10.11.2020

Keine "Querdenker" vor den Schulen

Aktionen von Coronaskeptikern blieben aus - Aber dennoch gibt es von ihnen Flugblätter, die sich gezielt an Kinder richten

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Die für Montag befürchteten Protestaktionen der coronaskeptischen "Querdenker" vor Kindergärten oder Schulen hat es nun doch nicht gegeben. Sowohl der Schulleiter des Kurpfalz-Gymnasiums, Hans-Peter Kohl, als auch ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mannheim bestätigten gegenüber der RNZ, dass keine Flugblätter oder gar "nutzlose" Masken verteilt worden sind. "Uns ist kein einziger Fall bekannt", sagte der Polizeisprecher, "das war viel Lärm um nichts."

Gegen Wochenende hin hatte es deswegen einige Aufregung gegeben, denn in einem Rundschreiben des zuständigen Polizeipostens Schriesheim an die Schulen und Kindergärten in der Weinstadt wie in Hirschberg wurde am Donnerstag darauf hingewiesen, dass es zu Aktionen kommen könnte. Und wenn, dann sollte man die Polizei rufen. Tatsächlich hatten die Organisatoren, die Stuttgarter Initiative "Querdenken 711" – sie hatte ebenfalls die am Sonntag aus dem Ruder gelaufene Demonstration in Leipzig organisiert – erklärt, sie hätten für den Montag nichts geplant, die lancierten Meldungen in der Presse über diese Aktion sei nur ein Test ihrer Kommunikationsstrukturen gewesen. Angeblich, so hatte der Kölner "Express" berichtet, sollten bundesweit an 1000 Schulen nutzlose, da besonders weitmaschige Masken verteilt werden. Der Weinheimer Grünen-Landtagsabgeordnete Uli Sckerl hält das Dementi von "Querdenken 711" für eine faule Ausrede: Schon vor drei Wochen hätten die Coronaskeptiker eine ähnliche Protestform ausprobiert, die aber mangels Teilnehmer ein Schlag ins Wasser gewesen sei.

Und doch: Etwas könne schon dran sein, an dem Masken-Protest. Denn, so schrieb Sckerl am Sonntag der RNZ: "Dass die Aktion geplant war, bzw. dass es mindestens Flugblätter gibt, die sich an Schüler wenden und diese verunsichern und ängstigen sollen, zeigen Fotos von Flyern, die heute bei der Kundgebung im Schlosspark auslagen." Auf ihnen wird Kindern geraten, sofort die Maske abzunehmen, wenn es ihnen schlecht wird.

Unterdessen ärgert sich ein Schriesheimer darüber, dass der Polizeisprecher gegenüber der RNZ erklärt hatte, dass ein Verteilen der Flugblätter vor Schulen und Kindergärten an sich nicht verboten sei: Erstens habe man den Kindern beigebracht, dass diese sich nicht von Fremden ansprechen lassen sollten, und zweitens: Wer garantiere, dass beim Flugblattverteilen, möglicherweise sogar ohne Maske, auch der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werde? Dazu meinte der Polizeisprecher: "Das ist ja gar keine Frage. Der Coronaabstand gilt selbstverständlich auch für Coronaleugner oder- skeptiker."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung