28.10.2020

Schriesheim erhielt das "Weinsüden"-Siegel

Schriesheim erhielt das "Weinsüden"-Siegel

Einmalig an der ganzen Bergstraße - Damit wird die Stadt für Touristen sichtbarer - Weinkönigin-Schild an Stadteingängen geplant

Maria Zimmermann (Tourismusservice Bergstraße) übergab das „Weinsüden“-Siegel am Rathausbuckel an Bürgermeister Hansjörg Höfer (Mitte) – zusammen mit (v.l.) Winzer Johannes Teutsch, Ronny Grüber, Hartmut Haas (beide Winzergenossenschaft), Joachim Müller (Verkehrsverein) und Wirtschaftsförderer Torsten Filsinger. Foto: Dorn

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Es ist ein erlauchter Kreis, zu dem Schriesheim gestoßen ist: Nur 53 Orte in ganz Baden-Württemberg (davon 23 in Baden) dürfen das Siegel "Weinsüden – Weinorte" tragen. An der Bergstraße ist sonst niemand vertreten, die nächsten "Weinsüden"-Orte, Heilbronn oder Oberderdingen bei Bretten, sind mehr als eine Stunde Fahrzeit entfernt. Denn die Anforderungen für diese Auszeichnung sind hoch, wie Maria Zimmermann, die Vorsitzende des Tourismusservice Bergstraße erklärte: mindestens zwei Weinbaubetriebe, deren Produkte auch im Ort ausgeschenkt werden, genügend touristische Infrastruktur (wie zum Beispiel Weinwanderwege), Straußwirtschaften und regelmäßige Weinfeste – also kurz eine gelebte Weinkultur. Und das hat eben an der Bergstraße nur Schriesheim, fand die Tourismus-Marketing-GmbH Baden-Württemberg, die das Siegel verleiht.

Wirtschaftsförderer Torsten Filsinger sieht darin auch einen Schub für Schriesheim, das in der näheren Umgebung nun ein Alleinstellungsmerkmal hat – und jetzt auch landesweit sichtbarer wird, denn für diese "Weinsüden"-Orte soll verstärkt geworben werden – im Moment ist allerdings die "Internetseite (www.weinsuedenort.de) noch etwas ausbaufähig. Winzer Johannes Teutsch sieht darin immerhin eine Chance, "Leute von außerhalb auf Schriesheim aufmerksam zu machen", denn das schaffe die Stadt aus eigener Kraft nicht.

Dass das neue Siegel zwar ein Anreiz, aber noch nicht die Lösung aller Tourismus-Probleme ist, wissen Zimmermann und Filsinger nur zu gut. Denn weingeografisch gehört Schriesheim eben nicht (mehr) zur Bergstraße, sondern zu Baden, da droht das Anbaugebiet, das auch noch durch eine Landesgrenze geteilt wird, etwas ins Hintertreffen zu geraten. Deswegen sagt auch Zimmermann: "Wenn es nach mir ginge, würden wir zur Bezeichnung ,Badische Bergstraße’ zurückkehren." Schließlich ist sie ja selbst eine "Hiwwe-und-Driwwe"-Bergsträßerin: Sie ist in Bensheim geboren (wo sie auch noch lebt) und arbeitet in Weinheim. Von trennenden Landesgrenzen hat Bürgermeister Hansjörg Höfer selbst "noch nichts gemerkt, gerade als in den letzten Monaten viele auf dem Rad entlang der Bergstraße unterwegs waren". Und doch endet die Badische Weinstraße, die endlich 2015 um die Badische Bergstraße erweitert worden war, direkt an der Landesgrenze vor Heppenheim – wo es keine Hessische Weinstraße gibt. Immerhin heißt dort das Weinanbaugebiet "Hessische Bergstraße" – und ist damit etwas präsenter als das badische Pendant, dessen Bezeichnung 1971 abgeschafft wurde. Zimmermanns Wunsch wäre zumindest eine durchgängige Beschilderung von Alsbach bis Leimen. Zimmermann kontert diese Defizite derweil mit einem gemeinsamen Bergstraßen-Marketing, also Wander- und Radführern oder Broschüren.

Apropos Wanderung: Bekanntlich wurde die traditionelle Weinwanderung coronabedingt ins Internet verlegt. Die Winzergenossenschaft und die Weingüter Georg Bielig, Max Jäck, Johannes Teutsch, Philipp Wehweck, Matthias Schmidt ("Rosenhof Ladenburg"), Christiane Majers "Weinscheuer" und Wilhelm Müllers "Weinstube" stellten vor gut einem Monat ein acht Weine umfassendes "Paket" zusammen. Noch bis Ende Februar ist es für 65 Euro zu haben – und wurde schon über 80 Mal verkauft, wie Filsinger stolz berichtet.

Und was macht nun Schriesheim konkret mit dem "Weinsüden"-Siegel? Damit werben, vielleicht sogar an den Stadteingängen. Zugleich verriet Filsinger eine kleine Sensation: "Geplant sind dort jetzt Hinweise auf unsere Weinkönigin." Nur: Die Schilder sind furchtbar schwer mit den Verkehrsbehörden abzustimmen.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung