24.10.2020

Zu viele Kindergarten-Kinder stellen Stadt vor Probleme

Jetzt werden die Gruppen größer - Eine Notlösung, denn alle Alternativen haben sich zerschlagen

Schriesheim. (hö) Eigentlich ist es ja eine erfreuliche Entwicklung: In Schriesheim gibt es – zumindest im Moment – immer mehr Kindergartenkinder. Das stellt aber die Stadtverwaltung vor etliche Probleme. Denn in den fünf städtischen Kindergärten der Kernstadt (plus dem Waldkindergarten) gibt es nur insgesamt 450 Plätze. Aber schon 2020/21 wollen 493 Kinder dorthin gehen – und die nächsten zwei Jahre bleiben die voraussichtlichen Anmeldezahlen stabil über der 490er-Marke. Erst ab 2024/25 deutet sich wieder, bedingt durch sinkende Geburtenzahlen, eine Abschwächung auf etwa 440 Kinder an. Also muss kurzfristig etwas getan werden. Die Stadt spiele einige Varianten durch, um letztlich zu einer fast naheliegenderen Lösung zu kommen: Die Gruppen werden zeitweilig größer, ein bis zwei Kinder pro Gruppe, verteilt auf alle Kindergärten.

Denn die Alternativen dazu hätten auch nicht gepasst, so Hauptamtsleiter Dominik Morast auf der Gemeinderatssitzung am Mittwoch: je eine neue Gruppe für den neuen Kindergarten in der Hirschberger Straße und für den Kindergarten Conradstraße oder die Einrichtung eines Naturkindergartens. Eine neue Gruppe in der Hirschberger Straße wäre erstens teuer – allein die zusätzlichen Personalkosten für zehn Plätze lägen bei über 130.000 Euro, bei lediglich 33.000 Euro an Einnahmen –, und zweitens stünde das dem dortigen Bewegungskonzept entgegen. Im Fall der Conradstraße sei es ja unsinnig, einen weiteren Container aufzustellen, wo man doch die alten in absehbarer Zeit durch einen Neubau ersetzen will. Und ein Naturkindergarten am Madonnenberg, sozusagen das städtische Pendant zum Waldkindergarten, ist auch nicht so einfach: Man braucht eine Betriebserlaubnis, von einem Unterstand (wohl in Form einer festen Hütte oder eines Bauwagens) mal ganz abgesehen – und das in einem Naturschutzgebiet. Zumal sich Morast nicht sicher ist, "ob es einen Bedarf für einen zweiten Waldkindergarten gibt".

Die Räte hatten gegen den Vorschlag einer "leichten Überbelegung der Kindergärten" (Morast) nichts einzuwenden, allgemein wurde der hohe Standard der Kinderbetreuung gelobt. Für Fadime Tuncer (Grüne Liste) ist es vertretbar, wenn jede Einrichtung drei bis vier Extra-Kinder aufnimmt. Auch Christiane Haase (CDU) verwies auf die angespannte Haushaltslage, die im Moment keine großen Investitionen zulasse. Und sie regte mehr altersübergreifende Gruppen an. Das ist im Moment auch eine Strategie der Verwaltung: Die nicht-städtischen Kinderkrippen mit ihren Unter-Dreijährigen könnten auch eventuell mehr "große" Kindergartenkinder aufnehmen. Dazu liefen erste Gespräche, aber das ganze Prozedere ist, auch finanztechnisch, überaus kompliziert.

"Uns bleibt keine andere Wahl", fand auch Gabriele Mohr-Nassauer (SPD), zudem gehe ja die Kurve der Anmeldungen in den nächsten Jahren wieder nach unten. Für sie steht "ein Naturkindergarten nicht zur Debatte". Ganz aufgeben wollte Bernd Hegmann (Freie Wähler) diese Idee dann doch nicht: Wenn schon der Madonnenberg aus Gründen des Naturschutzes – man erinnert sich an die Probleme einer ganz anderen Hütte hier – nicht in Frage kommt, vielleicht wäre der momentan leer stehende Mühlenhof eine Alternative.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung