09.10.2020

Landtagswahl 2021: Sebastian Cuny ist SPD-Kandidat für den Wahlkreis Weinheim (Update)

Der Schriesheimer setzt sich mit 55 Prozent gegen André de Sá Pereira aus Weinheim durch.

Von Micha Hörnle

Neckar-Bergstraße. Nach gut anderthalbstunden in der Leutershausener Heinrich-Beck-Halle stand es fest: Die SPD im Wahlkreis Weinheim geht mit Sebastian Cuny in den Landtagswahlkampf. 70 der 130 anwesenden SPD-Mitglieder – bei 127 gültigen Stimmen – votierten für den Schriesheimer Stadtrat und stellvertretenden Vorsitzenden der SPD Rhein-Neckar. Sein Mitbewerber, André de Sá Pereira aus Weinheim, erhielt 54 Stimmen. Dass es mit 55 zu 45 Prozent schließlich ein knappes Rennen werden würde, zeigte allein die Länge des Applauses nach der Kandidatenvorstellung: De Sá Pereira hatte 15 Sekunden Beifall bekommen, Cuny 20.

Dass der politikerfahrene Cuny nicht automatisch der unangefochtene Favorit sein würde, war von vornherein klar, denn dieses Mal entschieden die SPD-Mitglieder und nicht etwa Delegierte, wer Landtagskandidat wird. Und so war es am Ende eine Frage, wer am stärksten seine Anhänger mobilisiert. Bemerkenswert war schon mal, dass immerhin 14,4 Prozent aller 903 eingetragenen Genossen im Wahlkreis den Weg nach Leutershausen fanden – und das unter Corona-Bedingungen.

Inhaltlich liegen zwischen dem Weinheimer und dem Schriesheimer Kandidaten keine Welten, beide wollen das soziale Profil der Partei weiter (oder wieder) schärfen, also vor allem beitragsfreie Kindergärten und Kitas sowie mehr bezahlbarer Wohnraum. Im Stil unterschieden sich beide durchaus. Der 29-jährige de Sá Pereira setzte auf seinen jugendlichen Charme und seine Begeisterung, mit der er andere, gerade jüngere Leute, ansteckte: "Ich bin 29 Jahre alt und glaube an diese sozialdemokratische Partei." Besonders stolz sei er auf die Gründung der Jusos in Weinheim, die auch viele Jüngere außerhalb der Partei erreiche. Cuny war da mehr der Politik-Routinier – schließlich verwies er auf seine Erfolge in der Schriesheimer Kommunalpolitik –, aber der sonst eher sachliche 42-Jährige gab sich ab und an geradezu kämpferisch, als er sich mit einer gewissen Lust an Grün-Schwarz rieb, wobei de Sá Pereira in seiner lebhafteren Art die drastischeren Worte bei diesem Thema fand: "Die verwalten Baden-Württemberg nur so vor sich hin." Cuny hingegen hatte im Gegensatz zu seinem Konkurrenten "ein konkretes Angebot für die Menschen an der Bergstraße", also eine Art Wahlkreisprogramm: eine weitere Gesamtschule, höhere Zuschüsse für Schulsanierungen, Lärmschutz an der neuen Neckarbrücke und Unterstützung für die Ortsumgehung in Großsachsen.

Und eines eint die beiden doch, was wiederum die sozialdemokratische Seele streichelte: Sie wurden nicht mit goldenen Löffeln geboren: De Sá Pereira stammt aus einem, wie er sagte, "klassischen Arbeiterhaushalt", es sei keineswegs "selbstverständlich gewesen, dass ich studieren kann" – und er musste währenddessen in einem Getränkemarkt jobben. Cuny wiederum bezeichnete sich als "Sohn eines französischen Gastarbeiters", der gerade durch ihn und seine Mutter "früh politisiert wurde".

Beide Kandidaten hatten an diesem Abend jeweils einen Fürsprecher: Für Cuny engagierte sich DGB-Regionalgeschäftsführer Lars-Christian Treusch: "Ich kenne keinen, der so sehr für die Werte der Partei brennt wie er" – und schließlich sei er selbst nach Schriesheim gezogen, "weil dort so viel für die Bildungsgerechtigkeit getan wird". Für de Sá Pereira sprach der Dossenheimer Matthias Stammler: "Als Sohn portugiesischer Einwanderer lebt er das Aufstiegsversprechen der SPD vor. Er weiß, wo wir als Partei anpacken müssen."

Eher eine Nebenrolle spielten an diesem Abend die Zweitkandidaten: Vanessa Bausch aus Laudenbach für de Sá Pereira und Rüdiger Kanzler aus Hirschberg für Cuny. Kanzler stellte sich als Arbeitersohn vor, der wisse, wo den kleinen Leuten der Schuh drückt. Während seiner Rede hatten allerdings viele Delegierte schon die Halle verlassen, und so wurde er ganz knapp mit 53 von 105 Stimmen gewählt – bei 27 Nein-Stimmen und 26 Enthaltungen.

Update: Sonntag, 11. Oktober 2020, 16.47 Uhr

Hintergrund:
Sebastian Cuny: "Jetzt geht die Arbeit los. Wir haben eine Riesenaufgabe vor uns, die wir meistern werden. Das war ein faires Miteinander in der Nominierung, darauf können wir aufbauen."

André de Sá Pereira: "Das war eine demokratische Entscheidung, der knappe Ausgang zeigte, dass wir ein gutes Angebot hatten. Natürlich hatte ich gehofft zu gewinnen, aber jetzt stehe ich zu hundert Prozent hinter Cuny und werde ihn im Wahlkampf unterstützen."

Gerhard Kleinböck, scheidender SPD-Landtagsabgeordneter: "Bei dieser Mitgliederversammlung war die Kompetenz ausschlaggebend. Und für die Partei ist das auch gut so. Wichtig ist, dass es Sebastian Cuny hinbekommt, jetzt alle einzubinden."

Thomas Funk, SPD-Kreisvorsitzender: "Ich hatte erwartet, dass sich die Erfahrung und die längere Präsenz Cunys durchsetzen werden. Jetzt sind eine geschlossene Mannschaftsleistung und ein gutes Themenangebot wichtig, sonst wird es ganz schwierig, sich durchzusetzen. Denn die Wahl wird nicht in der Heinrich-Beck-Halle gewonnen, sondern draußen beim Wähler."

Stella Kirgiane-Efremidou, Weinheimer SPD-Vorsitzende: "Das war ein guter demokratischer Prozess, in dem alle fair miteinander umgegangen sind. Jetzt haben wir ein klares Ergebnis und sind bereit für den Wahlkampf."

Axel Breinlinger, Schriesheimer SPD-Vorsitzender: "Gut, dass es eine echte Wahl gab – mit mehr als einem Achtungserfolg für de Sá Pereira. Das Projekt ,Generationenwechsel’ ist mit qualifizierten Kandidaten geglückt und sorgt für einen Aufbruch der Partei."

Heiner Bernhard, Weinheimer Alt-Oberbürgermeister: "Ich habe zwei engagierte Reden von zwei engagierten Kandidaten erlebt. Teilweise war eine Stimmung gegen die Weinheimer SPD zu spüren, was mich nicht gefreut hat."

Ralf Gänshirt, Hirschberger Bürgermeister, in seinem Grußwort: "Wir dürfen bei allen wirtschaftlichen Aspekten von Corona nicht diejenigen vergessen, denen es nicht so gut geht. Wir brauchen auch wieder mehr Sozialpolitik." hö

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung