25.11.2020

Abhol- und Lieferdienste der Gastronomen weniger nachgefragt

"In der ersten Woche lief gar nichts" - Gastronomen hoffen auf ein Anziehen der Nachfrage - Sorgenvolle Blicke in die Zukunft

Von Volker Knab

Schriesheim. Die Gastronomen, die nach der Schließung ihrer Lokale seit November Abhol- und Lieferdienste von Speisen anbieten, sind unzufrieden: In den ersten zwei Wochen des Teil-Lockdowns im November hält sich die Nachfrage der Kunden in Grenzen. Gleichzeitig machen sich die Wirte Sorgen, ob die Zwangspause weitergeht – was sich für Mittwoch bei der gemeinsamen Konferenz der Kanzlerin und der Ministerpräsidenten andeutet –, und warten auf die zugesagte Unterstützung der Bundesregierung.

Die Stadt unterstützt die Gastronomen mit einer fortlaufend aktualisierten Liste auf ihrer Homepage, welche Gastronomen am Ort Abhol- und Lieferdienste anbieten – momentan sind es sieben Gaststätten. Werde die Schließung der Gastronomie im Dezember fortgeführt, "werden wir uns gegebenenfalls darüber unterhalten, was wir sonst noch weiter tun können", sagt der städtische Wirtschaftsförderer Torsten Filsinger gegenüber der RNZ.

Zugleich wird der gastronomische Service wieder etwas verstärkt in Anspruch genommen, stellte die RNZ im Zuge ihrer Recherchen fest. Insgesamt ist es aber noch kein Vergleich zu den Einnahmen in den Monaten des ersten Lockdowns. Weniger unterschiedlich als die Erklärungen der Wirte für diese Entwicklung, fällt allerdings ihr Blick in die Zukunft aus: Und der ist bis auf wenige Ausnahmen eher pessimistisch. Von der Politik erhoffen sie sich eine möglichst baldige Entscheidung, wie es mit der bislang auf den November begrenzten Schließung weiter geht. Einige sorgen sich um ihre Investitionen, die sie im Herbst bei der Umsetzung ihrer Hygienekonzepte im Außenbereich getätigt haben.

"Wir freuen uns über jeden Gast, der in diesen schwierigen Zeiten durch eine Bestellung seine Wertschätzung für die örtliche Gastronomie ausdrückt", lässt sich Jürgen Opfermann, Inhaber von "Das Gasthaus", seinen Optimismus mit Blick auf die Zukunft nicht nehmen. "Das muss sich noch ein bisschen entwickeln", rät er, im Hinblick auf die Nachfrage abzuwarten. Aber insgesamt gesehen, sei die Gastronomie-Branche am Limit. "Insbesondere für die jungen Kollegen wird es schwierig", so Opfermann weiter. Die könnten kaum auf Rücklagen zurückgreifen.

Was die Situation insgesamt so schwierig mache, sei die Nichtplanbarkeit. "Und die ganzen Weihnachtsfeiern sind schon weg", erklärt Opfermann. Planen sei derzeit ein Blick in die Glaskugel. Für ein Unternehmen, wie das Opfermanns, das viel Umsatz mit Hochzeiten oder ähnlichen Feiern macht, ist das aber essenziell. Eine schwierige Situation.

"Es ist ganz anders als beim ersten Lock-down", hat Sana Pazoki von "La Perseria Masthi" beobachtet. Da sei bereits "in der ersten Woche viel los gewesen, und auch das Wochenende lief super", sagt sie. Das schleppende Anlaufen der Nachfrage jetzt im zweiten Teil-Lockdown erklärt sich Pazoki unter anderem mit den weiterhin geöffneten Geschäften des Einzelhandels. Sorgen bereitet auch ihr die Unsicherheit, was die Modalitäten der zugesagten Zuschüsse seitens der öffentlichen Hand betrifft. Sie sorgt sich dabei besonders um ihre im Außenbereich mit Zelt und Heizstrahlern getätigten Investitionen. Als sie das Geld in die Hand nahm, machte man den Gastronomen für die Wintermonate noch Hoffnung auf eine erweiterte Bewirtung der Gäste im Außenbereich. Von einer Komplettschließung war da nicht die Rede.

"Die letzte Woche verlief eher schleppend. Aber es wird von Tag zu Tag besser. Mit dem Lieferservice bin ich zufrieden", zieht Wilhelm Müller von der "Weinstube Müller" eine erste Bilanz des Verkaufs im zweiten Teil-Lockdown. So sei dieser Tag auch wieder besser als der vorangegangene. "Das spielt sich wie beim ersten Lockdown wieder ein", zeigte er sich zuversichtlich. Natürlich sei das aber insgesamt gesehen kein Vergleich zu einem gewöhnlichen Umsatz im November mit Weihnachts- oder Geburtstagsfeiern.

"Heute ist es etwas mehr. Aber in der ersten Woche lief gar nichts", beschreibt die Inhaberin der "Weinstube Hauser", Ingrid Schmitt, die momentane Situation. "Im Grunde sind die Einnahmen aus dem Abholservice ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt sie weiter. "Ich hoffe, dass wir nicht den ganzen Dezember die Gastronomie geschlossen halten müssen".

Im Hotel beherbergt sie derzeit lediglich Arbeiter auf Montage. Die Touristen, die sonst im Herbst zum Wandern anreisen, fehlen genauso wie die Übernachtungen aufgrund von Seminaren und Schulungen in Betrieben. Die sind abgesagt, und viele Mitarbeiter der Unternehmen erneut im Homeoffice beschäftigt. Alles Einnahmen, die ihr derzeit fehlen. "Ich habe keine zehn Prozent vom Umsatz beim Hotel", so Schmitt. Aber wenigstens dürfe sie den Gästen jetzt im zweiten Lockdown Frühstück und andere Essen anbieten. Was die zugesagte Unterstützung des Staates betrifft, wartet sie noch auf die Verabschiedung der endgültigen Modalitäten.

Bei den Zuschüssen befürchtet Heidi Klein von "Heidis Imbiss" die momentan geplante Verrechnung der Umsätze aus dem Straßenverkauf vom Vorjahr mit den zugesagten Zuschüssen für die in diesem Jahr durch die Schließung entgangenen Einnahmen im Innenverkauf. Wenn nur für die durch die Schließung der Gaststätte im Inneren erwirtschafteten Umsätze von Vorjahr 70 Prozent als Zuschuss bezahlt werden, lohne "es sich mehr, gleich ganz zuzumachen", meinte die Chefin von "Heidis Imbiss".

Sie habe aber schließlich auch Personalverantwortung, weist sie auf die Mindereinnahmen der in Kurzarbeit geschickter Mitarbeiter hin. "Wir gehen da zusammen durch", laute dagegen ihre Haltung. Schließlich müsse sie sich in guten Zeiten ebenfalls auf ihr Personal verlassen können. Bislang verläuft aber auch bei ihrem Abholservice der Verkauf schlechter als während des ersten Lockdowns im Frühjahr. Das stimmt sie eher pessimistisch, was eine Wiedereröffnung noch in diesem Jahr betrifft. Auch Klein hat im Sommer in Erwartung eines auch im Winter erlaubten Verkaufs im Außenbereich "viel Geld in die Hand genommen" und in Heizstrahler und Zelt investiert. Sie hofft, dass sie am Ende nicht auf diesen Kosten sitzen bleibt, die "man normalerweise gar nicht braucht", wie sie sagt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung