14.10.2020

Bergstraße: Hoteliers zwischen Wut und Ratlosigkeit

Viele hadern mit dem Beherbergungsverbot und seiner unklaren Umsetzung - Aber fast noch schlimmer ist für sie die grassierende Unsicherheit

Neckar-Bergstraße. (hö/ans/krs) Welchen Hotelier man auch fragt: Jeder hadert mit dem Beherbergungsverbot. Die RNZ hörte sich in den Betrieben der Region um.

> Schriesheim: Werner Krämer vom "Neuen Ludwigstal" ist ratlos – und mit ihm der Rest der Welt: "Alle sind verunsichert." Denn das Beherbergungsverbot ist alles andere als klar, weder für ihn noch für die Gäste: "Wenn sich bei mir eine Firma aus Dortmund anmeldet, der Gast aber in Essen, einem Risikogebiet, wohnt, was gilt dann? Wie soll ich überhaupt das alles nachprüfen?" Denn eine einzige Informationsstelle, die ihm klar die geltenden Risikogebiete ausweist, kennt er nicht. Und wie soll er bei den Anmeldungen per Internet verfahren? Im Grunde müsste er jedes Mal nachfragen. Für ihn ist das mittlerweile "Chaos pur". Und die verunsicherten Gäste buchen mittlerweile schon nicht mehr, der Schaden ist mittlerweile für ihn längst angerichtet: "Da ist es schon fast egal, ob das Beherbergungsverbot zurückgenommen wird oder nicht." Für ihn stimmt dieser ganze Ansatz nicht: "Die steigenden Fallzahlen kommen doch nicht von den innerdeutschen Reisen, sondern von den wilden Partys", ist er sich sicher.

Jürgen Scheid vom "Hotel Scheid" ist ebenso ratlos: "Es gibt keine klaren Richtlinien." Im Grunde könnten die Hotels in dieser Situation nur alles falsch machen, keinesfalls könnten sie alle Angaben der Gäste prüfen. Erst unlängst habe eine Gruppe aus Berlin abgesagt, aber das hatte nichts mit dem Beherbergungsverbot zu tun – sie taten es aus Eigenverantwortung.

Auch Ernst Schmitt vom "Hotel Hauser" machen momentan die vielen Absagen zu schaffen: Er berichtet von Umsatzeinbußen von 90 Prozent. Erst am letzten Wochenende mit seinen Konfirmationen stornierten etliche Gäste ihre Zimmer: "Jeder hat Angst." Auch bei den Durchreisenden sei das Geschäft mau, weil im Moment viel von Zuhause gearbeitet wird. Im Moment ist keines seiner 20 Zimmer vermietet, die nächste Buchung gibt es ab Freitag.

> Hirschberg: Die Chefin des Hotels Krone in Großsachsen, Sabine Grüber, hofft darauf, dass das Beherbergungsverbot am heutigen Mittwoch gekippt wird. Sie ist auf 180: "Das ist nur noch Schikane, um die Hotellerie kaputtzumachen", schimpft Grüber stinkesauer. "Für mich ist das nicht nachvollziehbar." Sie habe lauter Stornierungen. "Dabei ist das doch eh schon ein Scheiß-Jahr." Sie mache jeden Tag 20 Prozent Verlust. Wird das Beherbergungsverbot nicht gekippt, hat sie am Wochenende eine Hochzeitsgesellschaft weniger. "Da fallen dann auf einmal 30 Leute weg", so Grüber. Sie müsse doch mit ihrem Betrieb und den 60 Mitarbeitern auch irgendwie überleben. Hinzu kämen die ständigen Anrufe von verunsicherten Gästen, für die sie eigentlich eine eigene Telefonistin bräuchte. Von der Politik hat Grüber aktuell die Schnauze voll: "Jetzt reicht’s einfach." Normalerweise würde sie ja wählen gehen, aber aktuell wüsste sie nicht wen.

> Ladenburg: "Im September hatten wir 66 Übernachtungen, im Oktober bisher eine", sagt Gerd Katzenmaier vom Hotel "Im Lustgarten". Nächstes Wochenende sollte eine Gruppe anreisen, Katzenmaier musste aber absagen, denn der Großteil der Gruppe kommt aus dem Risikogebiet Stuttgart. Ihm fehlen monatlich 200 Übernachtungen, sagt er. "Die großen Ketten schieben ihre Gäste hin und her zwischen ihren Standorten, wir kleinen Betriebe werden da viel härter getroffen." Hinzu käme, dass einige Gäste, sich strikt weigern würden, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Das Beherbergungsverbot findet Katzenmaier "eigentlich schon sinnvoll". "Wir müssen ja auch uns schützen, wir sind ein Familienbetrieb, wenn es uns erwischt, können wir gleich ganz zu machen."

Ähnlich sieht es auch Sven Bendtner, Empfangsleiter im "Hotel Leonardo": "Eigentlich ist es sinnvoll, nur an der Umsetzung könnte man noch schleifen." Die Gäste müssten einen negativen Coronatest vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist. "Aber sie stehen teilweise sechs Stunden an, um einen Test zu bekommen, und müssen dann ein bis zwei Tage auf das Ergebnis warten, das funktioniert schlicht nicht." Er glaubt auch, dass es Auswirkungen auf sein Hotel haben wird, sollte die Stadt Mannheim eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum erlassen. Zu den Gästezahlen möchte Bendtner sich nicht äußern. Nur so viel verrät er: "Eine Katastrophe ist es nicht."

Gerhard Tragesser vom "Cronberger Hof" blickt wenig optimistisch in die Zukunft: "Ein Jahr kann man ja irgendwie überstehen, aber im Frühjahr wäre es schon gut, wenn ein Impfstoff kommt." Der Hotelbetrieb sei fast zum Erliegen gekommen. "Wir sind froh um die Kurzarbeit."

> Edingen-Neckarhausen: "Ein Beherbergungsverbot für Gäste in Ferienwohnungen ist Quatsch", findet Marianne Koch. Seit Ende August kann man bei den Landwirten der Familie Koch in Edingen Ferienwohnungen mieten. Die Frage nach dem Beherbergungsverbot stelle sich bei ihnen aber noch nicht. "Aktuell haben wir nur Gäste aus der näheren Umgebung, bei denen zum Beispiel etwas in der Wohnung kaputt ist", erzählt Koch. Sie findet, dass es einheitliche Regeln braucht. "Wenn jetzt jede Stadt eigene Regeln hat, blickt ja keiner mehr durch." Niko Paul vom Restaurant und Hotel "Neckarperle" in Neckarhausen nimmt die Situation, wie sie kommt: "Was soll man machen, es ist jetzt eben so."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung