07.10.2020

"Niemandsland" Schriesheim: Verwahrloste Grünfläche über dem Tunnel gehört jetzt der Stadt

Nach Zuständigkeitsgerangel - Erst unlängst wurde lediglich ein schmaler Streifen gemäht

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Mit dem Branichtunnel sollte alles für Schriesheim besser werden. Die Talstraße ist zwar zum Sanierungsgebiet erklärt, aber bis sie umgebaut wird, wird es noch dauern, weil es bisher keine Zuschüsse für den Neubau der Schotterers- und Gaulsbrücke gibt. Dafür geht es, nach zähen Monaten, nun endlich bei der kleinen Grünfläche am östlichen Tunnelmund, an der Bushaltestelle, voran. Noch zu Jahresbeginn war nicht ganz ausgemacht, wer sich nun um dessen Pflege kümmern sollte: die Stadt oder das Regierungspräsidium – daher auch der Name "Niemandsland". Zumindest 2016 bis 2018 kümmerte sich die Karlsruher Behörde um die Mahd, danach niemand mehr.

Anwohnerin Ulrike Linhart war irgendwann genervt, denn als das Areal bepflanzt wurde, hatte sich das Regierungspräsidium richtig viel Gedanken gemacht, sogar ein Landschaftsarchitekt hatte einen detaillierten Pflanzplan entworfen: Feld-Ahorn und eine Stieleiche, dazu heimische Gräser und Kräuter sowie Strauch- und Heckenrosen. Zu sehen gewesen sei in den Sommermonaten aber vor allem hohes Gras, sagte Linhart der RNZ im Februar.

Und daran hat sich bisher nichts geändert. Kurioserweise hieß es bereits vor einem Dreivierteljahr, dass die Pflege des Grundstücks auf die Stadt übergehen sollte, aber davon hat Linhart noch nichts gemerkt. Erst im August war ein städtischer Mähtrupp in der Nähe und senste das Gras am Tunnel, sparte aber ausgerechnet das "Niemandsland" aus. Sie beschwerte sich immer wieder im Rathaus, aber: "Keine Reaktion, da passiert gar nichts." Für Linhart ist diese Wildnis mittlerweile "ein Symbol dafür, wie man in Schriesheim mit dem öffentlichen Raum umgeht". Und die Autofahrer, die am Tunnel Richtung Stadt abbiegen, hätten einen nicht gerade günstigen ersten Eindruck von Schriesheim.

Dabei steht mittlerweile fest: Die Stadt ist definitiv für die Pflege verantwortlich – was an sich auch logisch ist, denn mit der Tunneleinweihung 2016 wurde die einstige Landesstraße Talstraße zur Gemeindestraße herabgestuft, für die (und ihre Grünanlagen) die Stadt zuständig ist. Die Sprecherin des Regierungspräsidiums, Clara Reuß, sagt auf RNZ-Anfrage: "Im Februar gab es einen Vororttermin mit Vertretern der Stadt Schriesheim. Dabei waren auch die Flächen im Bereich des Tunnelportals und die zukünftige Zuständigkeit für die Pflege und Unterhaltung der Flächen ein Thema. Im Nachgang zu diesem Termin wurden der Stadt die Pläne, in denen die entsprechenden Flächen farbig den jeweiligen Zuständigen für Unterhaltung und Pflege, also Stadt oder Landkreis, zugeordnet sind, digital übermittelt."

Für die Stadt bestätigt Bauamtsleiter Markus Schäfer, dass es mehrere Beschwerden Linharts gegeben habe, "jedoch lag die Zuständigkeit zu diesen Zeitpunkten noch beim Regierungspräsidium Karlsruhe, und die Meldungen wurden dementsprechend weitergeleitet". Eine offizielle Übergabe der Flächen an die Stadt erfolgte erst in diesem Sommer – "inklusive der Pflegepläne", so Schäfer. Vorgesehen ist demnach, das nun städtische Niemandsland zweimal im Jahr zu mähen. Linhart hört diese Nachricht mit Freude. Und tatsächlich, so berichtet sie, wurde letzte Woche ein schmaler Streifen gemäht – aber keineswegs die ganze Grünfläche, die "weiter wild wie immer" aussieht.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung