozess "eventuell einzuklinken", denn: "Das Café kann nur zu einem Erfolg werden, wenn sich die gesamte Altenbacher Bevölkerung dahinter stellt."

Andererseits sei auch das Gemeindehaus-Café – wie wohl auch der Dorfladen – nicht ohne bürgerschaftliches Engagement denkbar, und so wurde auch der Förderverein gegründet, dem Christian Wolf, Stadt- und Ortschaftsrat der Grünen Liste, vorsteht. Im Grunde soll es so funktionieren wie das "Mittendrin" in der Schriesheimer Altstadt, aber das heiße auch, dass es sich nicht tragen wird: "Wir werden draufzahlen." Aber dennoch sei die Kirchengemeinde sich sicher, dass es das wert sei, zumal nicht nur die Altenbacher, sondern auch die Ausflügler eine Möglichkeit zur Rast im Ortsteil suchen: "Es gibt da einen Bedarf."

Bliebe nur die Frage der Finanzierung. Bei der letzten Gemeinderatssitzung vor einer Woche wurde beschlossen, dass das Gemeindehaus-Café ins "Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum" aufgenommen werden soll. Damit sollen zwischen 20 und 30 Prozent der Umbaukosten abgedeckt werden – geschätzt 120.000 bis 130.000 Euro. Der Rest, so Jäschke, komme aus den Rücklagen der Kirchengemeinde; eventuell müsste auch ein Darlehen aufgenommen werden – Spenden seien da natürlich willkommen.

Ortsvorsteher Herbert Kraus verteidigte Pfarrer Jäschke, denn das Projekt "Café im Gemeindehaus" sei nicht vom Himmel gefallen, sondern ihm seit Ende Juni bekannt. Von diesen Plänen erfuhr die Öffentlichkeit aber erst Mitte Juli, als diese einer Gemeindeversammlung präsentiert wurden. Kraus begrüßt zwar grundsätzlich das Vorhaben ("Damit schaffen Sie eine Begegnungsstätte, im Moment haben wir ja nur die Keglerstube"), erinnerte aber zugleich auch an den Rat der Experten, Dorfladen und Café zusammenzufassen. Angesichts dessen, dass die Zukunft des Mini-Supermarkts in den Sternen steht, zitierte er die jüngste Aussage der Altenbacher Stadträtin Renate Hörisch-Helligrath (SPD) vom Gemeindehaus-Café als "Spatz in der Hand" und dem Dorfladen als "Taube auf dem Dach".

Eine Kritik musste er dann doch anmelden: Er hält wenig von der Idee, dass die Stadt die beiden Erdgeschossräume des Gemeindehauses für die Jugendarbeit anmieten soll: Ohne eine Fachkraft als "Aufpasser" werde das nicht funktionieren.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung