13.10.2020

Erste gemeinsame Ausstellung von Vater und Sohn Bacht

Die Heidelberger Künstler Michael und Matthis Bacht haben ihre erste gemeinsame Schau im Museum Théo Kerg.

Von Julia Behrens

Schriesheim/Heidelberg. Der eine hat sein Atelier in einer Kirche, der andere in einem ehemaligen Trafohaus. Der eine arbeitet gern mit vorgefundenen, der andere meist mit neuen Materialien. Jetzt sind sie als Vater und Sohn in der sehenswerten Ausstellung "Von Hell zu Dunkel" im Museum Théo Kerg in Schriesheim zu erleben: die beiden Heidelberger Künstler Michael und Matthis Bacht. Sie zeigen, dass sie nicht nur ein Faible für ungewöhnliche Wirkungsorte gemeinsam haben.

Auch Lynn Schoene, die langjährige Leiterin des Museums, die überraschend im Januar starb, und ihr Lebensgefährte Tom Feritsch, der das Haus nun glücklicherweise weiterführt, haben als Künstler jeweils schon mit ihren erwachsenen Kindern in der Galerie Grewenig ausgestellt. Ein interessantes Konzept, weil sich in einem Spannungsfeld von Inspiration und Abgrenzung die gegenseitige Einflussnahme ebenso zeigt, wie der individuelle Weg, den jeder für sich geht.

Für Matthis Bacht (*1982) war der Umgang mit Kunst von Anfang an selbstverständlich, weil bei Vater Michael (*1947) künstlerische Tätigkeit und Kinderbetreuung Hand in Hand gingen. Das Haus war voller Werke und der Nachwuchs wurde, wenn er alt genug war, auch mal nach seiner Meinung gefragt.

Michael Bacht, der im letzten Jahr mit einer großen Retrospektive im Kurpfälzischen Museum gewürdigt wurde und gerade in der Galerie Philippi in Dossenheim mit aktuellen Arbeiten vertreten ist, bezieht seine Ideen vor allem aus seinem jeweiligen Schaffensort. So überführt der Künstler dort vorhandene Materialien wie ausrangierte Verpackungen oder Lohnzettel – aus einer stillgelegten Zigarrenfabrik, in der er einige Jahre tätig war – Bücher oder Stahlgehäuse in Objekte und Installationen und damit in ein neues Ordnungs- und Sinngefüge.

Doch nicht nur Fundstücke sind von Bedeutung. Der Bildhauer hat beispielsweise auch eine Reihe von Werken mit roten Laserstrahlen entwickelt – angeregt von dem Einfall roten Lichts durch die Fenster der Kirche in Epfenbach, in der er heute tätig ist.

Bewusst spielt Bacht senior, der Philosophie und Kunstgeschichte in Tübingen sowie Kunst in Mainz studierte, mit wichtigen Strömungen wie "Konstruktivismus" und "Minimal Art" und entwickelt aus der "Dekonstruktion" der Dinge – durch Loslösung aus ihrem ursprünglichen Kontext – werkimmanente Widersprüche und Brüche. So zum Beispiel in einer neuen Arbeit, in der er einen alten Heizkasten aus dem Atelier in eine "Tiefgarage mit drei Jagdwagen" (2020) transformiert und – mit strategisch verschiebbaren Nägeln auf einer Magnetplatte sowie Spielgeld und einer Rattenfalle – an die Gräuel und ungeheuren Kosten des 2. Weltkriegs erinnert.

Im Kergmuseum kontrastiert Michael Bacht die eigenen, eher dunkel gehaltenen und einen weiten Zeitraum überspannenden Werke mit den vornehmlich hell kreierten Arbeiten seines Sohnes. Beide verbindet ein konzeptueller Ansatz und die intensive, experimentelle und serielle Auseinandersetzung mit bestimmten meist vom Material ausgehenden Themen.

Bacht junior, der an der Kunstakademie Düsseldorf unter anderem bei Rita McBride Bildhauerei studierte, denkt eher "architektonisch": Seit 2013 wirkt der Heidelberger im "Haus am Wehrsteg", nutzt das markante Gebäude am Neckar nicht nur als Atelier, sondern auch als Ausstellungsplattform für zeitgenössische Positionen und betrachtet die Gestaltung von Haus und Areal als eigenes, künstlerisches Format. Außerdem spielt in seinem Schaffen neben Statik und Balance die Farbe Weiß eine wesentliche Rolle.

Matthis Bachts Skulpturen und Wandobjekte aus Metall, Papier, Ton und gelegentlich Fotografie sind fein austarierte Gebilde von ganz unterschiedlicher Wirkung. In einer wandhohen Installation sitzt ein riesiges Blatt Papier in einem überdimensionierten Kartenhalter, wie er überall auf Postkartenständern zu finden ist. Aufgrund seiner Größe fällt das Papier ein wenig ein und wird assoziativ zu einer "Gefallenen Wolke" (2020). An anderer Stelle nimmt der Künstler mit einem "Eingehausten Stalaktiten" (2020) direkt Bezug zum Museum, indem er formal auf das Fachwerk des Baus reagiert und das abgeschlossene Wachstum des Tropfsteins mit einem Stillstand der Zeit vergleicht, den er angesichts des alten Gebäudes in Schriesheim empfindet. Dass viele Arbeiten diese übergeordnete, symbolische Ebene besitzen, ist ein Merkmal, das beide Bildhauer vereint.

Info: Museum Théo Kerg Schriesheim, bis 8. November. Internet: www.kk-schriesheim.de.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung