17.11.2020

Der Glasfaserausbau im Gewerbegebiet startet

Am Montag gab es den ersten Spatenstich - 50 Betriebe erhalten bis zum nächsten Sommer das schnelle Internet "frei Haus"

Schriesheim. (hö) Das ging ja mal fix: Fast auf den Tag genau fünf Monate nach der Ankündigung, dass es im Gewerbegebiet östlich der B3 bald Glasfaser geben wird, folgte am gestrigen Montag der erste Spatenstich mit Bürgermeister Hansjörg Höfer und Thomas Heusel, dessen Zweckverband High-Speed-Netz Rhein-Neckar (auch Fibernet genannt) die Arbeiten bis zum Sommer vornimmt. Coronabedingt fand dieser unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Dass das Areal, das die Carl-Benz-Straße, die Industriestraße, die Porphyrstraße, den Spännigweg und die Werner-von-Siemens-Straße umfasst, mit der neuen Übertragungstechnik mit Geschwindigkeiten von einem Gigabit pro Sekunde fit für die Zukunft gemacht werden soll, ist an sich nicht das Besondere. Sondern dass es die Betriebe – insgesamt 50 interessierten sich dafür – nichts kostet, im Gegensatz zu den Altenbacher und Ursenbacher Privatleuten, die für den Anschluss bis zu 1200 Euro zahlen müssen, obwohl dieselbe Firma, eben Fibernet, Glasfaser verlegt.

Denn möglich macht das hier ein spezielles Bundesprogramm für Gewerbegebiete plus einer Landesförderung; beide zusammen kommen für 90 Prozent der Kosten auf – allerdings nur unter der Bedingung, dass die Glasfaser direkt zum Hausanschluss gelegt wird. Würde Fibernet die Eigentümer an den Kosten beteiligen, sinke der Bundeszuschuss, so Heusel – und so ist es für die Firmen jetzt kostenlos.

Bereits im Juni hieß es, die Betriebe sollten sich beeilen, um sich für den Glasfaseranschluss zu bewerben. Ob tatsächlich alle Firmen im Gewerbegebiet mitgemacht haben, konnte Heusel nicht sagen: "Wir schaffen nie eine Quote von 100 Prozent, normal sind 60 bis 85 Prozent." Allerdings müssen die Firmen dann auch den Betreiber wechseln: Momentan schaltet sich nur die Netcom-BW auf das Glasfasernetz von Fibernet auf, vielleicht auch die bisher eher unbekannte bayerische Firma "Overturn Technologies", die im Kraichgau und in Heiligkreuzsteinach Tarife anbietet. "Von den Großen ist bisher noch keiner dabei", sagt Heusel. In den nächsten Tagen führt er mal wieder ein Gespräch mit der Telekom, "aber für die ist unser Netz im Moment noch zu klein." Wer allerdings weiter bei Telekom& Co. bleiben will – kein Problem. Die Kupferleitungen liegen weiter im Boden.

Für die angrenzenden Wohngebiete konnte der Operative Leiter von Fibernet keine allzu großen Hoffnungen machen, dass die Glasfaserkabel bald auch zu ihnen kommen: "Bei dieser Maßnahme handelt es sich um ein Sonderprogramm für Gewerbegebiete. Bei Wohngebieten gibt es ganz andere Mechanismen und Regelungen. Da kann man nicht einfach so mal sagen: ,Dann machen wir das Kabel eben etwas länger.’"

Die Tiefbauarbeiten im Gewerbegebiet mit einer Gesamtlänge von 2600 Metern gelten als relativ unproblematisch. Meist sind es sowieso nur die Gehwege, die aufgegraben werden – es sei denn, es müssten Kreuzungen überwunden werden. Im Sommer 2021 soll alles fertig sein.

Dieses Areal ist das aktuelle Projekt auf einer Liste von insgesamt 14 Gewerbestandorten, die der Zweckverband Fibernet, dem alle 54 Kommunen des Rhein-Neckar-Kreises angehören, derzeit mit Glasfaseranschlüssen versorgt – übrigens als erster Landkreis in Baden-Württemberg. Der Zweckverband steuert und koordiniert den Glasfaserausbau, der für die wirtschaftlichen Zukunftsperspektiven der gesamten Region entscheidend ist, denn gerade für Betriebe ist eine schnelle Datenübertragung ein wichtiger Standortfaktor.

Deswegen freute sich Bürgermeister Höfer besonders: "Die Breitbandversorgung ist für den mittel- und langfristigen Erfolg unserer Betriebe und natürlich für den Gewerbestandort Schriesheim insgesamt von großer Bedeutung. Daher freue ich mich über die zeitnahe Umsetzung der Anschlüsse. Die hochmoderne Glasfasertechnologie steigert nicht nur die Qualität der Datenübertragung, sondern auch den Wert der Immobilie."

Hintergrund: Altenbach ist im Plan

Die Arbeiten am Glasfaserausbau in Altenbach – hier wird nur die Hauptstraße mit der neuen Technologie versorgt – laufen wie gedacht (oder erhofft): Der Operative Leiter von Fibernet, Thomas Heusel, sagte gestern auf RNZ-Nachfrage, dass der Großteil der Arbeiten bis Dezember abgeschlossen sei – bis auf die berüchtigten drei (von insgesamt acht) Telefonkästen, die die Telekom erst spät freigegeben hatte. Das führte nicht nur zu erheblichen Mehrkosten (statt ursprünglich 195.000 jetzt 315.000 Euro, RNZ vom 25. Juli), sondern auch zu einigen Verzögerungen. Heusel meint, dass diese restlichen drei Kabelverzweiger bis April angeschlossen sind. Dann haben immerhin auch diejenigen 90 Prozent Altenbacher, die nicht direkt an der Hauptstraße wohnen, mit den "aufgemotzten" alten Kupferleitungen schnelleres Internet als jetzt.

Für Ursenbach, das im Gegensatz zu Altenbach komplett mit Glasfaser erschlossen wird, soll die Inbetriebnahme im Januar sein. Im Moment gebe es, so Heusel, noch Probleme mit den Rohren, die die Firma Netcom-BW vom Landstraßenabzweig über die Estenklinge verlegt und die dann Fibernet mieten will. Wohl noch in dieser Woche soll das aber geklärt sein. (hö)

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung